Erster Spaß vor der Hochzeit: der Brautkleid-Kauf

Bietet auch Online-Shopping so viel Spaß beim Brautkleid-Kauf? Die Antwort im Praxistest!

Im Praxistest

Brautkleid online kaufen?

 

Das Internet ist verlockend - auch für den Brautkleidkauf. Es offeriert ein riesiges Angebot mit offensichtlich schönsten Kleidern. Und in Internetshops, deren Betreiber meist am anderen Ende der Welt sitzen, auch noch zu verlockenden Preisen. Doch das, was man sieht, ist in vielen Fällen nicht das, was man bekommt. Die Diskussionen in Brautforen bestätigen dies: Sicher gibt es Bräute, die sich zufrieden äußern, aber eben auch eine Unzahl derer, die schlechte Erfahrungen machten und nicht nur extrem enttäuscht wurden, sondern auch noch ordentlich drauflegten.

 

Wie hoch das Risiko tatsächlich ist, wollte Ja.de wissen und ging mit einem Praxistest unter Real-Bedingungen auf Antwortsuche. Aufgabenstellung dabei war der Kauf eines Brautkleides in einem chinesischen Online-Shop. Vorausgeschickt sei noch, dass der Brautkleid-Kauf für jede Braut eine sehr emotionale Erfahrung ist. Der Anspruch ist extrem hoch: Der Anblick der Braut im perfekten Kleid soll den Bräutigam und die Gäste schlichtweg vor Begeisterung zu Tränen rühren. Kann ein Brautkleid aus einem unbekannten Internetshop vom anderen Ende der Welt mit unbekanntem Qualitätsanspruch diese hohen Erwartungen erfüllen? Das soll herausgefunden werden.

 

Die Vorbereitung des Tests

 

Um einen realistischen Testkauf zu gewährleisten, wird eine "Testbraut" beauftragt: Julia ist 22 Jahre alt, 169 Zentimeter groß und trägt Kleidergröße 38. Ihre fiktive Hochzeit soll in zwölf Wochen stattfinden. Sie sucht nun ihr maßgeschneidertes Brautkleid aus China.

 

Auswahl der Online-Shops

 

Die Suche nach Online-Shops mit Brautkleidern aus China gestaltet sich für die Tester von Ja.de denkbar einfach. Schnell sind mehr als zehn Shops gefunden. Aus diesen Shops wird nun nach verschiedenen Kriterien einer ausgewählt.

Zunächst werden die Shops auf rechtliche Fakten geprüft. Shops ohne Impressum, Rücksendebedingungen oder Widerrufsbelehrung scheiden aus, da hier im Reklamationsfalle keine Chance auf Rückerstattung besteht. Das reduziert die Anzahl der in Frage kommenden Shops bereits um mehr als die Hälfte.

Die Versandkosten reichen von 8 bis 45 Euro. Nur vier von zehn Online-Shops weisen auf Zollgebühren und Einfuhrumsatzsteuer hin. Zwei Anbieter bieten sogar eine dubiose Versicherung an, für den Fall, dass der Zoll Gebühren nachfordert.

Die Lieferzeit für ein maßgeschneidertes Kleid wird je nach Anbieter mit 25 bis 55 Tagen angegeben. Julia kontaktiert verschiedene Anbieter per Mail und fragt nach, ob sie bis zum geplanten Hochzeitstermin in zirka 12 Wochen noch ein maßgeschneidertes Brautkleid bestellen kann. Von fünf Anbietern erhält sie innerhalb von ein bis zwei Tagen eine positive Antwort in teilweise gebrochenem Deutsch oder Englisch. Der Rest antwortet nicht und scheidet damit als potentieller Online-Shop aus.

Zwei Online-Shops bieten sogar das Kopieren von Brautkleidern anhand von Bildern an. Ein Anbieter zeigt von fast allen europäischen Brautmodenherstellern deren Originalbilder und bietet Plagiate von diesen Brautkleidern an.

