Diamanten und Fassungen

Hold me tight!

Edelmetall und Edelsteine gehörten für die Menschen irgendwie immer schon zusammen. Die Frage war nur: Wie bringt man zum Beispiel einen Goldring dazu, einen Smaragd, einen Rubin oder einen Diamanten zu fassen und sicher zu halten? Und zwar so, dass der Edelstein auch schön zur Geltung kommt und nicht hinter einem »Gitter« aus Metall ein eher freudloses Dasein in Gefangenschaft fristen muss.
Denn meist sind es ja die Edelsteine, die den gestalterischen Mittel- und Höhepunkt eines Schmuckstücks darstellen und oft auch das Wertvollste an ihm sind. Bestes Beispiel sind Solitärringe, gern verwendet als Antrags- oder Verlobungsring der Braut, bei denen ein Diamant prominent oben auf einem oft schlichten Ring thront. Ganz klar ist es hier der Stein, der die Symbolik dieses Schmuckstücks ausmacht, um den sich alles dreht und der auch den Wert des Schmuckstücks definiert. An der Grösse des Diamanten soll in Amerika die Braut das Monatsgehalt des Antragstellers ablesen können (zwei bis drei davon soll er der Tradition nach kosten).
Die Goldschmiede in aller Welt und in allen Jahrhunderten haben sich deshalb Gedanken darüber gemacht, wie man einen Edelstein richtig »zu fassen kriegt«. Bei uns ist Edelsteinfasser sogar ein eigener Beruf mit mehrjähriger Ausbildung, weil es eben nicht ganz einfach ist, Edelstein und Edelmetall so zusammenzubringen, dass zum Beispiel der oder die Diamanten auf gar keinen Fall verloren gehen können und dabei trotzdem so viel Licht wie möglich für ihr unvergleichliches Funkeln einfangen zu können.
Wir Ihnen die wichtigsten Möglichkeiten vor, mit denen die Edelsteinfasser diese Herausforderung meistern.

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EINGERIEBEN


Bei dieser Art des Fassens wird der Diamant in eine vorgebohrte Aussparung gesetzt und danach das umgebende Edelmetall an ihm festgedrückt beziehungsweise ganz leicht über seinen Rand geschoben. Der Edelstein ragt dabei nur leicht über die Ringschiene und ist dadurch gut geschützt.


Ringe von Meister

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BALKEN


Insbesondere bei Memoire-Ringen eine sehr beliebte Fassung. Dabei sitzt ein Diamant jeweils zwischen zwei Metallteilen und wird von diesen gehalten. Zur Seite hin bleibt dabei der Stein meist frei, sodass er insgesamt von drei Seiten Licht bekommt.


Ringe von Furrer Jacot (rechts und Ausschnitt) und Meister (Mitte)

Kanalfassung

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KANAL


Für diese Fassung wird eine Art Kanal in die Ringoberfläche geschnitten, dessen Seitenränder dann meist mehreren, gleich gestalteten Diamanten Halt geben. Wirkt sehr schön auch bei Steinen im Smaragdschliff, da dann keine Zwischenräume entstehen.


Ringe von Furrer Jacot (Ausschnitt und rechts) und Breuning

Krappenfassung

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KRAPPEN


Für diese Fassung wird eine Art Kanal in die Ringoberfläche geschnitten, dessen Seitenränder dann meist mehreren, gleich gestalteten Diamanten Halt geben. Wirkt sehr schön auch bei Steinen im Smaragdschliff, da dann keine Zwischenräume entstehen.

Ringe von Gerstner (Ausschnitt und Mitte) und Furrer Jacot

Pavéefassung

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PAVÉE


»Pavée« bedeutet Pflasterung. Und wie Pflastersteine werden die Diamanten bei dieser Fassart eng aneinander gesetzt und nur von kleinen, kaum sichtbaren Metallkügelchen gehalten. Zwischen den Steinen soll dabei möglichst wenig Zwischenraum bleiben, damit der Eindruck eines lückenlosen Überzugs entsteht.


Ringe von Saint Maurice, Armreife von Henrich & Denzel

Spannfassung

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SPANNFASSUNG


Wovon lebt ein Diamant? Von Licht! Und mehr von seinem »Grundnahrungsmittel« kann man einem Brillanten kaum gönnen als mit einer Spannfassung. Dabei wird der Stein zwischen die beiden Hälften des Rings eingeklemmt und nur von dessen Eigenspannung in Position gehalten, sodass er gleichsam frei schwebt.


Ringe von Christian Bauer (links) und Niessing

Zargenfassung

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ZARGEN


Bei dieser Fassung wird die Rundiste des Brillanten, das ist die »Kante« des Steins, die die obere von der unteren Seite trennt, auf eine Auflage im Inneren eines umlaufenden Metallbandes gesetzt. Die Unterseite des Steins kann auf diese Weise frei bleiben, sodass auch von dort noch Licht einfällt.


Ringe von Henrich & Denzel und Furrer Jacot (rechts)