Brautmode XXL

Unglaubliche Ausstrahlung

Vollschlank, gross, kräftig, stark, fest: Wenn es darum geht, Adjektive zu finden für Frauen mit Kleidergrössen von 46 und mehr, haben wir offensichtlich kein Problem. Aber sind wir auch genauso gut darin, Mode für diese Zielgruppe zu finden? Wie sieht es in dieser Hinsicht aus in den Boutiquen und Modehäusern?
Eine indirekte Antwort darauf bekamen wir, als wir die Brautmodengeschäfte zum Thema XL-Bräute befragt haben. Da wollten wir unter anderem wissen, was ihnen bei der Beratung solcher Frauen besonders Freude macht. Fast alle nannten als Antwort: der Moment, wenn die Braut sich in einem Kleid rundum wohl, schön und glücklich fühlt. Nun gilt das natürlich nicht speziell für XL-Bräute. Schon immer war für die Beraterinnen das Strahlen und Leuchten in den Augen ihrer Kundinnen ein unfehlbarer Indikator dafür, dass das richtige Kleid gefunden ist. Aber bei den grossen Grössen, so berichteten uns mehrere Beraterinnen, kommt in diesem Augenblick noch etwas anderes hinzu: freudige Überraschung.
Viele junge Frauen mit grosser Kleidergrösse, so erzählt etwa Monja Blatter von Chez Janine in Bubikon, kommen schon ein bisschen demotiviert ins Geschäft, so als glaubten sie nicht wirklich, etwas Passendes für sich zu finden. Umso glücklicher sind sie natürlich, wenn sie sich im Spiegel der Brautmodengeschäfts ‚eines Besseren belehrt‘ sehen. Und Anina Fankhauser von La Passion in Aathal sagt: »Es ist ein toller Anblick, zu sehen, wie schön sich die Kundinnen fühlen. Viele dieser Bräute sind entscheidungsfreudiger als eine S- oder M-Size-Braut. Das liegt vielleicht auch daran, dass es nicht überall eine Riesenauswahl gibt.«
»Festere Frauen«, so Andrea Jaggi vom Brautparadies Thun, »haben eher etwas Probleme beim Kleiderkauf. Umso dankbarer sind sie, beziehungsweise umso mehr wissen sie es zu schätzen, wenn wir ihnen zeigen, wie schön sie auch in einer grösseren Grösse sind.« Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, scheint tatsächlich im Alltag eben nicht ganz so selbstverständlich zu sein. Wer mit einer grossen Grösse zum Fashion-Shopping geht, stösst schnell mal auf eine reduzierte Auswahl. Warum eigentlich?



Brautmode XL

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SIND WIR ZU SELTEN?

Wir baten die Fachgeschäfte auch, uns zu sagen, welchen Anteil an ihrer Kundschaft, grob geschätzt, XL-Kundinnen ausmachen. Die Angaben schwankten zwischen zehn und dreissig Prozent. Nicht gerade eine Randgruppe. Aber eben auch bei Weitem nicht die Mehrheit. Für viele Modegeschäfte oder -hersteller mag es sich schlicht nicht rechnen, eine grosse Auswahl an XL- und XXL-Kleidung herzustellen beziehungsweise vorrätig zu halten. Es sei denn, man spezialisiert sich darauf.
Das ist bei Brautmode noch ein bisschen anders, da man diese Traumkleider ja eh nicht ‚to go‘ kauft, sondern sie zumindest angepasst, oft sogar erst in der richtigen Grösse bestellt werden müssen. Man braucht also keine fünf Stück eines Modells auf Lager zu halten.

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HABEN WIR WAS ZU VERBERGEN?

