Bräutigam beim Kauf seines Anzugs

Reportage

Bräutigam beim Outfit-Kauf

Es ist ein kühler Wintertag, als wir auf dem Parkplatz direkt vor dem Braut- und Festmodengeschäft Chez Janine in Bubikon ankommen. Dort sind wir mit Verena Raths verabredet, der für die Männer zuständigen Beraterin bei Chez Janine, und natürlich mit dem Bräutigam, Tommy. Er hatte sich vorab damit einverstanden erklärt, dass wir von HOCHZEIT Schweiz bei seinem Anzug-Shopping mit dabei sein und darüber berichten dürfen. Er begrüsst uns in Jeans und offen getragenem Karohemd. Ja, sagt er später, er ist eher der »Jeans- und Hemden-Typ«. Was nicht heisst, dass er sich nicht auch in einem Anzug wohlfühlt. Gerade weil er als selbständiger Landschäftsgärtner im Alltag stets in Arbeitsklamotten unterwegs ist, sagt er, mache es ihm umso mehr Spass, wenn er bei passender Gelegenheit auch einmal in feineren Stoff schlüpfen darf.

TRAUZEUGEN-PFLICHTEN


Die Gelegenheit ist jetzt da: Am 18. Juni geht‘s vor den Altar und es wird Zeit für ihn, sich um sein Outfit für den grossen Tag zu kümmern. Mitgebracht zum Termin hat er Silas, seinen Freund von Kindesbeinen an und deshalb auch Trauzeuge. Er soll ihm beratend zur Seite stehen bei der Auswahl des Hochzeitsanzugs. Eine Aufgabe, die dieser in den nächsten anderthalb Stunden auch gewissenhaft erfüllt.
Was diese Wahl betrifft, ist Tommy übrigens ein ganz typischer Bräutigam: »Die meisten«, verrät uns Verena Raths, »bringen den Trauzeugen oder aber eine Schwester mit zum Outfit-Kauf.«

ZUERST GEHT‘S UM DEN SCHNITT

Und dann geht‘s auch schon los. Die Beraterin sucht zuerst einmal etwas heraus, was von der Grösse her passt – und steht damit auch gleich vor einer ersten kleinen Herausforderung: Tommy hat nämlich echte Schultern zum Anlehnen und eine breite Brust, weiter unten allerdings geht es bei ihm schlanker zu. Das erste Jackett passt daher hervorragend in den Schultern, hat aber um Bauch und Taille eindeutig zu viel Spielraum. Zwei Test-Jacketts später aber ist das Problem gelöst und ein Jackett mit den passenden Massen gefunden. Nur zur Sicherheit holt die Beraterin noch eins mit italienischem Schnitt. Die sind etwas figurbetonender und insbesondere in den Achselhöhlen sehr knapp geschnitten. Eine kurze Anprobe macht allen Beteiligten klar: Darin finden Tommys breite Schultern keinen Platz.
»Den richtigen Schnitt zu finden, ist immer das Erste und Wichtigste«, sagt Verena Raths. »Der erste Anzug, der anprobiert wird, muss passen. Dadurch bekommt der Kunde das Vertrauen in die Beratung, das es später braucht, wenn er sich für einen Anzug entscheidet und wir den in seiner Grösse erst bestellen müssen. Er ist sich dann sicher, dass das Outfit, das er ein paar Wochen später bekommt, auch wirklich perfekt passen und er sich darin wohlfühlen wird.«

ABGLEICH MIT DEM BRAUTKLEID


Im zweiten Schritt erst geht es um Farben, Stoffe, Muster und die Zusammenstellung des Outfits. Dazu lässt Verena Raths uns einen kurzen Moment allein. Denn Tommys Braut hat ihr Kleid ebenfalls hier gekauft, und das will die Beraterin sich jetzt noch einmal anschauen, um sicherzugehen, dass der Anzug des Bräutigams am Ende auch dazu passen wird. 15 bis 20 Kleider habe die Braut anprobiert, weiss Tommy, obwohl er selbstverständlich nicht dabei war und das Kleid erst am Hochzeitstag zum ersten Mal sehen wird. Wir sind gespannt, wie viele Versuche er brauchen wird, bis er sein Traum-Outfit gefunden hat.

WAS IST EIN PLASTRON?


Der erste Anzug, mit dem Verena Raths vor allem die Passform des Jacketts geprüft hatte, war aus einem leicht glänzenden, schwarzen Stoff. Nun holt sie ein dunkles Blau hervor. Zur Anprobe bekommt Tommy ein weisses Anprobehemd, denn das endgültige Hemd wird natürlich erst ausgesucht, wenn eine Entscheidung für den Anzug gefallen ist. Das Jackett ist schön tailliert und steht Tommy sehr gut. Dazu gibt‘s ein Gilet im selben Farbton mit einem dezenten, floralen Dessin. Was auch nicht fehlen darf, ist das passende Plastron. Auf Nachfrage des Trauzeugen bekommen wir von Verena Raths auch eine kurze Erklärung, was ein Plastron von einer Krawatte unterscheidet: »Es ist kürzer als eine Krawatte, wird nicht gebunden, sondern mit einem Gummiband unterm Kragen befestigt – und darf niemals ohne Gilet getragen werden.« Auf diesen letzten Teil ihrer Ausführungen legt sie ein kleines bisschen Nachdruck, um sicherzugehen, dass die ihrem Eindruck nach nicht übermässig modeaffinen Männer um sie herum das auch wirklich verstanden haben. Aber zum Thema Gilet und Bräutigam erfahren wir später noch mehr von ihr.

