Hochzeitstafel

Hochzeitsknigge

Kleine Tafel-Kunde

Aufs Hochzeitsessen freut sich wirklich jeder! Es verspricht Genuss pur, nette Unterhaltung mit den Tischnachbarn und ein Verwöhnprogramm, das nicht nur Kulinarik beinhaltet, sondern bereits mit der Optik einer traumhaft schön gedeckten Tafel beginnt. Und genau das lehrt manchen fast das Fürchten. Denn die Menge an Besteck, Tellern und Gläsern für ein mehrgängiges, serviertes Menü kann doch ganz schön einschüchternd sein. Schließlich will sich niemand blamieren, sondern sich vielmehr gekonnt durch alle Gänge schlemmen. Also haben wir bei Mozart-Stil- und Knigge-Expertin Yasmin Eren nachgefragt, was es mit all den vielen Utensilien auf einer Hochzeitstafel eigentlich auf sich hat, wie man sein Besteck korrekt und souverän verwendet und sich überhaupt angemessen an einer Hochzeitstafel verhält. Wussten Sie zum Beispiel, dass man das Nachschenken von Getränken grundsätzlich den Männern überlässt? Das ist ein Überbleibsel aus vergangenen Tagen, als Männer noch die Hausherren und Gastgeber waren und somit das Sagen hatten. "Eine Frau oder ein Gast wird sich deshalb niemals selbst nachschenken", sagt Stilikone Yasmin Eren. Bei der Hochzeitsfeier lässt man dies am besten die Kellner machen, es gehört schließlich zu ihren Aufgaben. In Restaurants, in denen die Flaschen auf dem Tisch stehen, darf zumindest Wasser selbst nachgeschenkt werden. Allerdings gilt auch hier: "Frauen schenken anderen und sich selbst nur dann nach, wenn sie Gastgeber sind", so Yasmin Eren. 

 

Dass man sich sowohl als Brautpaar als auch als Hochzeitsgast generell zurückhaltend und gesittet an der Hochzeitstafel verhält, bedarf eigentlich keiner Erwähnung. Man schmatzt, rülpst und schlürft nicht, spricht nicht mit vollem Mund und hinterlässt auf seinem Teller kein unappetitliches Schlachtfeld. Doch davon abgesehen, dass es noch mehr Regeln für gute Tischmanieren gibt, sollte man auch wissen, wie die "Werkzeuge" fürs Essen gebraucht werden. Zum Beispiel das Besteck. So funktioniert eine eingedeckte Tafel:

 

Wie ist ein Gedeck aufgebaut?

Trinkgläser stehen immer rechts im Gedeck. Alle Gabeln liegen links im Gedeck, das Dessertbesteck liegt oberhalb des Platzteller, die Messer und Löffel liegen rechts im Gedeck. Dann gibt es oft noch ein Brotmesser, das links neben dem Gedeck auf einem extra Brotteller liegt.

 

Welches Besteck wofür?

Viele Gänge bedeutet viel Besteck. Für jeden Gang gibt es also ein eigenes. Benutzt werden die Besteckteile dann wie folgt:

  1. Grundsätzlich gilt: Zuerst werden alle Besteckteile links und rechts vom Gedeckteller benutzt, dann erst kommen die oben liegenden Besteckteile an die Reihe.

  2. Man nimmt seine Besteckteile immer von außen nach innen und dann von oben nach unten.

  3. Mit Ausnahme der Suppe, für die es nur den Suppenlöffel braucht, werden immer zwei Besteckteile gleichzeitig benutzt (in der Regel Gabel und Messer oder Gabel und Löffel).

 

Was meint die Bestecksprache?

Unser Besteck kann Geschichten erzählen - und das nicht nur, weil Besteck Geschichte hat. Alle, die an einer schönen Hochzeitstafel sitzen, brauchen buchstäblich keine eigenen Worte, sondern können ihr Besteck sprechen lassen, wenn es ums Essen geht. Folgende Besteckstellungen gibt es auf dem Teller:

 

  1. Die Gabel liegt auf 20 Uhr mit den Zinken nach unten, das Messer liegt auf 16 Uhr
    Heißt: Ich bin mit dem Essen noch nicht fertig. Ich bin dabei, etwas zu trinken. Ich lege eine Pause ein, bitte noch nicht abräumen.

  2. Die Besteckteile liegen über Kreuz auf dem Teller, die Zinken der Gabel zeigen nach oben
    Heißt: Ich bin noch nicht fertig. Ich sehe es gerne, wenn mir noch etwas nachgereicht würde. Ich habe noch Hunger. Bitte nicht abräumen.

