Heiraten für Männer: C wie Chaos

Heiraten für Männer

C wie Chaos

Wissen Sie, was das Wort »Chaos« ursprünglich bedeutet? Die alten Griechen bezeichneten damit den unendlich leeren Raum, die gestaltlose Urmasse am Anfang aller Dinge. Damit ist auch sehr schön umschrieben, was Sie zu Beginn jeder Hochzeitsplanung erwartet.

Dabei könnte doch alles so einfach sein: »Wir geben den wichtigsten Familienmitgliedern und den besten Freunden Bescheid, machen einen Termin auf dem Standesamt und lassen in einem netten Restaurant den Champagner in Strömen fließen - fertig ist das Hochzeitsfest.« So denken Männer. Nicht aber Frauen. Und schon gar nicht Bräute.
Die bekommen nämlich bei bevorstehender Hochzeit oft eine Art Flashback in die Kindheit: Plötzlich sitzen sie - gefühlt - wieder als kleines Mädchen auf ihrer Schaukel und träumen den Prinzessinnentraum. Und der ist so etwas wie die eingangs erwähnte »gestaltlose Urmasse«, aus der es gilt, eine traumhafte aber doch reale Feier zu kneten. Am Anfang steht also auch hier ein Chaos, aber ein ungeheuer kreatives, aus dem ein wahres Feuerwerk an Festideen entspringt. Da dürfen Sie nicht einfach nur staunend daneben stehen, sondern es gilt: Drei Dinge braucht der Bräutigam: Charakter, Charme und Checkerqualitäten. Nicht in der Reihenfolge sondern alles gleichzeitig.
Vermutlich werden in Ihrer Welt plötzlich sehr viele Dinge auftauchen, die »sooo süüüß« oder »sooo romantisch« sind. Wie viele, das hängt natürlich davon ab, wie nah am Kitsch Ihre Liebste gebaut hat. Vielleicht kommen Sie auch mit einem blauen Auge davon und Sie müssen nur jeden zweiten Tag ein neues Deko-Element nach Farbe und Gestaltung beurteilen. Da heißt es Charakter zu beweisen und diese Dinge zumindest »ganz hübsch« zu finden statt Ihre Liebste für verrückt zu halten, bloß weil sie manchmal ein bisschen entrückt guckt beim Anblick von Teelichten in Herzform.
Dann könnte es sein, dass verstärkt Schwiegermütter, Brautjungfern und ähnliche Frauen in wichtiger Mission in Ihrer gemeinsamen Wohnung auftauchen. Die kommen zwar in  ers­ter Linie, um mit der Braut in die Zukunftswelt des Hochzeitstages abzutauchen, werden aber immer auch mal prüfende Seitenblicke auf Sie werfen. Immerhin spielen Sie bei diesem Event ja auch eine gewisse Rolle. Und um den Mädels nicht die Vorfreude zu verderben oder sogar Zweifel zu wecken, sollten Sie Ihren gesamten Charme spielen lassen - und sei es in Form eines kühl und unaufgefordert servierten Gläschens Prosecco. Üben Sie sich dabei schon mal in der Kunst des Bezauberns und der Gentleman-Rolle, denn spätestens am Tag des Jaworts selbst müssen Sie darin sowieso topfit sein.
Sie werden in den nächsten Monaten auch mit sehr vielen - Ihrer bescheidenen Auffassung nach - diffusen Vorstellungen und »Ungefähr-so-Ideen« konfrontiert werden. Da müssen Sie Checkerqualitäten beweisen, denn es gilt zu begreifen, was konkret gemeint sein könnte. Außerdem ist es Ihr Job, abzuklären, wie man dieses Ungefähre in echte Locations, Abläufe, Termine, Aufträge an Dienstleister etc. umsetzen kann. Am besten führen Sie Checklisten, um Ihre Traumverwirklichungsarbeit im Griff zu behalten und Ihrer Traumbraut bei der Umwandlung des Chaos in ein real existierendes Hochzeitsfest wirklich eine Hilfe zu sein.
Denn dann kann am Ende der Champagner in Strömen fließen, wie Sie das ja von Anfang an vorgeschlagen haben.

Stephan Dohle