Hochzeitstag in Bildern

Heiraten aus Männersicht

Ein Tag als Bräutigam

Wie ist das eigentlich, so ein Hochzeitstag für den Mann? René weiß es, er war schließlich erst vor kurzem einer. Bräutigam also. Und in dieser Eigenschaft in all die Vertraulichkeiten, Interna und Geheimnisse eingeweiht, die man nur als solcher wissen kann. Gefühlslagen inbegriffen. Hier erzählt er, wie es wirklich war: (S)ein Tag als Bräutigam.

 

Von René Simon

 

Guten Morgen! Der Wecker klingelt – 09:00 Uhr. Hätte er gar nicht machen müssen, ich war schließlich eh schon lange wach. Aber das kann er ja nicht wissen. In der Wohnung ist alles still und die Hälfte des Bettes ist leer. Julia hat die Nacht in einer Airbnb Wohnung ganz in der Nähe verbracht – Tradition halt. Der Tag beginnt nun mit einem der wichtigsten Punkte auf der Tagesordnung – Kaffee. Keine Hochzeit ohne Kaffee am Morgen beziehungsweise kein Morgen ohne Kaffee! Zweite wichtige Amtshandlung: Wettercheck auf zweifache Weise. Kachelmännischer Blick aus dem Fenster und Internetcheck verschiedener Wetter-Apps. Der Blick aus dem Fenster ist im Hinblick auf einen dreistündigen Sektempfang im Freien doch eher ernüchternd. Deshalb tippe ich jetzt so lange auf dem Smartphone herum, bis mir eine der Wetter-Apps das anzeigt, was ich sehen will – Sonne. Leider vergeblich, 100 Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Darüber habe ich mich die letzten drei Tage bereits so geärgert, dass mein Wutkontingent in diesem Zusammenhang wohl erschöpft zu sein scheint. Die Wettervorhersage ist mir zwar nicht egal, aber es ist jetzt einfach wie es ist. Es gibt einen Plan B im Regenfall und meine weißen Chucks sind ja eigentlich erst dann wirklich cool, wenn sie dreckig sind.

Getting Ready
Wie dem auch sei, ich habe noch knapp zwei Stunden Zeit, bis es losgeht. Also nicht mit der Hochzeit, sondern mit dem Fotoshooting beim Getting Ready. Ja, liebe Männer, es gibt ein Getting Ready und man wird dabei fotografiert. Vor ein paar Wochen habe ich bei diesem Anglizismus-Feuerwerk noch ungläubig geschaut, heute weiß ich, dass es so etwas tatsächlich gibt, was es ist und dass man(n) es laut Frau auch unbedingt braucht. Beim Ausziehen wollte mich bislang noch niemand fotografieren, dafür aber jetzt beim Anziehen. Vielleicht sollte ich das Fitnessstudio doch wieder etwas öfter besuchen?! Wie auch immer, mein Trauzeuge/Bruder ist eingetroffen, wir sind ready fürs Getting Ready. Was sollen wir tun? Grinsen? Posen? Ja, was genau? »Einfach so sein wie immer, als wär ich nicht da«, ist die Anweisung von Fotografin Valerie. Ah ok, das kann ich. Und da soll noch mal jemand sagen, modeln sei schwierig. Während Valerie sich um die Fotos kümmert, kümmern wir uns um eine Flasche Sekt, denn Frühstück muss schließlich sein. Und was aus leichter Nervosität in fester Form nicht rein will, dass wird dann halt getrunken. Es bleibt aber bei einem einzigen Glas, denn wenn ich diesen Teil mit dem »JA«-Sagen nicht ganz mitbekomme, dann wär‘s durchaus schade. Und mir im leicht angetrunken Zustand eine Fliege binden zu müssen, würde meiner guten Laune zudem sicher schaden. Schon mal eine Fliege gebunden? Ich bis letzte Woche auch nicht, wozu wurde schließlich auch der Hakenverschluss erfunden?! Ein Krawattenknoten ist nichts dagegen. Ist der Knoten jedoch nach mehrminütigem wilden Rumknoten in Verbindung mit leisem Fluchen geglückt, dann sieht es genial aus. Absolute Empfehlung!

