Männerkommunikation Frauenkommunikation

Heiraten für Männer

B wie Blickkontakt

Ich weiß nicht, wie genau Sie geplant haben, Ihr Jawort zu geben. Möchten Sie dabei lediglich die Frage des Standesbeamten oder Geistlichen: »Willst du die hier anwesende ....« mit einem einfachen »Ja« beantworten? Oder möchten Sie dem noch eine kleine Liebeserklärung folgen lassen, wie es immer mehr Brautpaare machen? Im ersten Fall ist das ganz easy: Sie schauen grob in Richtung des Fragenden und sagen »Ja«. Im zweiten Fall wird es für so manchen etwas anspruchsvoller, denn dann gilt es Blickkontakt zu halten. Sie sprechen dabei ja nicht über, sondern zu Ihrer Braut.
Für mich persönlich kam deshalb nur Variante Eins in Frage. Warum? Weil ich mich entweder auf das konzentrieren kann, was ich sagen möchte, oder auf die Augen meiner Liebsten. Versuche ich beides gleichzeitig, laufe ich Gefahr, den Faden zu verlieren und wirres Zeug zu reden. Und das wäre im Standesamt nicht so gut gekommen – bei keinem der Beteiligten.
Ich kann mich täuschen, aber ich habe den Eindruck, Frauen beherrschen diese Form von Multitasking tatsächlich besser als Männer. Achten Sie mal drauf: Wie oft nehmen Frauen in Gesprächen zwischendurch Blickkontakt auf und wie oft Männer? Wie oft sprechen Frauen Sätze gar nicht erst zuende und verstehen sich untereinander trotzdem problemlos?
Mir jedenfalls drängt sich der Verdacht auf: Für Frauen findet die eigentliche Kommunikation nicht über das gesprochene Wort, sondern in der Hauptsache über das, was im Gesicht des anderen passiert, durch Gedankenlesen also, statt. Was natürlich viel effektiver ist, als erst lange abzuwarten, was der andere antworten könnte. Allerdings setzt das voraus, dass im Gesicht des Gesprächspartners auch tatsächlich etwas passiert. Männern aber eilt der Ruf voraus, aus ihrem Herzen eine Blackbox zu machen, der man außen nicht ansehen kann, was drinnen vor sich geht. Derart um ihre wichtigste Kommunikationsmöglichkeit gebrachte Frauen können dann gar nicht anders als die von Männern so geschätzte Frage »Was denkst du gerade?« zu stellen. Das ist nicht weiblich-übergriffige Neugier, sondern echte Verzweiflung.
Dem Bräutigam aber, der gerade aus seiner Blackbox heraus in Worte zu fassen versucht, was ihn an seiner Braut so umhaut, wird das kaum gelingen, ohne eine Miene dabei zu verziehen. Mindestens seine verzweifelten Versuche, seine Gesichtszüge (und die Tränenproduktion) unter Kontrolle zu halten, wird man dabei sehr genau beobachten können.
Und deshalb ist es überhaupt kein Problem, wenn er sich bei seiner Liebeserklärung zum Jawort verhaspelt, ins Stocken gerät oder gar wirres Zeug redet: Die Braut hat ja alles, was sie wissen will, schon längst in seinen Augen gelesen.               


Stephan Dohle