Heiratsantrag

Pro & Contra

Bei Eltern um Hand anhalten?

Notwendig ist es sicher nicht - aber manche finden es einfach schön: nicht nur seiner Liebsten einen Heiratsantrag zu machen, sondern gleich auch noch bei ihrem Vater um die Hand anzuhalten. Andere erachten derlei für schlichtweg überholt. Wir haben bei zwei Männern nachgefragt und sowohl ein »Ja!« als auch ein entschiedenes »Nein!« gehört:

 

Ralf aus Darmstadt meint:

"Ich halte das für eine schöne Geste und habe es deshalb auch gemacht. Allerdings muss ich schon gestehen, dass ich die Reihenfolge etwas modernisiert habe und erst mal meiner Freundin einen Heiratsantrag gemacht habe. Der klassische Weg wäre ja ein anderer gewesen. Nachdem sie Ja gesagt hatte, war es mir aber wirklich eine Herzensangelegenheit, bei ihren Eltern vorzusprechen und »offiziell« um die Hand anzuhalten. Ich schätze ihre Eltern sehr und hätte es als respektlos empfunden, sie einfach vor vollendete Tatsachen zu stellen. Es ist schon richtig, dass der Akt als solcher heutzutage vielleicht veraltet oder überholt ist, wo man ja schon längst ein Paar ist, zusammenwohnt und der Trauschein nichts weiter als die logische und letzte Konsequenz all dessen ist. Ich bin da aber gerne ein bisschen altmodisch. Denn beim Vater - oder vielmehr bei den Eltern der Braut - um die Hand anzuhalten ist in meinen Augen eine Sache des Respekts. Es zeigt, welches Gewicht man selbst der Entscheidung beimisst und dass es alles andere als selbstverständlich ist, den Menschen, den man liebt, als Wegbegleiter durchs Leben bei sich haben zu dürfen. Das an sich ist schon Geschenk genug. Die Zustimmung und den Segen der Eltern dafür zu erhalten, ist wie das Schleifchen drum herum. Es ist das Band, das trotz der Geburtsstunde einer neuen Familie die bereits bestehenden Familien in ihrer Gesamtheit zusammenhält. Denn letztlich geht es bei einer Hochzeit um weit mehr als nur die beiden Menschen, die Ja sagen. Nachdem ich um die Hand meiner Freundin angehalten hatte, sind wir übrigens noch alle miteinander richtig schön essen gegangen - auch meine Eltern, die schon eingeweiht waren, kamen mit dazu. Besser kann Familienzusammenführung also gar nicht funktionieren."                   

 

Alex aus Weimar meint:

"Meine Freundin wäre entsetzt gewesen, wenn ich über ihren Kopf hinweg bei ihrem Vater um ihre Hand angehalten hätte. Es kann doch wohl nicht sein, dass alle Bescheid wissen, noch bevor man diejenige fragt, um die es eigentlich geht. Ich finde schon, dass die Entscheidung zu heiraten die Angelegenheit von Braut und Bräutigam ist - und auch deren Angelegenheit bleiben sollte. Heute mag es sich ja »romantisch« anhören, wenn man bei den Eltern der Braut um die Hand anhält. Aber der Ursprung dieser Tradition war es sicher nicht. Da wurde verhandelt und verheiratet und über Verbindungen beschlossen, die mit allem Möglichen zu begründen waren, aber oftmals eben nicht mit Liebe. Insofern ist das für mich ein Brauch, der nun wirklich nicht weitergepflegt werden muss. Ich denke, ein gutes Verhältnis zu den Schwiegereltern kann man auch anders pflegen. Darüber hinaus halte ich es für extrem wichtig, den Gesamtkomplex der Hochzeitsplanung beim Brautpaar zu belassen. Es sollte von vorneherein klar sein, dass andere da kein relevantes Mitspracherecht haben. Auch die Eltern nicht. Ich habe das bei der Hochzeit eines Kumpels gesehen, wo die Schwiegermutter die Planungshoheit für sich vereinnahmte. Da kann die Geste, wenn man um die Hand anhält, schon das falsche Signal aussenden und die Eltern verstehen lassen, dass sie sich ganz einbringen dürfen. Aber auch wenn es noch so nett gemeint ist - beim Feiern sollte man sich nicht reinreden lassen. Das ist ein besonderer Tag, der den Vorstellungen des Brautpaars entsprechen muss. Auch - oder gerade dann - wenn man nicht nach traditionellem Vorbild feiern, sondern eigene Ideen umsetzen möchte. Ich betrachte all das etwas zeitgemäßer. Da passt es dann nicht, um die Hand anzuhalten."