Isabelle & Johannes

Selbst ist die Braut!

 

Dieses Paar ist etwas ganz Besonderes: Beide sind Chemiker und verrückt nach nerdigen Dingen wie Science Fiction und Fantasy. Und noch etwas ist ganz besonders: Isabelle, 31 Jahre alt, und Johannes, 33, haben eine Hochzeit gestaltet wie man sie nicht alle Tage sieht - und dafür maximal viel an Deko selbst gestaltet. Heraus kam ein beeindruckendes Festkonzept, das nicht unerwähnt bleiben darf: Ein Mix aus Comic und einem ganz persönlichen Style, der beide prägt. Mintgrün, helles Türkis und Rosa prägten den Look. Dazu sollte die Naturverbundenheit der beiden Einfluss finden, weshalb sie sich für eine Location entschieden, die genau das bot: Die Möglichkeit zu einer freien Outdoor-Trauung und einen rustikalen Festraum für die Feier im Wasserhaus in Moers. Das Gebäude ist ein altes Steinhaus, das an einen Pferdehof grenzt und sich perfekt in die Festvorstellungen der beiden fügte. Wie Isabelle ihre Hochzeit erlebte, was das Konzept prägte und vor allem wie sie es schaffte, so viel selbst zu gestalten und zu basteln, verrät sie im Interview:

 

 

Was war Ihnen beim optischen Look Ihrer Hochzeit besonders wichtig?

 

Schon vor der Hochzeit war klar: Es soll etwas sein, das uns beide anspricht und widerspiegelt. Wenn man Hochzeiten im Fernsehen sieht, hat man oft das Gefühl, dass alles in der Lieblingsfarbe der Braut gestaltet wurde, an ihrem Lieblingsort und mit ihrer Lieblingsdekoration. Das wollten wir anders machen. Klar, die Hochzeit ist einer der schönsten Tage im Leben, aber man feiert ja die Verbindung zweier Personen - das sollte sich auch in der Wahl der Location, der Deko und der Art zu feiern zeigen. Daher haben mein Mann und ich die Entscheidungen bewusst gemeinsam getroffen. Auch wenn er nicht zu allem eine Vorstellung hatte (außer dass er Jute und Kraftpapier ganz furchtbar fand), so hatte er doch immer eine Meinung zu verschiedenen Vorschlägen und war so etwas wie mein »Kompass« auf dem Weg zu UNSERER Hochzeit.

 

 

Sie haben eine Menge selbst gemacht. Was genau?

 

Oh, wo soll ich da anfangen? Das ist über die Zeit dann doch eine ganze Menge geworden. Angefangen hat es mit der Papeterie. Die Save-the-date-Karten waren noch eine einfache Postkarte, aber spätestens mit den Einladungen stand dann das komplette Konzept, das ich auf Menükarten, Beschriftungen vor Ort und Programmheften umgesetzt habe. Dazu kamen einige handwerkliche Projekte wie Halter für Tischkarten, riesige Papierblumen, kleine Papierherzen auf Spießchen für den Gang während der Zeremonie, Fächer, Girlanden, Holzwegweiser, über 100 Props fürs Photobooth, Getränkekarten auf alten Paletten, ein Ringkissen aus unserem alten Chemielehrbuch, mit Bändern und Spitze dekorierte Einmachgläser und Flaschen für die Tischdeko, eine riesige Lightbox, Holzetageren und individualisierte Tüten für die Candy Bar, Wedding Wands und personalisierte Seifenblasen, beschriftete alte Glastüren und riesige Leuchtbuchstaben. Mit der Zeit hat sich dann auch unser Büro zuhause in einen riesigen Lagerraum für Hochzeitsdekorationen verwandelt und die Umzugskartons voller Dekoartikel und Selbstgebasteltem stapelten sich bis unter die Decke.

 

 

War es nicht ungemein aufwendig, so viel selbst zu machen?

 

Ob man etwas als aufwendig oder nicht empfindet, hängt sicherlich immer von der eigenen Person ab. Ich bin generell ein kreativer und handwerklicher Mensch und habe zum Beispiel auch viele unserer Möbel zuhause selber gebaut, daher war zumindest schon mal die Grundlage da, so etwas überhaupt selbst zu machen. Mit der Papeterie war es ähnlich. Angefangen habe ich auf den Websiten der Kartengestalter, aber die Gestaltungsmöglichkeiten waren mir immer irgendwie zu eingeschränkt. Entweder gab es das Format nicht oder die verfügbaren Schriftarten haben mir nicht gefallen. Die Programme zum Layouten hatte ich, also habe ich dann einfach mal losgelegt. Wenn das Grundkonzept dann erst mal steht, ist es leichter, alles nur noch anzupassen und aus einer Einladung ein Programm oder eine Tischkarte zu gestalten. Ein bisschen aufpassen muss man immer dann, wenn in einem ein kleiner Perfektionist wohnt. Von den vierzig Fächern wird sicherlich nicht jeder genau gleich aussehen und man hält sich schnell mit zu vielen Details auf. Das Binden von kleinen Schleifen aus Satinband hat mich teilweise wirklich nahe an den Rand des Wahnsinns getrieben. 