Nach eingehender Recherche und sorgfältiger Auswahl fällt die Entscheidung der Tester von Ja.de für den Shop von irenebridal.com aus. Dort bestellt Julia also ihr Traumkleid.

 

Auswahl des Testkleids und Bestellung

 

Auf der Seite des China-Shops entscheidet sich Julia für das Brautkleid "Rivana" aus der Kollektion des deutschen Brautmodenherstellers Lohrengel. Das bodenlange Kleid besitzt eine figurbetonte Meerjungfrauen-Silhouette, hat eine Schleppe und ist komplett in feine Tüllspitze gehüllt. Das Original-Brautkleid kostet in Deutschland regulär zirka 1.000,- Euro.

Auf der Webseite des China-Shops wird unter dem Titel "Lohrengel WD42077 phantastisch A Line Brautkleider" mit den Original-Bildern von Lohrengel geworben. Es wird auf der Webseite in der FAQ versprochen, dass die Ähnlichkeit der gelieferten Kleider bei über 90 Prozent liege.

Julia bestellt das Brautkleid für 264,- Euro zzgl. 10,- Euro für die Maßanfertigung sowie 35,- Euro Versandkosten. Der Gesamtpreis des kopierten China-Kleides beträgt somit 309,- Euro. Die Bezahlung erfolgt unkompliziert via PayPal.

 

Messen für die Maßanfertigung

 

Für die Maßanfertigung werden Julias Konfektionsmaße anhand von 18 festgelegten Messpunkten benötigt. Für einen realistischen Test ermittelt Julia zusammen mit einer Freundin gewissenhaft die Maße, wie sie auf der Seite des China-Shops erläutert werden. Es wird bewusst auf die Hilfe einer professionellen Schneiderin verzichtet.

Anschließend werden Julias Maße per E-Mail unter Angabe der Bestellnummer und des Hochzeitsdatums an den China-Shop gesendet.

 

Bestellbestätigung

 

Bereits am nächsten Tag kommt eine schriftliche Bestellbestätigung via E-Mail in deutscher Sprache, in der auch die Konfektionsmaße von Julia bestätigt werden. Die Tester sind vom bisher reibungslosen Bestellvorgang positiv überrascht.

 

Warten auf die Lieferung & Kommunikation

 

Laut Angaben auf der Webseite des China-Shops dauert eine Maßanfertigung eines Brautkleids 3 bis 6 Wochen plus bis zu 7 Tagen für den Versand zum Kunden.

Die Tester warten nun bereits 5 Wochen und haben seitdem nichts mehr vom Brautkleid gehört. Deshalb erkundigen sie sich per E-Mail nach dem aktuellen Liefertermin. Noch am gleichen Tag erhalten sie die Antwort: "Leider gibt es noch keinen Termin von Ihrem Kleid. Wann findet Ihre Hochzeit statt?"

Die Tester sind erneut positiv überrascht über die schnelle Reaktion und teilen den Hochzeitstermin nun zum wiederholten Male mit. Bereits am nächsten Morgen erhalten sie wiederum eine Rückantwort: "Ok, alles klar. Wir werden uns beeilen."

Nach weiteren zwei Wochen - zu diesem Zeitpunkt sind bereits fast 8 Wochen vergangen - schreiben die Tester den China-Shop erneut an und fragen mit Nachdruck nach dem Liefertermin, da die versprochene Lieferzeit bereits um mehr als eine Woche überschritten ist. Die Tester setzen eine Frist von einer Woche und kündigen die Stornierung an, sollte das Kleid bis dahin nicht versendet sein. Die Antwort erfolgt umgehend: "Die Verarbeitung im Hauptsaison dauert natürlich viel länger." Diese Antwort entsetzt Testbraut Julia, da es nur noch vier Wochen bis zu ihrer fiktiven Hochzeit sind. Wäre Julia eine echte Braut, würde sie spätestens jetzt sehr nervös werden.