EINE FRAGE DER FARBE?

Zusammen mit der Anzugshose sehen wir jetzt zum ersten Mal einen (fast) kompletten Bräutigam vor uns. Und der gefällt sowohl Tommy als auch Silas praktisch auf Anhieb. Insbesondere Tommy hat Freude an dem, was er da im Spiegel sieht. Denn, er hatte es ja selbst schon gesagt, es macht ihm durchaus Spass, ab und zu mal einen etwas feineren Stoff zu tragen. »Das sieht sehr gut aus.« Diesen Satz hören wir jetzt noch ein paar Mal von ihm.
Aber schon nach der ersten richtigen Anprobe zugreifen, das wäre dann vielleicht doch ein bisschen schnell entschlossen. Verena Raths holt noch einen anderen Anzug hervor. Die Farbe ist Schokolade mit einem leichten Seidenglanz. Das sieht sehr edel und dabei warm aus. Auch dieser Anzug gefällt dem Bräutigam sehr gut. Sein fragender Blick geht Richtung Trauzeuge. Was meint er? Ja, auch er fände das Outfit sehr schön und spannend, sagt er. Aber zwischen den Zeilen hört man leisen Zweifel. Die blaue Variante hat ihm scheinbar besser gefallen. Das sagt er so erst einmal nicht, möchte seinem Freund nichts ausreden, was dem gefällt, bietet sogar an, bei der Braut nachzufragen, ob die prinzipiell was gegen die Anzugfarbe Braun habe. Doch das lehnt der Bräutigam ab: »Da bin ich für Gleichberechtigung – ich wurde beim Brautkleid auch nicht gefragt.«

ZEIT DER ENTSCHEIDUNGEN

Jetzt, nach etwas über einer Stunde und insgesamt drei Anzügen, steht Tommy vor der Entscheidung. Er fühlt sich sowohl im blauen wie im braunen Anzug wohl und perfekt gekleidet, beide Anzüge würden auch zur Farbe des Brautkleids, einem gebrochenen Weiss, soviel darf die Beraterin verraten, passen. Der Bräutigam ist unentschlossen. Vielleicht ist der Preis eine Entscheidungshilfe? »Wo kommen die beiden Anzüge denn ungefähr aus?« fragt er. Tatsächlich ist der braune Anzug ein wenig teurer, aber er liegt trotzdem im Rahmen dessen, was Tommy sich als grobes Budget gesetzt hatte. Das ist also nicht wirklich ein Argument. Ausschlag gebend scheint letztendlich ein Hinweis von Verena Raths zu sein, dass nämlich das dunkelblaue Jackett, im Gegensatz zum braunen, nach der Hochzeit durchaus auch zu einer Jeans getragen werden kann, oder der Anzug als Ganzes zu anderen Anlässen. Die Wiedertragbarkeit ist schliesslich das entscheidende Argument. »Es gibt allerdings eine Einschränkung.«, betont Verena Raths, »Das Gilet ist für die Hochzeit – und nur für die Hochzeit.«

HEMDEN UND GEFÜHLE


Fehlen nur noch das Hemd und die Schuhe, um den Bräutigam perfekt zu machen. Die Schuhe wird Tommy zusammen mit der Braut kaufen. Verena Raths gibt ein paar Tipps, was zum Anzug passt, und dass er die Schuhe zum Abstecktermin mitbringen solle. Und für das Hemd hat sie noch etwas Besonderes im Angebot: ein neues Material mit Cool-Effekt, oder anders gesagt: atmungsaktive Hemden. Männer neigen halt ein bisschen zum Transpirieren, insbesondere, wenn sie ein Jackett tragen, weiss sie. Und weiter: »Und wenn am Hochzeitstag dann noch die emotionale Wärme hinzukommt ...«
Dass auch Männer Gefühle haben wird aus der Umkleidekabine allerdings bestritten. Obwohl: So ganz sicher ist sich Tommy nicht, wie es ihm diesbetreffend ergehen wird, wenn seine Braut in der Kirche auf ihn zuschreitet. Jedenfalls ist er jetzt für alle Eventualitäten gerüstet.

BERATUNG ÜBER DAS OUTFIT HINAUS

Zum Schluss gibt Verena Raths noch zwei Hinweise zur Kleideretikette beim Bräutigam: Natürlich muss das Jackett nicht den ganzen Abend getragen werden und der Bräutigam gibt damit, dass er es über den Stuhl hängt, auch die Freigabe für alle männlichen Gäste, es auszuziehen. Das Gilet des Bräutigams allerdings spielt auch hier wieder eine Sonderrolle und sollte während des ganzen Festes getragen werden.
Drei Anzüge und am Ende anderthalb Stunden hat es also gedauert, bis Tommy sein Outfit gefunden hatte. Und jetzt nimmt auch er gern das von Verena Raths angebotene Bierchen und stösst mit seinem Trauzeugen auf den gelungenen Einkauf an.
Mit seiner Entscheidung für den Anzug ist er sehr glücklich und fühlt sich für den grossen Tag bereit. Und mit der Beratung, betont er auch gegenüber Verena Raths, war er ausgesprochen zufrieden. Er habe sich in jeder Minute in guten Händen gefühlt.
Und auch wir können sagen: Wir haben eine super entspannte und dabei sehr kompetente Beratung erlebt bei Chez Janine. Und wir danken nochmals allen, dass wir dabeisein durften: Verena Raths, Tommy und Silas.