Kirche
Das Getting Ready ist nach zwei Stunden im Kasten und es ist Zeit die Reise zur Kirche anzutreten. Auf der Fahrt versuche ich die Braut anzurufen, um mich zu vergewissern, dass bei ihr alles gut läuft - und um sicher zu gehen, dass sie gleich auch wirklich auftaucht. Wie zu erwarten war ist sie beschäftigt und kann nicht telefonieren, sie bekommt gerade ihre Kriegsbemalung. Stattdessen lasse ich mir von meinem Schwiegervater versichern, dass sie pünktlich in der Kirche sein wird und erhalte einen kurzen Lobgesang auf eine so genannte Brautvater-App, die er benutzt, um sicherzugehen, dass er auch nichts vergisst und alles richtig macht. Na dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Vor der Kirche treffen allmählich bekannte Gesichter ein und es häuft sich die Frage: »Na, wie geht’s dir gerade?« Um ehrlich zu sein: extrem gut. Keine übermäßige Aufregung, kein hektisches Schwitzen und auf Toilette muss ich auch nicht. Die letzten Dekoarbeiten in der Kirche wurden soeben beendet und es darf Platz genommen werden. Der Oldtimer unseres Pfarrers hat gehalten und ihn pünktlich vorfahren lassen. Unser Musiker-Duo ist bereit und 196 Augen sind auf mich gerichtet. Aber dennoch bin ich überdurchschnittlich ruhig, was mich überrascht. Kann ein einziges Glas Sekt auf leeren Magen so beruhigend wirken? Es ist 13:56 Uhr. Noch vier Minuten. Wie wird sie wohl aussehen, habe das Kleid vorher ja nicht gesehen – Tradition und so. 13:57 Uhr. Noch drei Minuten. Die anwesenden Gäste machen nun häufiger den Schulterblick als bei einer Autofahrt durch die Stadt. Gleich müsste sie kommen. 13:58 Uhr. Noch zwei Minuten. Ok, ich gebe zu, nun endlich nervös zu sein. Aber irgendwie ein gutes nervös – nervös, aber gut. 13:59 Uhr – the final minute. Vorausgesetzt sie ist pünktlich. Ist sie pünktlich? Folgt sie einer Familientradition, dann eher nicht. Ach egal, sie kommt gleich schon. Atmen nicht vergessen, ist wichtig. 14:00 Uhr – es ist so weit. Und tatsächlich, es geht los. Carina (Julias Schwester und Trauzeugin) betritt die Kirche. Das ist das Zeichen für die Musiker loszulegen: »Du bist mein Ziel« inklusive Gänsehaut-Kirchenakustik. Und dann ist sie da. Mein Kopf ist leer und ich vergesse fast alles um mich herum. So oft habe ich mir diesen Moment vorgestellt und doch ist er ganz anders. Sie sieht umwerfend aus! JA ICH WILL!

Sektempfang
Regenwahrscheinlichkeit 100 Prozent, Keller laufen voll, die Welt um uns herum geht unter – aber bei uns scheint die Sonne. Ein kleines Wunder! Der Sektempfang wird gerade zu einer kleinen  Sommerparty im Schlossgarten. Livemusik, Kinder (viele davon Ü30) spielen auf der Wiese, gute Laune, Gin Tonic Slush Eis und Fingerfood. Oooooh ja, das ausgefallene Frühstück rächt sich lautstark. Bereits in der Kirche betete ich die letzten 20 Minuten, Gott möge mein Magenknurren leise ausfallen lassen. Während Julia die wichtigen Fragen des Lebens beantwortet (»wie fühlte sich der Einzug in die Kirche an?«, »an was genau hast du in diesem Moment gedacht?«, »wo hast du dieses umwerfende Kleid her?«, »ist die ganze Deko selbstgemacht?«, »haben die Schuhe wirklich nur 39,99 € gekostet?«) und dadurch das eigentlich dringend vom Körper benötigte Fingerfood verpasst, stoßen wir Männer mit einem Slush Eis an. Männer untereinander fragen sich da einfach nicht so viel, wir wollen gar nicht so viel wissen – zum Glück.
Freund 1: »Glückwunsch!« Ich: »Danke.« Freund 2: »Cooles Outfit.« Ich: »Danke.« Freund 1: »Wer ist die Blonde da vorne?« Ich: »Die Freundin von dem großen da.« Freund 1: »Hmm ...  Schade ... Prost.«
Ach herrlich, das Leben kann so einfach sein, man(n) braucht nur ein Getränk und gute Freunde. Und Livemusik. Und ein Schloss. Und Kellner mit Häppchen. Und Sonne (Bescheidenheit ist morgen).

Fotoshooting
Während sich unsere Gäste um die von uns soeben angeschnittene Hochzeitstorte kümmern, nutzen wir die Gunst der Stunde um zu verschwinden. Fotoshooting - ein fester Bestandteil jeder Hochzeit und unumgänglich – hab ich mir von der Braut sagen lassen. Und der Braut widerspricht man nicht (hab ich mir ebenfalls von der Braut sagen lassen). Ich werde die Fotos lieben und keine zu machen ist auch für mich keine Option, aber ausgerechnet jetzt? Getränke ... Kuchen ... Sommerparty ... Fotoshooting - finde den Fehler in dieser Reihe. Zum Glück sind unsere beiden Fotografinnen Anne und Valerie nicht nur absolute Fotoprofis, sondern auch menschlich ein Volltreffer und vom Fotostil her mit uns absolut auf einer Wellenlänge. Das macht es deutlich einfacher und kurzweiliger. Nichts desto trotz muss ich mich korrigieren – »da soll noch mal jemand sagen, modeln sei schwierig« wird gestrichen. Ich habe das Gefühl, immer den selben Gesichtsausdruck zu haben. Ok, ich hab zwei: lachend und nicht lachend. Theoretisch hätte ich noch mehr, die sind aber eher nicht hochzeitsshootingkompatibel. Wird schon passen, es werden sicher ein paar gute Aufnahmen dabei sein. Julias Idee nach der Hochzeit noch mal ein Shooting irgendwo zu machen, spornt mich jedenfalls ausreichend an, um schon jetzt ein nützliches Fotogesicht abzuliefern und ein After-Wedding-Shooting zu vermeiden.