Wenn man Ratgeber zum Thema XXL-Mode liest, ist oft vom Kaschieren, Überspielen, Verstecken die Rede. Das klingt dann manchmal so, als ob diese Bräute ‚etwas zu verbergen‘ hätten. Wir haben nachgefragt, ob das bei der Beratung tatsächlich so im Vordergrund steht oder eine besondere Rolle spielt. Die einhellige Antwort aus den Fachgeschäften war: »Überhaupt nicht.« Oder etwas genauer gesagt: Es spielt zwar durchaus eine Rolle bei der Suche nach dem Traumkleid, hier und da eine vermeintliche ‚Problemzone‘ aus dem Blickfeld zu nehmen, aber das ist völlig unabhängig von der Grösse der Braut. Monja Blatter meint: »Ob eine Braut sich in einem Kleid wohlfühlt oder nicht – und allein darauf kommt es letztendlich an – hat nichts mit der Kleidergrösse zu tun, die sie trägt. Auch die 36er- oder 38er-Bräute wollen mindestens so oft wie die XL-Kundinnen hier und da etwas kaschieren, was ihnen an sich selbst nicht so richtig gefällt. Deshalb beraten wir allein mit Rücksicht auf die individuelle Figur.« Und Aleksandra Krawczyk von Liluca sagt: »Das Wichtigste für alle Bräute ist das Wohlbefinden, dass sie sich schön und nicht verkleidet fühlen. Stimmt das Bauchgefühl, ist es auch das richtige Kleid.«
Auch bei La Passion geht es nicht ums Kaschieren und Überspielen, sagt Anina Fankhauser: »Wir stellen stattdessen die positiven Punkte in den Vordergrund, die Schokoladenseiten, die jede Frau hat und an sich kennt. Bei fülligeren Frauen ist das immer auch der Ausschnitt. Da sollte man ruhig zeigen, was man hat. Denn welcher Bräutigam sieht an seiner Traumfrau nicht gern ein richtig schön in Szene gesetztes Dekolleté?«
Natürlich gibt es Schnitte, die bei Kleidergrössen ab 46 besonders geeignet sind. Priska Louis von Priska Braut- und Abendmoden in Aarau empfiehlt hier zum Beispiel eine nur leicht ausgestellte A-Linie. »Aber«, beschreibt Monja Blatter einen aktuellen Trend, »es werden von den Bräuten auch zunehmend schmalere, schlankere Silhouetten nachgefragt, von denen wir in der aktuellen Saison deshalb auch mehr ins Programm genommen haben bei den grossen Grössen.«
Voraussetzung für ein breites Angebot in den Fachgeschäften ist natürlich, dass die Brautmodenlabels Kleider für grosse Grössen produzieren. Und da sieht es sehr unterschiedlich aus, wie Andrea Jaggi feststellt: »Manche Hersteller haben hier ein sehr breit gefächertes Angebot. Aber es gibt auch solche, die gar nichts in grossen Grössen haben.« Amerikanische Labels, stellt Monja Blatter fest, seien hier oft ein bisschen besser aufgestellt.

Brautmode XL

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BRAUCHEN WIR EINE "SONDERBERATUNG"?

Ob man bei grossen Bräuten anders an die Beratung herangehe als bei ‚normalen‘ Bräuten, wollten wir wissen. Wobei diese Frage eigentlich schon falsch gestellt war, tut sie doch so, als ob eine grosse Grösse per se schon ein ‚Problem‘ wäre. Entsprechend negativ waren die Bescheide aus den Fachgeschäften: Nein, es gibt keine Spezialberatung. Wie man auf die Suche nach dem Traumkleid geht, ist unabhängig von der Kleidergrösse. Es geht stets um die individuelle Figur der Braut, ihren persönlichen Stil, ihre Wünsche und Vorstellungen. »Die Beratung gestaltet sich manchmal etwas intensiver«, sagt Anina Fankhauser, »denn nicht jede Braut akzeptiert sich so wie sie ist. Da braucht es dann oft ein besonderes Fingerspitzengefühl, um die Kundin glücklich zu machen.«
Wichtig sei die Ehrlichkeit der Braut gegenüber, betont Aleksandra Krawczyk: »Das erwarten sie zu Recht von uns Beraterinnen.« Priska Louis ergänzt: »Die Kundinnen erwarten von uns in erster Linie einen guten Service – und Einfühlungsvermögen auch dann, wenn man keine Modelfigur hat.« Und das dürfte auf alle Bräute zutreffen.
Auch bei Chez Janine gibt es keine ‚Spezialberatung‘. Wohl aber hat man hier eine separate Abteilung eingerichtet. Und das aus zwei Gründen, wie Monja Blatter sagt. Denn erstens hat das den Vorteil, dass in dieser Abteilung nur Kleider hängen, die es tatsächlich auch in grossen Grössen gibt. Die Enttäuschung, eventuell ein Kleid zu sehen, das einem gefällt, es dann aber nicht kaufen zu können, bleibt einem also erspart. Der zweite Grund ist eher psychologischer Natur: Wenn man als fülligere Braut bei der Anprobe neben sich ein schlankes Reh in einem 36er-Kleid stehen hat, fängt man als Frau doch unwillkürlich an, sich zu vergleichen – ganz gleich wie glücklich man eigentlich mit sich und seinem Aussehen sein mag. Und das trübt dann ein bisschen die Shopping-Freude.

