Freie Trauung

Persönliche Rituale

Frau Steiner, was sind Sie von Beruf?

Ich arbeite als selbstständige PR-Redaktorin und diplomierte Ritualgestalterin.

Wie haben wir uns eine Ausbildung zur »Fachfrau für Rituale« vorzustellen?

Es war eine sehr erfahrungsbezogene Ausbildung – wir sind also nicht in der Schulbank gesessen, sondern haben die Ritualarbeit auf praktischer und persönlicher Ebene erfahren. Während der dreijährigen, berufsbegleitenden Ausbildung befassten wir uns mit der Wirkung von Ritualen, arbeiteten mit der eigenen Biographie, beschäftigten uns mit der Kraft von Symbolen, tauchten ein in die Kraft der vier Elemente, blickten zurück auf alte Rituale aus verschiedenen Traditionen und Kulturen, sammelten Erfahrungen in der Beratung und beschäftigten uns intensiv mit den grossen Lebensübergängen wie Geburt, Hochzeit und Tod.

Ist diese Ausbildung Voraussetzung, um als Ritualgestalterin arbeiten zu dürfen?

Nein, da gibt es keine Richtlinien. Für die Qualität und das Verständnis dieser Arbeit ist es aber sicher ein Vorteil, wenn man sich intensiv und fundiert mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Und das eben nicht nur in der Theorie, sondern auch auf der Erfahrungsebene.

Wann und warum haben Sie beschlossen, Hochzeitszeremonien anzubieten?


Vor vielen Jahren war ich selbst Gast an einer freien Trauung. Dieses Erlebnis hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen und so habe ich mich einige Jahre später für die Ausbildung zur Ritualgestalterin entschieden. Noch während der Ausbildung bekam ich eine erste Hochzeitsanfrage, die ich mit viel Herzklopfen angenommen habe.

Wie viele Hochzeitszeremonien haben Sie schon begleitet?


Seit meiner ersten Trauung im 2009 habe ich rund 100 Hochzeitszeremonien geleitet, einige davon auch im Ausland. So war ich schon in Deutschland, Italien und Frankreich im Einsatz. Auf ein Engagement in der Karibik warte ich noch (lacht).

In welchen Fällen bietet sich eine frei gestaltete Zeremonie an?

Eine freie Hochzeitszeremonie bietet sich für all die Menschen an, die diesen Lebensübergang nicht in einem kirchlich-religiösen Kontext feiern möchten. In einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen mit der Institution Kirche nicht mehr identifizieren können, wächst das Interesse an überkonfessionellen Ritualen.
Das Angebot von freien Trauungen wird aber auch von gleichgeschlechtlichen Paaren oder von Menschen, die bereits einmal verheiratet waren, immer häufiger genutzt.
Ein weiterer Vorteil von freien Trauungen ist, dass diese an den unterschiedlichsten Orten durchgeführt werden können. So war ich schon in Schlössern und Burgen, am Ufer von Flüssen und Seen, auf einem Schiff, auf Bauernhöfen oder auch in Berghütten im Einsatz – je nachdem, welche Location sich ein Paar ausgesucht hat.

Sind die Paare schon zivilstandsrechtlich verheiratet, wenn sie zu Ihnen kommen?

Die Kontaktaufnahme durch die Brautpaare erfolgt in der Regel zwischen 6 und 12 Monate vor dem gewünschten Hochzeitstermin. Zu diesem Zeitpunkt sind die wenigsten Paare standesamtlich verheiratet. Es ist aber schon so, dass sich praktisch alle meiner Brautpaare vor der freien Trauung standesamtlich vermählen und damit die rechtliche Basis für ihre Ehe schaffen. Denn eine freie Trauungszeremonie, wie ich sie durchführe, ist weder rechtlich noch kirchlich anerkannt – sie ist eine Herzensangelegenheit, die das Brautpaar gemeinsam mit ihren Familien und Freunden bewusst zelebrieren möchte.

Wie ist der Ablauf von der ersten Kontaktaufnahme durch das Brautpaar bis zum Tag der Feier selbst und was kostet eine Ritualgestaltung?

