Thailand eilt der Ruf voraus, den Massentourismus anzuziehen. Das ist auch sicherlich so. Wir haben uns aber zwei Orte für Sie angeschaut, die sich bewusst davon abheben und einen das Land ganz anders erleben lassen.
Als wir auf dem Flughafen Krabi landen, ist es bereits dunkel. Und, wie es sich für ein echtes Urlaubsland gehört: Thailand empfängt uns mit strömendem Regen. Bei der Ankunft im Anantara Si Kao Resort & Spa eine Stunde später wetterleuchtet es dann nur noch am Horizont, sodass wir zumindest schattenhaft die Silhouetten der der Küste vorgelagerten Kalkfelseninseln erkennen und ahnen können, welcher malerische Anblick uns bei Tageslicht erwarten wird. Das Resort liegt an der Ostküste der malaysischen Halbinsel, an einem kilometerlangen, praktisch unberührten Strand. Am folgenden Morgen sieht man außer vereinzelten Spaziergängern nur Einheimische, die hier und auf einer vorgelagerten Sandbank angeln oder nach Muscheln für das Mittagessen suchen. Daran ändert sich auch tagsüber und abends kaum etwas, obwohl das Resort, wie es heißt, fast ausgebucht ist. Der Morgen bringt auch das erste Highlight: asiatisches Frühstück. Wer Rührei und Toast braucht, bekommt es hier zwar, ist aber selber schuld, wenn er sich Nudelsuppe, würzig gebratenen Reis mit Shrimps und ein Dutzend andere Leckereien entgehen lässt. Das Ganze gibt’s vor der Kulisse der jetzt in all ihrer Schönheit sichtbaren Felseninseln, untermalt ab und zu vom Tuckern der thailändischen Longtailboote. Man verlässt seinen Frühstückstisch nur ungern. Überhaupt nimmt einen das Resort von der ersten Minute an mit seiner entspannten Atmosphäre für sich ein. Man fühlt sich hier einfach wohl. Aller Komfort eines 5-Sterne-Hotels ist da, aber auf eine selbstverständliche, unangestrengte Weise, sowohl was das Ambiente als auch den Service betrifft. Es ist tatsächlich ein bisschen wie bei guten Freunden zu Besuch zu sein. Außerdem ist es ein perfekter Ausgangspunkt für unterschiedlichste Unternehmungen. Zum Beispiel eine Fahrt mit dem Kajak in die Mangrovenwälder. Oder man macht einen Ausflug in den südlich des Resorts gelegenen Chao Mai Nationalpark, der 20 Kilometer Küstenlinie und einige vorgelagerte Inseln umfasst. Hauptattraktionspunkte sind sicherlich die an geschützten Stellen um die Inseln herum gelegenen Korallenriffe, ein Eldorado für Schnorchler und Taucher. Einzigartig sind aber auch die in Küstennähe gelegenen Seegrasbetten, Lebensraum für die sehr selten gewordenen Dugongs, Seekühe, die sich von den grasartigen Pflanzen ernähren. Nur 13 Kilometer sind es vom Resort bis zur Insel Ko Mook, Schauplatz der Dreharbeiten zu »The Beach« mit Leonardo di Caprio, weshalb man hier auch selten allein ist. Auf einer der schönsten Inseln, Ko Kradan, besitzt das Anantara Si Kao einen privaten Beach Club. Ein Boat Shuttle fährt jeden Tag an seine weißen Sandstrände und man kann den Tag herrlich entspannt am Strand verbringen oder sich die Unterwasserwelt des Korallenriffs erschnorcheln und ertauchen. Das war auch für unseren zweiten Tag geplant, aber am entsprechenden Morgen machte ein Blick aus dem Fenster klar, dass Planänderungen notwendig würden: Dauerregen. So wurde aus dem Beach-Tag so etwas wie eine Kulturtour. Erster Tagesordnungspunkt: die garantiert regensicheren Tropfsteinhöhlen von Ban Khaokob. Klaustrophobiker seien vor dieser Sehenswürdigkeit aber gewarnt: Die Zugänge zu ihnen führen übers Wasser und sind so niedrig, dass man die meiste Zeit flach in den kleinen Booten liegen muss, um sich nicht den Kopf zu stoßen. Nur was für Leute, denen Tropfsteinhöhlen wirklich wichtig sind. Keinesfalls verpassen aber sollte man einen Besuch des Wat Phukhao Thong, des »Goldenen Hügeltempels«. Den Namen trägt er, weil hier wirklich fast alles golden angemalt wurde, von den Buddhastatuen, die den Weg auf den Hügel säumen bis hin zu dem Pfad selbst. Oben angekommen, erwartet uns ein Panoptikum der Tierwelt vom Hasen und Elefanten über Tiger bis hin zur Giraffe, alle teils oder ganz golden angemalt. Die Umwohner bringen diese Tierfiguren hierhin, es gibt sie in der Gegend überall zu kaufen. Über allem thront ein großer Buddha unter einem Zelt wehender, leuchtend oranger Tuchfahnen. Dazu klingeln leise kleine Glöckchen im Wind. Was immer der religiöse Hintergrund dieses ungewöhnlichen, irgendwie verspielt wirkenden Ensembles sein mag: Wir haben den Eindruck, uns auf einer Art Arche Noah zu befinden, an einem Ort ursprünglicher Friedfertigkeit und Gelassenheit. Wir verlassen diesen Ort nur sehr widerstrebend.



