Brautmode XL, Grosse Grössen

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IST ABNEHMEN EINE OPTION?

Eine Frauenzeitschrift ohne allerneueste Diät-Idee ist kaum vorstellbar. Irgendwie glauben wir alle, irgendwo ein paar Gramm zu viel zu haben. So gesehen ist Abnehmen also immer eine Option. Und wenn der schönste Tag im Leben ansteht, dann ist das sicher für viele noch einmal ein besonderer Ansporn, es nun endlich anzugehen. Wir fragten, ob das auch beim Brautkleidkauf ein Thema sei.
»Wann ist das Abnehmen für eine Frau kein Thema«, fragte Anina Fankhauser denn auch zurück, »viele Kundinnen möchten vor der Hochzeit noch ein paar Kilo verlieren, aber das betrifft nicht nur die Bräute mit einer grösseren Grösse.« »Lustigerweise«, sagt Andrea Jaggi, »sind es eher die Schlankeren als die Festeren, die vom Abnehmen sprechen.«
Monja Blatter warnt sogar ein bisschen davor: »Wir haben tatsächlich ab und zu Kundinnen, die ein Kleid eine Nummer kleiner bestellen möchten, weil sie sich fest vorgenommen haben, bis zur Hochzeit noch abzunehmen. Wir raten diesen Bräuten aber davon ab. Erstens klappt es dann eben oft doch nicht, weil man gerade vor dem Jawort so viel Organisatorisches um die Ohren hat, dass man sich nicht noch zusätzlich auf die Einhaltung einer Diät konzentrieren kann. Und zweitens weiss man, wenn es einem denn gelingt, der Waage ein paar Pfunde abzuluchsen, vorher nie, an welcher Stelle man abnimmt. Wenn dann das kleiner bestellte Kleid von der Änderungsschneiderin nicht ausgelassen werden kann (was immer schwieriger ist, als es enger zu machen), hat man ein richtiges Problem.«

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SAGEN WIR JA ZU UNS!

Besser also, man liebt sich selbst so, wie man ist. Dabei kann man sich ein Beispiel am Bräutigam nehmen, denn der liebt uns ja definitiv so, wie wir sind, und wird Ja zu uns sagen – nicht zu einer Kleidergrösse.
Deshalb soll Aleksandra Krawczyk hier das letzte Wort haben. Denn ihre Antwort auf unsere Frage, was ihr bei der Beratung von XL-Kundinnen besondere Freude macht, bestand aus nur einem Satz:
»Diese Bräute haben eine unglaubliche Ausstrahlung.«


Bei diesem Beitrag haben uns mit
ihrem Fachwissen unterstützt:

Anina Fankhauser,
La Passion in Aathal
www.lapassion.ch

Andrea Jaggi
Brautparadies Thun
www.brautparadies.ch

Monja Blatter
Chez Janine in Bubikon
www.chezjanine.ch

Priska Louis
Priska Hochzeitsmode, Aarau
www.priska-hochzeitsmode.ch

Aleksandra Krawczyk
Liluca in Zürich,
St. Gallen, Bern und Lausanne

www.liluca.ch


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