Dinner & Party

Die Location wird gewechselt. Vom Schlossgarten geht es in eine »alte Scheune«, deren Front komplett verglast ist. Eine tolle Mischung aus alt und neu, die es erlaubt, dass sich fast der gesamte Raum mit Sonne füllt. Sonne – ich sage es noch mal, es war zu 100 Prozent Regen angesagt und bislang traute sich kein einziger Tropfen den Weg nach unten. Es wird Zeit fürs große Grillbüffet. Nicht jedoch, ohne vorher noch ein paar Worte zu sagen und kurz unsere Gäste vorzustellen, schließlich soll man ja wissen, WER sich da gerade am Büffet vorgedrängelt hat. Sind es die Eltern von Braut oder Bräutigam, dann schweigende Akzeptanz. Ist es jedoch jemand auf gleicher Stufe in der Gästehierarchie, dann Platz verteidigen. Wir sind ja nicht zum Spaß hier. Wie das Essen abläuft, ist ja unter Umständen Thema vieler Diskussionen im Vorfeld. Gesetztes Essen, Büffet oder eine Mischung? Wir haben uns ohne ausschweifende Diskussionen für eine Mischung entschieden: Vorspeise gesetzt (um Ruhe in die Bande zu bekommen), Hauptgang als Büffet (Bewegung ist ja gesund) und Nachspeise wieder gesetzt (so muss man die Herde nicht mühsam zusammentreiben, wenn es zum Beispiel Reden oder sonstige Programmpunkte nach dem Essen gibt). So einfach die Entscheidung bezüglich der Nahrungsaufnahmeart war, so hochwissenschaftlich war die Erstellung der Sitzordnung. Bis es hier eine finale Version gab, vergingen Stuuuunden – trotz menschlich unkompliziertem Freundes- und Familienkreis. Es kam der Punkt, an dem ich Braut und Trauzeugin nur noch vereinzelt als Berater in dieser Sache zur Seite stand - und dafür bin ich auch sehr dankbar. Jetzt ist eh alles egal, der Vorbereitungsaufwand ist vergessen, das Essen ist lecker, alle haben gute Laune, die Mühe für die selbstgemachte Deko hat sich gelohnt, das Lichtkonzept stimmt, die Drinks sind prima und das Glas ist nie lange leer. Die überraschend anwesende Sonne verabschiedet sich eindrucksvoll und die Party könnte nicht besser sein. Hätte ich eine Checkliste fürs Leben, dann könnte ich heute an den Punkt »Beste Freundin heiraten und das gemeinsam mit den tollsten Menschen feiern« einen großen Haken setzen.

Hochzeitsnacht
Zum Abschluss noch ein wichtiges Ergebnis aus Umfragen im Freundeskreis und einer selbst durchgeführten Studie: die berühmten und häufig erwähnten Geschehnisse in der Hochzeitsnacht müssen ein Mythos sein. GUTE NACHT!!!

Hochzeitseinladung

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Bräutigam vor der Hochzeit

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Ehering

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Trauring

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Bräutigam-Outfit

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Hosenträger für Bräutigam

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Bräutigam bereitet sich für Hochzeit vor

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Hochzeits-Wegweiser

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Blüten für Blumenkinder

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Brautpaar bei der Trauung

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Brautpaar in der Kirche

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Kirchenheft für Hochzeit

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Tränentaschentücher für Hochzeit

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Hochzeitsgäste in der Kirche

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Brautpaar vor der Kirche

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Brautpaar vor den Hochzeitsfotografen

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Brautpaar nach der Trauung

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Hochzeits-Erfrischung

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Hochzeitskaffee

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Hochzeits-Büffet

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Brautpaar schneidet Hochzeitstorte an

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Sweet Table für Hochzeit

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Hochzeitstorte

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Hochzeitsküchlein

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Hochzeitstafel

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Festlich gedeckter Hochzeitstisch

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Hochzeitslocation

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Tischplan für Hochzeitsgäste

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Hochzeitsdeko

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Hochzeitsmenü

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