Die Frist von einer Woche verstreicht ohne eine Versandbestätigung des China-Shops und so wird das Kleid per E-Mail von den Testern storniert. Es sind jetzt nur noch drei Wochen bis zur Hochzeit!

Am nächsten Tag erhält Julia per E-Mail eine Versandbestätigung des China-Shops mit Paketnummer. Offensichtlich hat sie noch mal Glück gehabt.

 

Die Lieferung - der erste Eindruck

 

Bereits am nächsten Tag (!) steht der DHL-Bote in der Tür und überreicht eine Express-Sendung aus China. Hier hat Julia noch einmal 28.01 Euro Einfuhrumsatzsteuer zu zahlen. In erster Linie aber ist das Test-Team sehr erstaunt über den schnellen Express-Versand.

Die Verpackung des Traumkleides überrascht allerdings doch sehr: Das für chinesische Verhältnisse sehr teure Brautkleid wurde in eine einfache DHL-Plastiktüte gequetscht versendet. Nach erster Überprüfung war für die Tester von Ja.de zum Glück jedoch kein Schaden festzustellen. Das Kleid wird von ihnen ganz vorsichtig ausgepackt, um nichts zu beschädigen. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein echtes Brautkleid. Doch bei näherem Hinsehen fallen direkt ein paar kleine Macken auf:

  • Am Reißverschluss hängen lose Fäden.
  • Auch an der Spitze hängen nicht vernähte Fäden.
  • An der Innenseite des Kleides sind zwei kleine schwarze Flecke.
  • Der Tüllstoff ist unsauber abgeschnitten.

Die Tester sehen über diese kleinen Macken jedoch hinweg, da sie kaum auffallen oder einfach zu korrigieren sind. Die Erleichterung über die lang ersehnte Lieferung und die Freude über das günstige Brautkleid überwiegen.

 

Zollgebühren

 

Nach genauerer Betrachtung der Rechnung stellt sich die Frage, wieso keine Zollgebühren gezahlt werden mussten. Ein kurzer Blick auf den Paketaufkleber zeigt, dass das Paket für Julia offensichtlich falsch deklariert wurde. Der Warenwert wurde mit nur 30 US$ anstelle der korrekten 264,- Euro angegeben. Also Steuerhinterziehung!

 

Die Tester fragen beim zuständigen Zollamt nach. Dieses teilt mit, dass für die korrekte Verzollung immer der Empfänger verantwortlich ist. Julia muss das falsch deklarierte Paket also auf jeden Fall nachverzollen. Ansonsten macht sie sich strafbar und kann auch noch nach fünf Jahren strafrechtlich verfolgt werden. Dies gilt auch für jeden anderen Besteller in einem China-Shop. Im beschriebenen Testfall müssen also noch 102,84 Euro an das zuständige Zollamt gezahlt werden.

 

Begutachtung der Robe im Brautmodengeschäft

 

Für eine professionelle Begutachtung vereinbaren die Tester einen Termin in einem Brautmodengeschäft. Dort wird das Brautkleid aus China von den Experten begutachtet. Und diese stellen schnell Mängel fest:

