Optionen zur Hochzeit

Alles über Krawatten

Werden Sie "bindewillig"!

 

"Eine gut gebundene Krawatte ist der erste ernste Schritt im Leben." Oscar Wilde war es, der diese Worte 1891 sprach. Ob er nun damit meinte, dass eine Krawatte zu tragen untrüglicher Beleg für wahre Männlichkeit ist oder dass sie korrekt anzulegen eine hohe Kunst erfordert, die erst lange studiert sein will, weiß man nicht. Beides wäre möglich, denn beides trifft zu. Auf den Geschmack zu kommen, dauert bei so manchem Vertreter legerer Männlichkeit oftmals. Und mit der selbst auferlegten Zurückhaltung dem Binder gegenüber geht schnell die Unfähigkeit einher, ihn richtig anzulegen.

 

Dabei müsste Technik doch der Herren Herzen nicht nur ansprechen, sondern gar erfreuen. Denn die Knotenkunst ist nichts anderes als eine solche - und zwar eine recht anspruchsvolle Technik obendrein. Weit mehr als 180 Methoden, die Krawatte zu knoten, sind belegt. Wer sie alle beherrschen möchte, braucht nicht nur Fingerfertigkeit, sondern auch ein gutes Gedächtnis: Die Unterschiede liegen manchmal nämlich im Detail. Es wird wohl kaum von einem Mann verlangt, auch nur hundert zu benennen, und doch macht es sich immer gut, wenn er zumindest ein paar kennt.

 

Wem die Zeit zum Üben vor der Hochzeit zu knapp wird, der kann sich mit "vorgeknoteten" Designs behelfen. Jabots heißen die Zauberwerke, die es in allen möglichen Variationen gibt und die der Bräutigam ganz einfach im Nacken zuhaken kann. Selbst der klassische Krawattenlook ist auf diese Weise um den Hals zu "schwindeln". So vielfältig Form, Knoten und Ausführung, so vielfältig ist im Übrigen auch die Farboptik. Es gibt Krawatten ganz in Uni, Looks mit Glencheck, Pepita, Hahnentritt und Paisleymuster, mit geometrischen Motiven oder im Phantasiedessin. Und da sich über Geschmack nicht streiten lässt, ist auch zur Hochzeit alles erlaubt, was nicht gerade zum Stilbruch führt.

 

Zu den wichtigsten Designs gehört zweifelsohne die Streifenkrawatte - zumal sie eine lange Tradition hat. Und im Grunde genommen war sie nie wirklich aus der Mode. In praktisch jeder Mode-Saison dürfen trendige Binder "Linientreue" beweisen: ob als Blockstreifen oder fein und kaum sichtbar, ob im auffälligen Farbkontrast oder als dezente Webstruktur - Streifen sind für Fashionvictims auf jeden Fall die richtige Wahl. Ursprünglich wurde der Look Mitte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien erfunden, wo sich Sportvereine Clubfarben zulegten, die nicht lange ausschließlich auf der Vereinsflagge durch die Lüfte wehten, sondern bald schon Mützen, Blazer und eben auch Krawatten zierten. Sogar die Farben von Regimenten fanden ihren Weg in Streifenform auf die Binder für den Hals.

 

Heute haben modische Aspekte bedeutungsschweren Tiefsinn abgelöst. Streifen trägt ganz einfach der, dem es gefällt. Als in den dreißiger Jahren dann die ersten gemusterten Krawatten auf den Markt kamen, zeigte sich die Modewelt betont gespalten. Was für die einen der letzte Schrei war, fanden die anderen schlichtweg zum Schreien. Und gar so viel hat sich bis heute nicht daran geändert. Es gibt Männer, die tragen Mickymäuse oder sonstige Comicfiguren auf ihrem Schlips. Bei der Muster-
Krawatte kommt es deshalb ganz im Sinn des Wortes aufs "Verhaltensmuster" des Trägers an. Wer's mag, kann Krawatten gerne auffällig und mit besondern Dessins tragen - sofern dies nicht dem Anlass widerspricht (für die Hochzeit also lieber eine klassische, eher dezente Ausführung wählen). Allen anderen sei gesagt, dass Muster ja durchaus auch dezent und ruhig sein können. Ton-in-Ton-Variationen oder eingewebte Strukturen sind oftmals aus der Ferne gar nicht als gemustertes Design zu erkennen und brauchen einen nahen, zweiten Blick, um sich als solches zu outen. Bei der Hochzeit kann man mit solch einem dezenten Look sicherlich nichts falsch machen. Wer das Zusammenspiel mit Weste und Einstecktuch beachtet, darf aber auch mit stärkeren Mustern und kräftigeren Farben Akzente setzen. Auf diese Weise wird mancher etwas steife oder gar strenge Look wieder aufgelockert und überraschend anders. Übrigens: die Krawatte ist ein Stilelement! Jeder Bräutigam, der das gezielt zu nutzen weiß, gibt seinem Outfit eine eigene, individuelle Note.

 

Und noch etwas: Nicht nur aufs Muster kommt es an! Wer bei der Hochzeit kein vorgebundenes Jabot nutzt, sondern eine klassische Krawatte selbst binden möchte, der kann auch mit dem Krawattenknoten ein Statement setzen. Wie gesagt: Es soll mehr als 180 Methoden des Bindens geben. Für alle Neueinsteiger, die selbst die Basics erst noch lernen müssen, haben wir das Grund-Knoten-Wissen zusammengefasst. Und zwar im Artikel mit Bindeanleitungen und Video hier.