  3. Die Besteckteile liegen parallel zueinander auf 16 Uhr auf dem Teller, die Gabel links mit den Zinken nach oben, das Messer rechts mit der Schneide nach links
    Heißt: Ich bin mit dem Essen fertig. Ich möchte nichts mehr haben. Bitte abräumen.

 

Welches Glas nehme ich wofür?

Gläser lassen sich in fünf Kategorien unterteilen: Weingläser, Sektgläser, Spirituosengläser, Biergläser und Wasser-/Saftgläser. Wie beim Besteck gibt es eine klare Vorgabe wo was steht: Außen rechts, oberhalb der Messer, steht das Wasserglas, links davon das Weißweinglas, daneben das Rotweinglas. Es gilt, je bauchiger das Glas, desto besser kann sich das Aroma entfalten - so brauchen beispielsweise schwere Rotweine mehr Platz als leichte Weißweine. Außerdem haben viele Gläser eine weitere Öffnung, damit das Aroma nach oben steigt - und damit der Geruch des Getränks. Wo dies unerwünscht ist, sind die Öffnungen oben enger - beispielsweise bei Spirituosengläsern.

 

Bei Wasser- und Saftgläsern gibt es keine hohen Ansprüche an die Form oder Farbgebung, weshalb hier alles erlaubt ist, was gefällt. Für kohlensäurehaltige Getränke eignen sich schlanke Trinkgläser am besten. Dabei bleibt die Kohlensäure länger erhalten. In großen und vor allem breiten Gläsern verfliegt sie deutlich schneller.

 

Was unterscheidet ein Rotwein- von einem Weißweinglas?

Bei Wein ist es sehr wichtig, das richtige Weinglas zu wählen, da sonst der Geschmack ruiniert werden kann. Der größte Unterschied zwischen Weißwein- und Rotweingläsern liegt in der Form. Denn diese bestimmt, welche Aromen betont werden. Rotweingläser sind eher bauchig und haben eine größere Öffnung, weil Rotwein eine höhere Luftzufuhr benötigt. Der Kelch eines Bordeauxglases bietet beispielsweise viel Platz zum Schwenken, wodurch die Luftzufuhr erhöht wird. Dabei vermischen sich Charakter, Chinin, Extrakt und Dichte des Weins. Das größte Rotweinglas ist das Burgunderglas. Aufgrund des großen und ballonförmigen Kelches wird es auch "Rotweinballon" genannt. Genereller Tipp für Rotweine: Das Weinglas am besten maximal zu einem Drittel befüllen. So hat der Wein die größtmögliche Oberfläche und erhält die optimale Sauerstoffversorgung.

 

Weißweingläser sind hingegen eher schmal geschnitten. Weißwein muss nur selten weiter "atmen", weshalb ein großer Kelch hier nicht so wichtig ist. Dafür ist aber ein langer Stiel entscheidend. Denn der Abstand zwischen Hand und Glas sollte so groß wie möglich sein, damit die Temperatur des Weins nicht beeinflusst wird. Weißwein wird gekühlt serviert und getrunken. Die Füllmenge im Glas sollte relativ gering sein, damit der Wein nicht lange im Glas ist.

 

Roséweine werden üblicherweise in leicht bauchigen Weingläsern serviert. So entwickeln sich die süßen Aromen und steigen nach oben, wodurch der Genießer sie gut schmecken und riechen kann.

 

Welches Glas brauchen Sekt und Champagner?

Auch bei Sekt und Champagner ist ein besonderes Glas wichtig, damit sich das Aroma entfaltet. In schlanken und hohen Gläsern perlt das Getränk schön und sorgt für einen prickelnden Genuss. Das perfekte Sektglas wird auch als Schaumweintulpe oder als Champagnerkelch bezeichnet. Das Glas hat einen Stiel und ist ein hohes, nach unten konisch zulaufendes Glas. Dies fördert das Aufsteigen der Kohlensäure und das Prickeln vom Moussierpunkt aus. Diese hervorstehende oder aufgeraute Stelle am Glasboden sorgt dafür, dass das Kohlenstoffdioxid leicht aufperlt und sich Bläschen entwickeln. Am besten eignet sich die Sekttulpe, die nach oben hin schmaler wird. Dadurch wird das Aroma gebündelt und kommt besser zur Geltung. In der trichterförmigen Sektflöte entfalten sich Aroma und Bouquet sehr gut. Allerdings entweicht durch die relativ große Öffnung die Kohlensäure schnell, weshalb sie zum Servieren von purem Champagner, Prosecco oder Sekt eher ungeeignet ist.