Brautkleid-Schock. Heiraten für Männer

Heiraten für Männer

B wie Brautkleidschock

So ein Brautkleid kann für Männer ein richtiger Schock sein: Besser, man ist vorbereitet.


Es ist eines der größten Tabus in der Vorhochzeit-Zeit: Der Bräutigam darf das Brautkleid nicht sehen. Nicht bevor der Morgen des großen Tages da ist und man sich gemeinsam auf den Weg zur Kirche macht. Manche sind noch strenger: Da müssen Sie als Bräutigam schon vorher am Altar stehen und sehen das Kleid zum ersten Mal, wenn die Braut am Arm ihres Vaters den Gang herauf schreitet. Und geben wir es zu: Manche Männer haben vor diesem Augenblick ein bisschen Bammel. Denn wer vorher clever oder zumindest neugierig genug war, mal ein paar Blicke in die HOCHZEIT zu werfen, der weiß: So eine Braut sieht komplett anders aus als die Frau, wie man sie noch vom Vortag in Erinnerung hatte. Nicht, dass Sie sie nicht erkennen würden. Da kann nichts passieren, weil es ja nur die eine Braut in der Kirche gibt. Es muss also die Ihre sein, auch wenn Sie‘s im ersten Moment nicht glauben mögen. Nein, die Sorge und die Frage, die verantwortungsbewusste Bräutigame vor diesem Augenblick umtreibt ist: »Werde ich das ‚Toll siehst du aus!‘ wirklich überzeugend rüberbringen?« Denn dieser Satz gehört zum Pflichtprogramm. Fällt er nicht, dürfte es im Laufe des Tages ein paar Rügen geben. Aber er muss eben auch glaubhaft und wie spontan verlautbart werden, vielleicht mit ein paar (echten) Tränenansätzen im Auge. Wem‘s die Sprache komplett verschlagen hat, der darf sich auch mit einem »Wow!« begnügen.
Aber was, wenn Sie mit so viel Taft und Tüll, mit so viel Rüschen und Volants, kurz: mit so viel Anderssein nicht gerechnet hatten? Wenn Sie gar nicht zu sagen wüssten, ob Ihnen das gefällt oder nicht – eher aber nicht? Wenn Ihnen als einziger Gedanke in diesem wichtigen Augenblick tatsächlich nur ein »Das habe ich so nicht gewollt!« durch den verwirrten Kopf geht? Nun, wenn das wirklich passieren sollte, dann müssen Sie die Schuld dafür bei sich selbst suchen. Denn dann haben Sie sich offensichtlich mit dem Thema Hochzeit nicht hinreichend beschäftigt. Denn Sie mögen sich zwar nicht in eine Prinzessin verliebt haben und werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch in der Ehe nicht mit einer zusammenleben – aber heiraten werden Sie eine Prinzessin. Das ist so etwas wie ein Naturgesetz. Es mag Ausnahmen von dieser Regel geben, aber die sind sehr viel seltener als Bräutigame, die glauben, ihre Braut wäre eine solche Ausnahme. Warum das so ist, darauf brauchen wir hier nicht näher einzugehen. Wer dazu Genaueres erfahren möchte, der lese sich den Beitrag »X wie X-Chromosom« durch. Wichtig ist allein, dass Sie nicht unvorbereitet in diese Situation gehen.
»Aber wie«, fragen Sie sich vielleicht, »soll man sich auf eine so unerwartete Verwandlung vorbereiten? Wie darauf, dass einem in der Kirche jemand ganz anderes entgegenzukommen scheint, als die, die man auf Knien um das Jawort gebeten hat?«
Die Antwort ist einfach: Lesen Sie in der HOCHZEIT nicht immer nur diese Männer-Kolumne sondern auch »Anis Welt«. Dann käme diese Verwandlung für Sie nicht unerwartet. Blättern Sie vor allen Dingen aber durch den Modeteil. Was Sie dort sehen, wird Ihnen anfangs zwar sehr fremdartig, ja geradezu unglaublich erscheinen, aber mit der Zeit legt sich das, das dürfen Sie mir glauben. Irgendwann werden Sie sogar einen Blick für die feinen Unterschiede zwischen den Kleidern bekommen. Und noch etwas später wird ihnen das eine oder andere sogar gefallen und Sie können sich Ihre Braut sehr gut darin vorstellen. Wenn Sie dieses Lernstadium glücklich erreicht haben, müssen Sie nur noch herausfinden, was Ihrer Braut vorschwebt. Führen Sie Ihre Braut also wie zufällig an Brautmodengeschäften vorbei und beobachten Sie, an welcher Schaufensterstelle sie hängen bleibt. Oder versuchen Sie sich die Seiten der HOCHZEIT zu merken, die nicht sofort überblättert werden. Ganz Mutige zetteln eine kleine Brautfashion-Fachsimpelei an, um herauszufinden, wohin die Brautkleidreise geht. Aber das ist wirklich nur etwas für Fortgeschrittene.       

Stephan Dohle