In einem ersten Schritt geht es darum, dass ich das Brautpaar näher kennenlerne und sie mir erzählen, in welche Richtung die Zeremonie gehen soll. Bei diesen Gesprächen erfahre ich mehr über die Geschichte und die Besonderheiten des Paares. In einem zweiten, längeren Gespräch werden Ideen für die Ausgestaltung der Zeremonie besprochen und die Struktur der Zeremonie wird gemeinsam festgelegt. Zudem interviewe ich das Paar zu ihrer Geschichte, damit ich später Stoff habe für meine Rede. Sind die Kernelemente der Trauung definiert, mache ich mich ans Schreiben der Hochzeitsrede.
Ein paar Tage vor der Hochzeit telefoniere ich nochmals mit dem Brautpaar und kläre allfällige noch offene Fragen. Und dann endlich ist der grosse Tag da – es wird geheiratet.

Meine Hochzeitszeremonien zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr persönlich sind. Es gibt keine Standardreden, bei denen die Namen des Brautpaares ausgetauscht werden. Jede Trauung wird von mir individuell erarbeitet und ist deshalb einzigartig. Mein Aufwand beläuft sich auf durchschnittlich 20 Arbeitsstunden – eine Hochzeitszeremonie kostet 2‘300 Franken.

Mit welchen Wünschen und Vorstellungen kommen die Paare zu Ihnen?

Viele Brautpaare wünschen sich klassische Elemente wie den Einzug der Braut mit dem Brautvater oder den Tausch der Eheringe. Fast alle Paare wollen aber keine religiöse Bezüge: Sie wollen sich ihr Jawort also nicht vor Gott, sondern vor ihren Familien und Freunden schenken. Besonders schön ist es natürlich, wenn sich ein Paar in seinen eigenen Worten ein Eheversprechen gibt – das macht den Trauungsakt noch persönlicher und emotionaler.

Worauf kommt es Ihrer Meinung nach bei einem gelungenen Ritual an?

Entscheidend finde ich, dass ein Ritual authentisch ist. Es geht also nicht darum, was ich will, sondern darum, was das Paar sich wünscht und was zu ihnen passt.
Im Zentrum meiner Hochzeitszeremonien steht deshalb das Paar mit seiner ganz persönlichen Geschichte, seinen Werten, Gedanken und Gefühlen. So erzähle ich immer auch die Liebesgeschichte des Paares: Wie haben sich die beiden gefunden? Was haben sie zusammen erlebt? Was hat sie zu dem Paar gemacht, das sie heute sind? Dieser Teil der Zeremonie ist meist auch humorvoll, da ich gerne die eine oder andere Anekdote in meine Rede einflechte.
Neben dem Erzählen der Geschichte sind symbolische Handlungen wichtig. Ein persönlich formuliertes Eheversprechen, der Tausch der Eheringe, ein Wunschritual mit allen Gästen, aber auch der Einbezug von Eltern oder Trauzeugen haben durchaus Platz. Diese verschiedenen Gestaltungselemente machen die Hochzeitszeremonie noch persönlicher und schenken ihr noch mehr Tiefe. Und schliesslich ist auch die Musik ein wichtiges, sinnliches und tragendes Element bei jeder Hochzeit.

Welche Feier hat Ihnen persönlich am besten gefallen oder ist Ihnen am eindrücklichsten in Erinnerung?

Schwierige Frage. Offen gesagt muss ich gestehen, dass ich mich nicht auf eine Trauung festlegen kann – irgendwie zeichnet sich jedes Paar und auch jede Hochzeit durch individuelle Besonderheiten aus. Toll finde ich es aber, wenn sich ein Paar mit eigenen Worten bei der Trauung einbringt – da bleibt meist kein Auge trocken. (lacht)
Es gibt aber auch Paare, die mich mit ihrer Geschichte beeindrucken. Beispielsweise, weil ihr Weg besonders herausfordernd oder unkonventionell verlaufen ist und sie dadurch noch näher zusammengewachsen sind.
Und dann ist es auch sehr erfrischend, wenn an einer Trauung Kinder mitwirken, beispielsweise indem sie dem Brautpaar die Ringe bringen, Blumen streuen oder ein Musikstück vortragen. So kam es schon vor, dass ein als Kaminfeger verkleideter Junge auf dem Weg zum Brautpaar seinen Kaminfeger-Hut ausgezogen und einfach unter die Gästen geworfen hat. Natürlich hatte er mit dieser spontanen Geste die Lacher auf seiner Seite.