  • Der Reißverschluss ist unsauber vernäht und hakt bereits beim ersten Öffnen.
  • Die abstehenden Fäden verhaken sich fast im Reißverschluss.
  • Die Naht am Bund ist bereits einen Fingerbreit aufgegangen.
  • Ein Korsettstab ist gebrochen und würde Julia in die Seite piksen.
  • Die Deko-Knöpfe am Rücken sind nur mit einem einzigen Faden vernäht, hängen dadurch unschön und drohen allesamt abzufallen, falls dieser Faden reißt.
  • Die Spitze am Dekolleté ist nur einseitig am Kleid angenäht und sieht daher schief aus.
  • Der Tüllstoff unter dem Kleid ist unsauber abgeschnitten. Der eingenähte Futterstoff ist sehr dünn und von schlechter Qualität.
  • Es fehlen die Bänder, mit der die Schleppe zum Beispiel beim Tanzen hochgezogen werden kann. Ein Standard, der bei den meisten Brautkleidern selbstverständlich ist.
  • Die Spitze hat nicht annähernd das Muster und die Qualität wie auf dem Bild im China-Shop. Im Gegensatz zum Original-Kleid, bei dem die Spitze durch ihre unterschiedliche Musterung die Figur elegant betont, wirkt die gleichmäßige Spitze des China-Kleids wie ein billiger Vorhangstoff.
  • Die Spitze ist zudem unsauber vernäht und weist zahlreiche Webfehler auf.

Durch die geballte Anhäufung von mehr oder minder großen Mängeln nimmt bei den Testern die Enttäuschung zu. Das China-Kleid hat weder in der Qualität noch in der optischen Wirkung viel mit dem Original gemeinsam.

 

Die Anprobe: Ein einziger Schock

 

Julia verschwindet zusammen mit der Dame vom Brautmodengeschäft in der Umkleidekabine. Nach kurzer Zeit die schockierende Nachricht: Das maßgeschneiderte Kleid passt nicht! Es ist viel zu eng an der Hüfte und kann nicht komplett hochgezogen werden.

Es wird nachgemessen, um die Werte zu vergleichen. Julia hatte als Laie nach Anleitung des China-Shops einen Hüftumfang von 97 Zentimetern gemessen. Die Schneiderin im Brautstudio misst etwas anders und kommt auf 101 Zentimeter Hüftumfang. Dann wird die Hüftweite des gelieferten Kleides nachgemessen, was zu einem erstaunlichen Ergebnis von gerade einmal 90 Zentimetern führt. Also hätte das Kleid selbst bei richtigen Messwerten nicht gepasst: Es fehlen sieben bis elf Zentimeter, was zirka zwei Kleidergrößen entspricht.

Die Schneiderin aus dem Brautmodengeschäft prüft, wie weit das Kleid an der Hüfte noch herausgelassen werden kann. Doch der eingenähte Reservestoff reicht nicht aus, um die Lücke von elf Zentimetern zu schließen. 

Das Traumkleid ist für Testbraut Julia damit absolut wertlos. Wäre Julia eine echte Braut, die in drei Wochen vor den Altar treten wollte, würde jetzt die blanke Panik ausbrechen und Tränen fließen.

 

Besuch bei Lohrengel: Vergleich Originalkleid - Chinakleid

 

Nun wollen die Tester das Original-Kleid "Rivana" von Lohrengel und die nachgemachte China-Kopie direkt miteinander vergleichen. Dazu fahren sie zum Brautmodenhersteller Lohrengel und stellen die beiden Kleider auf Modell-Puppen gegenüber. Folgendes lässt sich dabei feststellen:

  • Die Spitze des Original-Kleides fühlt sich wesentlich feiner und angenehmer an als die kratzige Spitze des Plagiats.
  • Das Muster der Spitze im Original-Kleid unterscheidet sich komplett von dem Muster des China-Kleides.
  • Die unterschiedlichen Abstände im Original-Muster betonen und unterstreichen die Figur der Braut.
  • Beim China-Kleid fallen die vertikalen Schnittnähte stark auf, da die Spitze hier in die Naht mit eingearbeitet wurde. Im Original-Kleid läuft die Spitze durchgängig, kaschiert die darunterliegenden Schnittnähte und wirkt wesentlich edler.
  • Die Nähte des Originals sind tadellos verarbeitet, hier stehen keine Fäden ab.
  • Das Original-Kleid besitzt am Rücken einen aufwändigen Verschluss mit filigranen Knöpfen. Kein billiger Reißverschluss wie beim Plagiat.
  • Beim China-Kleid ist der Reißverschluss unter der Spitze sichtbar und geht bis zum Hals. Beim Original ist er nicht sichtbar.
  • Zur Optimierung der Passform wurde im Originalkleid eine Korsage mit Klettverschluss direkt in das Kleid eingearbeitet. Diese fehlt im China-Kleid komplett und hätte extra nachgekauft werden müssen.

