Wenn wir an Honeymoon-Inseln denken, richten wir unseren inneren Blick fast automatisch Richtung Süden, in die Südsee eben oder den Indischen Ozean, jedenfalls Richtung Äquator, wo die Palmen wachsen und die Strände weiß sind. Wir machen es diesmal anders: Wir schauen nach Norden, Richtung Polarkreis und fragen uns: Lässt’s sich dort flittern? Wir meinen ja.
Geben wir es zu: Bevor in den Nachrichten so seltsame Namen wie Eyjafjallajökull oder Grimsvötn auftauchten, hätten viele von uns nicht sicher sagen können, wo genau Island eigentlich liegt. Jetzt wissen wir es und denken immer nur: Aschewolke. Was sehr verkürzt dargestellt ist, aber trotzdem einen wichtigen Aspekt dessen beinhaltet, was die Faszination dieser Insel ausmacht. Vulkanausbrüche hat es dort immer schon gegeben und wird es auch immer wieder geben. An die Aschewolken werden wir uns gewöhnen müssen.
Island liegt mitten auf dem mittelatlantischen Rücken, wo ständig Magma aus den Tiefen der Erde an die Oberfläche strömt und neuen Meeresboden bildet. Nirgends ist die Welt jünger als hier und eine Reise nach Island ist gleichzeitig eine Reise in die Kinderstube der Erdgeschichte.
Wer, wie wohl die meisten, mit dem Flieger anreist, startet seinen Islandbesuch in der Hauptstadt des Landes, Reykjavik. Sie ist Start- und Zielpunkt einer Rundreise um die Insel, wie wir sie empfehlen würden. Wer auf einen Kurztrip hierher kommt, findet aber nur eine Tagestour entfernt einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Islands. Da ist zuerst einmal þingvellir, die alte Parlamentsstätte der Isländer, an der sich vom Jahr 930 an bis zum Ende des 18. Jahrhunderts alljährlich zur Sommersonnenwende die Stammesoberhäupter trafen und über Gesetze und Streitfragen berieten. Der Ort ist aber nicht nur historisch sondern auch geologisch etwas ganz Besonderes. Denn hier driften die eurasische und die nordamerikanische Kontinentalplatte auseinander, jedes Jahr um etwa einen bis zwei Zentimeter. Irgendwann wird Island in zwei Inseln zerrissen sein. Als Besucher läuft man durch die tiefen Risse und Schluchten, die sich an der Abbruchkante gebildet haben. Man erlebt die ungeheuren Kräfte, die hier am Werke sind, sozusagen »live«.
Kräfte ganz anderer Art, aber nicht weniger spektakulär, kann man etwas weiter im Heißquellengebiet Haudakalur beobachten. Der Große Geysir, Namensgeber aller Springquellen, ist zwar nicht mehr aktiv, aber sein kleiner Bruder Strokkur schleudert zuverlässig alle 10 bis 20 Minuten eine 20 Meter hohe Dampffontäne in die Höhe.
Dritter Anlaufpunkt dieser Tagestour ist dann der Gullfoss, ein gewaltiger Wasserfall. An warmen Sommertagen stürzen hier bis zu 1.200 Kubikmeter Wasser in zwei Kaskaden in eine 70 Meter tiefe Schlucht.