Was glauben Sie: Warum sind Rituale so wichtig?

Rituale berühren eine Ebene in uns, die in einer kopflastigen und leistungsorientierten Gesellschaft oft zu kurz kommt – unser Herz. In Ritualen schaffen wir einen Raum, in dem wir uns selbst und unsere Gefühle bewusster wahrnehmen. Sie helfen uns, Veränderungen in unserem Leben bewusst zu gestalten und zu erleben. So entsteht Tiefe, Sinnhaftigkeit und ein Gefühl der menschlichen Verbundenheit.

Gibt es Paare, die sich ein Ritual wünschen, das an eine kirchliche Zeremonie angelehnt ist oder sie nachahmt? Gestalten Sie auch solche Rituale?

Nein, die Paare, die auf mich zukommen, wünschen sich andere Inhalte als wir sie von kirchlichen Trauungen kennen. In all den Jahren gab es erst eine Situation, in der ich einem Paar einen Theologen – einen Bekannten von mir – empfohlen habe, weil sich im Gespräch herausstellte, dass sie sich einen kirchlichen Bezug und den Einbezug von biblischen Texten wünschten.

Was bereitet Ihnen persönlich die meiste Freude an diesem Beruf?


Vieles! Als ausgebildete Redaktorin habe ich mich schon immer für gute, emotionale und authentische Geschichten interessiert und habe auch Freude daran, diese auf Papier und den Menschen während der Hochzeitszeremonie näher zu bringen. Dass bei einem Ritual aber nicht nur gesprochene Worte wichtig sind, sondern auch sinnliche Elemente ihren Platz haben, gefällt mir ebenfalls. Da ich auch Abschiedszeremonien gestalte, erlebe ich in meinem Berufsalltag sehr viele unterschiedliche Emotionen, was ich als grosse Bereicherung empfinde.

Was für ein Gefühl ist es, vor einem Brautpaar und seinen Gästen zu stehen in diesem für das Paar so wichtigen Augenblick?

Eine Braut sagte einmal zu mir: »Als Ritualgestalterin bist du eine Art Hebamme. Du begleitest uns so persönlich und nahe – und das in einem der wichtigsten Augenblicke unseres Lebens.« Ich finde dieses Bild sehr treffend und bin dankbar, dass ich eine so schöne, wertvolle und wichtige Aufgabe gefunden habe.
Natürlich bin ich auch immer etwas nervös, wenn ich vor so vielen Menschen stehe und ein Paar in einem so wichtigen und persönlichen Moment begleiten darf. Toll sind dann aber die vielen positiven Rückmeldungen, die ich sowohl von meinen Brautpaaren als auch von ihren Gästen immer wieder erhalte – das motiviert natürlich sehr.

Wie schaffen Sie es, sich im Stil Ihrer Rede jeweils auf das individuelle Paar so einzustellen, dass dieses sich in Ihren Worten wiederfindet?


Als gelernte Redaktorin habe ich sicher den Vorteil, dass ich mit Worten gut umgehen kann und tagtäglich mit der Sprache arbeite. Da ich mich mit jedem meiner Brautpaare sehr ausführlich und persönlich unterhalte, erfahre ich auch viel über ihren Umgang miteinander und die Art, wie sie durch’s Leben gehen. Das alles fliesst später in meine Rede ein – so dass die Zeremonie authentisch und unverkennbar wird.

Kennen die Brautpaare den Wortlaut Ihrer Ansprache im Voraus?

Nein, dadurch würde die Zeremonie ja ihre Kraft und auch die Spannung verlieren. Gemeinsam mit dem Brautpaar definiere ich im Vorfeld jedoch die Kernelemente der Trauung. Nach der Zeremonie schicke ich ihnen dann ihre Liebesgeschichte – so dass sie diese in Ruhe nochmals lesen und geniessen können.


Mehr Info unter www.hochzeitszeremonien.ch