Heiratsantrag

Heiraten für Männer

A wie Aussprechen

Kürzlich lief auf dem Sender ONE eine Doku mit dem Titel „Heiraten. Ja. Aber warum?“ (War zum Redaktionsschluss noch auf Youtube zu finden). Darin wurden drei Paare vorgestellt und interviewt: Eins heiratete gerade, eins hatte gerade sein zweites Kind bekommen und das dritte stand kurz vor der Goldenen Hochzeit. Die ganze Bandbreite dessen also, was so ein Jawort nach sich zieht. Sehr sehenswert!
Unter anderem ging es dabei um die Frage: Wenn man heutzutage auch ohne Trauschein zusammenleben kann, ohne dass man schräg angeschaut wird; und wenn andererseits der Trauschein unserer Entscheidung für ein Leben mit diesem anderen Menschen, in guten wie in schlechten Zeiten, eigentlich nichts hinzufügt – warum wollen wir trotzdem noch aufs Standesamt gehen und »Ja« sagen? Der zweiten Braut fiel dazu, nach einigem Überlegen, ein Spruch ein: »Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?«
Damit wollte sie natürlich nicht sagen, dass sie nicht so genau wusste, was sie tat, als sie zum Standesamt ging. Was sie, grob zusammengefasst, damit meinte, war: Etwas auszusprechen macht uns noch einmal bewusster, was wir denken oder fühlen – und was genau wir da sagen. Auch gibt es, zumal, wenn es vor Zeugen geschieht, dieser Sache noch einmal ein zusätzliches Gewicht, einen zusätzlichen Wert. Und in Zeiten des Zweifels, die in jeder Beziehung irgendwann einmal kommen, wollte sie zu sich selbst sagen können: »Das habe ich doch einmal versprochen!« Kommt hinzu: Mit der Besinnung auf das ausgesprochene Jawort erinnert man sich auch wieder, warum man es gegeben hat, nämlich weil man diesen Menschen liebt. Das mag keine wirklich zerrüttete Ehe retten, aber über unvermeidliche Krisen hinwegzukommen, dabei hilft es ganz bestimmt.
Wir Männer stehen ja in dem Ruf, keine großen Freunde des Aussprechens zu sein, insbesondere, wenn es um »Gefühliges« oder gar um Liebeserklärungen geht (mehr dazu in dem Beitrag »Liebe« auf unserer Website). Diese Eigenart soll so manche Frau schon in die Verzweiflung getrieben haben. Deshalb wurde es so eingerichtet, dass es im Leben eines jeden Mannes genau zwei Situationen gibt, in denen er um das Aussprechen nicht herumkommt: den Heiratsantrag und die Heirat. Wohlgemerkt: Beim Antrag kommt es nicht nur auf die Frage am Ende an, sondern in erster Linie auf die ausführliche, vorausgeschickte Begründung, warum Sie gerade dieser Frau diese Frage stellen. Also auf die Liebeserklärung, auf das Aussprechen dessen, was Ihr Herz bewegt. Und glauben Sie mir: Während Sie hören, was Sie sagen, werden Sie das, was Sie denken und fühlen, noch einmal viel besser verstehen.

Stephan Dohle