Auch die sonstigen Aussagen zur minderen Qualität des China-Kleides werden von Lohrengel bestätigt.

 

Auf ganzer Linie enttäuscht, senden die Tester eine E-Mail an den China-Shop mit einer Reklamation und dass sie das Kleid gerne zurückschicken möchten. Selbst vier Wochen später liegt noch keine Antwort vor. Auch das Geld bekommen sie nicht wieder zurückerstattet. Der PayPal-Käuferschutz ist aufgrund der langen Lieferzeit nämlich längst schon erloschen.

 

Das Fazit

 

Der Kauf eines China-Kleides im Internet ist dem Test zufolge mit einem sehr hohen Risiko verbunden. Diese Erfahrungen werden auch von einigen Ja.de-Bräuten bestätigt und können auch im Gästebuch des China-Shops mehrfach anhand der Berichte anderer Bräute nachgelesen werden.

Das vermeintliche Schnäppchen, das der Kauf eines Internet-Brautkleids zu sein scheint, hat sich in diesem Fall zudem als regelrechte Kostenfalle entpuppt. Statt 309,- Euro haben die Tester im Endeffekt 590,- Euro bezahlt, also rund 90 Prozent mehr als geplant (siehe dazu auch die genaue Kostenaufstellung in der Bilderbox unten). Auch der emotionale Stress und der Ärger waren nicht zu unterschätzen.

"Teilweise lassen sich Risiken minimieren durch eine umfassende Prüfung des Internet-Shops und eine kostenpflichtige Vermessung durch eine Schneiderin. Aber der Rest ist absolute Glückssache", resümieren die Tester von Ja.de.

Selbst wenn Julia das bestellte China-Kleid gepasst hätte, hätte sie dennoch nur eine schlechte Kopie ihres Traumkleides von minderer Qualität und mit schlechterer Passform bekommen. "Das Preis-Leistungs-Verhältnis wäre dabei vielleicht akzeptabel gewesen, auch wenn noch einige unvorhersehbare Zusatzkosten einkalkuliert werden müssen," so die Tester. Da Julia das Plagiat-Kleid jedoch nicht gepasst hat und sie es quasi wegwerfen kann, ist der Testkauf zu 100 Prozent gescheitert. "Wir gehören deshalb zu denjenigen, die vom Kauf eines Cina-Kleides abraten", sagen die Tester von Ja.de.

 

Den Praxistest führte www.ja.de durch.

Brauttraum für die Hochzeit

1 von 7

Um dieses Brautkleid geht es: Modell "Rivana" aus der Kollektion des deutschen Brautmodenherstellers "Lohrengel". Die Robe hat eine figurbetonte Meerjungfrauen-Silhouette mit Schleppe und ist komplett mit feiner Tüllspitze überarbeitet. Das Original-Brautkleid kostet in Deutschland regulär zirka 1.000,- Euro.

 

Links ist das Originalbild von Lohrengel zu sehen. Rechts das Bild, mit dem Irenebridal.com seine Kopie anbietet. In anderen Worten: der Onlineanbieter benutzt dasselbe Bild für sein Plagiat. Der Gesamtpreis für die Robe soll hier bei 309,- Euro liegen.

Brautkleid dürftig verpackt

2 von 7

So kommt das Brautkleid aus China bei den Testern von Ja.de an: in einer einfachen DHL-Plastiktüte. Von einer sorgfältigen Verpackung kann bei diesem Anblick nicht die Rede sein. Auch der Anblick der innenliegenden Tüte überrascht: Das Brautkleid wurde auf Mindestmaß zusammengequetscht.

