Heiraten für Männer

B wie Das Beste im Mann

Ich wollte erstmal nichts mehr von Männern wissen.
So oder ähnlich beginnen viele der Kennenlerngeschichten, die wir von unseren Leserinnen zugeschickt bekommen. Wir Männer scheinen für Frauen großes Enttäuschungspotenzial zu haben. Das hat auch die Werbeindustrie bemerkt: So änderte Gillette seinen Slogan »The best men can get« (die deutsche Übertragung »Für das Beste im Mann« habe ich nie richtig verstanden) in »The best men can be« und propagierte in einem Werbespot neue Männerrollenbilder jenseits von Grillen und Grapschen. Der Shitstorm von männlicher Seite war kalkuliert und ließ nicht lange auf sich warten. Plötzlich diskutierte die halbe Welt über einen Werbespot und wie Männer so sind. Nämlich dumm, grob, unsensibel und hässlich, wie ein Werbevideo von EDEKA zum Muttertag (»Danke, dass du nicht Papa bist«) nahelegt, mit dem die Macher wohl gern einen ähnlichen viralen Effekt erzielt hätten.

Der nordamerikanische Psychologenverband APA diagnostizierte traditionelle Männerrollenbilder als ursächlich für viele psychische Probleme von Männern, woraufhin Feministinnen den Begriff gesellschaftsgefährdender »toxischer Männlichkeit« in die Diskussion warfen. Gleichzeitig schrieben sich angry young women unter dem Hashtag »Menaretrash« (Männer sind Müll) ihren Männerhass von der Seele. Wie immer man das im Einzelnen sehen mag: Es scheint, als hätten Frauen mit Männern ein echtes Problem.
Nun ist diese Kolumne nicht der Ort, um in diese manchmal überhitzte, immer aber komplizierte Diskussion einzugreifen. Nur soviel: Der Rasierklingenhersteller hat sich mit seinem Spot richtig clever ins Gespräch gebracht, wohl wissend auch, dass seine Zielgruppe nicht toxische Männer sind, sondern die Frauen, die immer noch überwiegend den Einkauf – auch von Rasierzeug – erledigen; das Video der Lebensmittelkette zeigt eher eine alberne Karikatur von Vätern und eine Pauschalbehauptung wie »Men are trash« tut, nun ja, ein bisschen weh.

Diese Kolumne ist aber der Ort, um Männern, die sich nicht als Müll betrachten, ein wenig den Rücken zu stärken: Die Leserinnen, die »erstmal nichts mehr von Männern wissen« wollten, schreiben uns, weil sie eben doch den Mann fürs Leben gefunden haben und ihn sogar heiraten wollen. 400.000 Mal im Jahr sagen Frauen in Deutschland Ja zu Männern. Aus Liebe. Weil sie sie toll finden. Weil sie etwas anderes in ihnen sehen als ein Problem. Nämlich richtig gute Partner, mit denen sie ihr Leben verbringen möchten.

Und letztlich gilt: Das Beste im Mann können sowieso nur die Frauen aus ihm herauskitzeln. Und ich vermute stark, umgekehrt gilt dasselbe.

Stephan Dohle