Um Island wirklich zu erleben, sollte man sich allerdings mehr Zeit und einen Mietwagen nehmen. Mit dem geht es dann einmal rund um die Insel auf der gut ausgebauten Ringstraße Nummer 1. Sehr bald hat man die Touristenströme hinter sich gelassen und kann die faszinierende Landschaft ungestört auf sich wirken lassen. Die ist zwar karg und wild, aber von solch intensiver Schönheit und einem solchen Abwechslungsreichtum, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Nach jeder Kurve tun sich neue Ausblicke auf. Man sieht das ewige Eis der Gletscher in der Sonne gleißen, schroffe Gebirgsformationen ragen in den blauen Himmel (oder in die tief liegenden Wolken), Wiesen leuchten rot-gelb, überzogen von den weißen, im Wind zitternden Tupfen des Wollgrases, tiefblaue Seen glitzern dazwischen. Die Straße durchschneidet schwarze Lavafelder oder führt vorbei an von zerstörerischen Gletscherläufen geprägten Landschaften, jenen Schlamm- und Gerölllawinen, die entstehen, wenn ein unter einem Gletscher gelegener Vulkan ausbricht. Und ja, manchmal wird einem dabei ein kleines bisschen mulmig, denn sie werden einem doch sehr präsent, die Urgewalten, die hier unter der Erde schlummern. Immer wieder geht der Blick aber auch hinaus auf den Ozean, führt der Weg an brandungsumtoste Steilküsten und an Strände, deren Sand oft genug nicht weiß sondern tiefschwarz ist. Was manch ein Besucher vermissen wird, sind Wälder. Die wurden schon in früher Zeit fast komplett abgeholzt von den aus Norwegen kommenden Erstbesiedlern, die nicht ahnten, dass diese wertvollen Lieferanten von Baumaterial hier nicht einmal annäherungsweise so schnell nach- wachsen wie in ihrer Heimat.
Doch auch wenn jede Art von Vegetation es sehr schwer hat in Island, sollte man doch nicht glauben, dass sich einem die Insel komplett Grau in Grau präsentieren würde. Denn auch die auf kargem Boden wachsenden Flechten und Moose erzeugen eine schier unglaubliche Farbenpracht und leuchten bei Sonnenlicht in sattem Grün, Gelb, Orange, Silberweiß und Rot. Und selbst die nackte Erde kennt hier viele Farbtöne von Schwarz über Ocker bis Zinnober. Landschaftsfotografen finden auf dieser Insel ihr Eldorado. Das größte und für Flitterer vielleicht interessanteste Farbspektakel bieten die Sonnenuntergänge auf Island. Fast der ganze Horizont entbrennt dann in allen Schattierungen von Feuerrot, Zartblau und leuchtendem Gelb. Und so hoch im Norden dauern sie auch sehr viel länger als in unseren Breitengraden. Was aber könnte romantischer und unvergesslicher sein, als zu zweit warm eingepackt über eine Stunde lang diesem ständig wechselnden Schauspiel aus Licht, Land und Wolken zuzuschauen?
Natürlich sollte man die Landschaft nicht nur vom Auto aus erkunden, sondern sie ab und an auch zu Fuß erfahren. Eine schöne Möglichkeit dafür besteht in Skaftafell, einem gut durch Pfade erschlossenen Naturpark, wo man auch auf kürzeren Wanderungen einen phantastischen Ausblick auf die Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull genießen kann. Von Skaftafell ist es dann nicht mehr weit bis zum Gletschersee Jökulsárlón. In den bis zu 200 Meter tiefen See brechen ständig Eisberge ab, die bei Sonne in einem überirdischen Blau leuchten, aber auch unter wolkenverhangenem Himmel noch spektakulär genug anzusehen sind. Wer mag, kann auf einem Amphibienfahrzeug eine Tour über den See buchen.
Eine weitere Möglichkeit, die einzigartige Landschaft der Insel zu erfahren, liegt auf dem Rücken der Islandpferde. Man kann ein- bis mehrstündige Ausritte buchen (Tipp: Reitunerfahrene sollten sich maximal zwei Stunden zutrauen). Schon nach wenigen Minuten fühlt man sich absolut geborgen auf diesen trittsicheren Tieren.
Für ein anderes, unvergessliches Erlebnis ist Husavík im Norden die beste Adresse. Von hier starten Whale Watching Touren. Geworben wird mit einer Sichtungswahrscheinlichkeit von 98 Prozent, man kann aber auch Pech haben und zu den verbleibenden zwei Prozent gehören, für die die Wale unsichtbar bleiben.
Ebenso unsichtbar wie die Trolle, die es auf der Insel noch geben soll. Aber wer einmal bei Dämmerung durch ein altes Lavafeld mit seinen bizarren Felsstrukturen gewandert ist, der versteht, warum die Isländer fest an die Existenz dieser mythischen Wesen glauben.
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