 

 

Was hat Sie dazu bewogen, viele Dinge selbst zu basteln?

 

Ein Faktor ist der Preis. Sicherlich kann man einige der Dinge, die wir gebastelt und gebaut haben, auch kaufen oder mieten, aber gerade im Verleih von Vintage- oder rustikalen Dekorationen wie unseren alten Türen oder der Holzetageren sind teilweise hohe Mietgebühren fällig. Oft waren die gebastelten Dinge aber auch Kleinigkeiten, die es so gar nicht zu kaufen gegeben hätte. Die Schriftzüge für die Candybar, Toiletten und Co. waren zum Beispiel im Stil der chemischen Elemente, unser Sitzplan eine große Tafel, auf der wir die Sitzordnung wie das Periodensystem der Elemente dargestellt haben, unser Tortenbesteck basierte auf einem Tool aus unserer gemeinsamen Lieblingsserie »Doctor Who« und war so auch in Europa nicht zu kaufen - da mussten wir dann einfach selbst aktiv werden.

 

 

Ist alles gelungen und sind Sie mit dem Ergebnis Ihrer Bemühungen rundum zufrieden?

 

Kleine Abweichungen und Unperfektheiten gibt es immer, aber dafür sind die Dinge dann handgemacht. Daher bin ich vollkommen zufrieden. Das ein oder andere Mal habe ich mich dann doch mit dem Platz in der Location verschätzt und hätten wir alles - wirklich alles - was ich an Deko gebastelt und besorgt hatte, auch untergebracht, wäre sie sicherlich aus allen Nähten geplatzt und es hätte völlig überladen gewirkt. Da hat aber unsere liebe Hochzeitsplanerin einen wirklich guten Job gemacht, meine kreativen Ergüsse zu filtern und sie so zu arrangieren, dass von allem etwas über den Tag vorhanden war, aber es trotzdem ein ausgewogenes Bild ergeben hat. So hat sich dann auch die Deko über den Tag verändert. Einige Dinge wurden nur zur freien Trauung benötigt und wurden dann wieder weggeräumt, wie die Herzchen entlang des Mittelgangs, andere wurden dann erst im Laufe der Feier aufgestellt oder kamen zu gegebener Zeit zur Geltung wie die Foto-Lichterketten oder die leuchtenden Papierrosetten. Es macht dann auch einfach Spaß zu sehen, wie sich die Gäste auf Erkundungstour begeben und immer wieder eine neue Kleinigkeit für sich entdecken oder auf ein Gimmick, eine Andeutung oder ein Detail stoßen, das sie zum Lächeln bringt.

 

 

Würden Sie alles noch mal so machen oder nach der jetzigen Erfahrung nun doch etwas ändern?

 

Im Großen und Ganzen: Ja! Unsere Hochzeit war wunderschön und durch die individuelle Deko auch einfach sehr authentisch. Dazu kommt, dass die Bastelei einer der schönsten Teile der Vorbereitung für mich war. Wahrscheinlich würde ich aber noch mehr versuchen, mich auf einen Stil festzulegen und früher einen Schlussstrich zu ziehen, besonders was Interaktionen und Aufgaben für die Gäste angeht. Wir hatten am Ende ein Gästebuch, eine Fotobox und eine Mario Kart-Station im Keller, Sofortbildkameras, Musikwunschkarten und Fotoaufgaben. Die ganze Menge an Möglichkeiten hat dann den einen oder anderen doch etwas überfordert, so dass er gar nicht mitbekommen hat, dass es noch diesen oder jenen Punkt gab.

 

 

Verraten Sie uns eine DIY-Anleitung für eines der Dinge, die Sie selbst gemacht haben?

 

Für eine Sommerhochzeit am einfachsten und wirkungsvollsten sind sicherlich die Fächer. Dazu nimmt man einfach ein Blatt DIN A4 Karton, gerne mit buntem Muster bedruckt, faltet ihn einmal in der Mitte und bringt das Ganze durch abgerundete Kanten in Form, so dass es ein bisschen aussieht wie ein Eis am Stiel. Mit der Heißklebepistole kann man nun an der schmalen Seite unten einen Eisstiel (gut gehen auch Bastelstäbchen oder die Holzspatel vom Arzt) befestigen und beide Papierseiten flächig aufeinander kleben. Zur Verschönerung kann man am Übergang von Stiel und Fächer noch eine kleine Schleife mit einem Satinband anbringen.

 

 

Welchen Tipp haben Sie für Bräute, die auch planen, viel selbst zu gestalten?

 

Findet euren eigenen Stil und bleibt ihm treu! Es ist okay sich überall Inspiration zu holen, aber verliert euch nicht selbst darin. Etwas, was bei der kleinen Gartenhochzeit funktioniert, passt noch lange nicht zur pompösen Hochzeit im Schloss und umgekehrt - oder auch vielleicht einfach nicht zu euch selbst und eurem Bräutigam.

 

 

 

Dienstleister & Kontakte: 

Fotos: Tanja Wesel 

Weddingplannerin: Marissa Barth

 

 

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