Mängel am Brautkleid

3 von 7

Die Erstbilanz nach dem Auspacken des online bestellten Kleides: Selbst Laien fallen sofort erste Mängel ins Auge:

  1. Der Reißverschluss ist unsauber vernäht und die Naht am Bund ist bereits einen Fingerbreit aufgegangen.
  2. Es gibt eine Reihe von abstehenden Fäden.
  3. Die Spitze ist unsauber vernäht und weist zahlreiche Webfehler auf.
  4. Knöpfe sind nur mit einem Faden notdürfig angeheftet und hängen nicht nur unschön, sondern bedrohlich herunter. Sie drohen allesamt abzufallen, wenn dieser Faden reißt.
  5. Am Dekollete ist die Spitze nur einseitig am Kleid angenäht und sieht daher schief aus.
  6. Der Tüllstoff ist unsauber abgeschnitten.
Schock vor der Hochzeit

4 von 7

Der große Schock: Das maßgeschneiderte Kleid aus China passt nicht! Es ist viel zu eng an der Hüfte und kann nicht komplett hochgezogen werden. Beim Nachmessen kommt der Profi - die Schneiderin im Brautfachgeschäft - auf 101 Zentimeter Hüftumfang bei unserer Testperson. Sie selbst hatte als Laie, entsprechend der Angaben des Online-Anbieters, 97 Zentimeter bei sich selbst gemessen. Doch das gelieferte Kleid hat eine Hüftweite von gerade einmal 90 Zentimetern. Es hätte also ohnehin nicht gepasst: Es fehlen sieben bis elf Zentimeter, was in etwa zwei Kleidergrößen entspricht.

Vergleich beider Brautkleider

5 von 7

Die beiden Brautkleider im direkten Vergleich:

Links das Original: Durch die unterschiedlichen Abstände im Original-Muster wird die Figur vorteilhaft betont. Die Spitze verläuft durchgängig, kaschiert die darunterliegenden Nähte und wirkt schon optisch um vieles hochwertiger und edler.

Rechts die Kopie zum Vergleich: Beim China-Kleid fallen die vertikalen Schnittnähte stark auf, da die Spitze hier in die Naht mit eingearbeitet wurde. Die Spitze hat nicht annähernd das Muster und die Qualität wie das Original, mit dessen Bild ja schließlich geworben wurde, sondern unterscheidet sich komplett. Im Gegensatz zum Original-Kleid, bei dem die Spitze durch ihre unterschiedliche Musterung die Figur elegant betont, wirkt die gleichmäßige Spitze des China-Kleids wie ein billiger Vorhangstoff.

Unterschiede zwischen Brautkleidern

6 von 7

Riesenunterschiede zwischen Original und Plagiat auch bei der Verschlussleiste im Rücken:

Links das Original: Es besitzt im Rücken einen aufwändigen Verschluss mit filigranen Knöpfen und einen darunter verborgenen, nicht sichtbaren, hochwertigen Reißverschluss.

Rechts die Kopie: Beim China-Kleid ist der Reißverschluss von minderer Qualität, unsauber vernäht und hakt bereits beim ersten Öffnen. Man kann ihn zudem unter der Spitze sehen und er geht bis zum Hals. Beim Original ist der Reißverschluss hingegen nicht sichtbar.

Mehrkosten zur Hochzeit

7 von 7

Das aus China bestellte, vermeintliche Schnäppchen hat sich als Kostenfalle entpuppt. Statt 309,- Euro, wie auf der Website angegeben, haben die Tester von Ja.de im Endeffekt 590,- Euro bezahlt, also fast 90 Prozent mehr als geplant. Die Posten, die unerwarteter Weise hinzukamen, sind in der Tabelle oben in Blau markiert. So fehlte im Plagiat beispielsweise komplett die Korsage, die im Orginal mit eingearbeitet ist.