Heiraten für Männer: D wie Dekomaus

Heiraten für Männer

D wie Dekomaus

Je näher die Hochzeit rückt, desto mehr wird sich Ihre Braut in eine Dekomaus verwandeln. Und zur Deko gehören Blumen, ganz viele. Deshalb erzähle ich Ihnen diesmal was von der Sprache der Blumen. Damit Sie das mit der Deko nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Sprechen Sie die Sprache von Nelken und Narzissen, von Flieder und Forsythie? Ich meine jetzt nicht diese Dinge, die man ursprünglich einmal mit »durch die Blume sagen« gemeint hat. Also dass etwa eine rote Rose »Ich liebe dich« bedeutet, eine korallenrote dagegen »Ich will mit dir schlafen«. Diese feinen Unterscheidungen versteht heute eh kaum noch jemand. Auch die Frauen nicht.
Nein, Blumen sprechen auf andere Weise mit Frauen.
(Viele Frauen übrigens auch mit Blumen, um an dieser Stelle eine kleine Klammer aufzumachen: Sie glauben daran, dass die Pflanzen dann besser gedeihen. Das ist zwar nicht erwiesen, aber besser, Sie glauben auch daran. Dann lässt sich nämlich viel einfacher erklären, warum unter dem Geplauder Ihrer Pflanzenflüs­terin auch der verdorrteste Ficus wieder Knospen treibt.)
Wenn Gänseblümchen, Gerbera und Co. Frauen was zu erzählen haben, dann tun sie das  - ohne langen Umweg über den Kopf - direkt ins Herz. »Wie soll das denn gehen?«, fragt Mann sich da. Nun, wenn bei Ihnen in der Wohnung Blumen stehen, dann denken Sie vielleicht: »Schön bunt«. Ansonsten herrscht zwischen Ihnen und den Pflanzen vermutlich Funkstille. Ganz anders bei Ihrer Liebsten: Da geht unter Umständen ganz schön die Post ab. Da zwitschert vielleicht ein Gänseblümchen fröhlich »Ich bin so klein, mein Herz ist rein« vor sich hin oder fragt: »Weißt du noch, damals als Kind hast du immer Armreife aus mir gemacht?« Sonnenblumen rufen herrisch: »Es werde Licht!«, und es wird Licht, Nelken flüs­tern schüchtern: »Friedhof«, die Papageienblume zetert ganz aufgeregt: »Es brennt, es brennt!«, während die Gerbera-Gang gemeinsam ein selbst erfundenes Liedchen intoniert, sowas wie: »Sommerzeit - buntes Kleid«. Daneben strotzt und protzt die Amaryllis, dass man die Angeberei kaum noch »hören« mag und sie ins hinterste Eck stellt, während die kleinen Sonnenhüte immerzu »Juppidu« rufen, im Chor natürlich. Das alles in Ihrem Wohnzimmer! Sie aber kriegen überhaupt nichts mit von dieser Parallelwelt!
Und weil Blumen wissen, dass jede Frau anders ist, flüstern sie auch jeder etwas anderes ins Herz. Deshalb können Sie, wenn Sie Ihrer Liebsten einen bunten Strauß mitbringen, nie ganz sicher sein, ob Sie ihr damit wirklich eine Freude machen, oder ob Sie ihr etwa einen Störenfried und Launeverderber ins Haus tragen. Das müssen Sie durch genaues Beobachten herausfinden: Stellt sie ihn direkt neben sich und schaut ihn den Rest des Abends mit strahlenden Augen an? Oder trägt sie ihn in einen selten genutzten Raum, weil der »auch was Buntes gebrauchen kann«?
Warum ich Ihnen das alles erzähle? Weil ich Sie warnen will davor, wie sehr Ihre Liebste sich, je näher die Hochzeit rückt, in eine Dekomaus verwandeln wird, die die Frage, welche Blumen im Festsaal, in der Kirche, auf dem Auto, im Standesamt »mitreden« dürfen, sehr ernst und sehr genau nimmt. Und damit Sie bis dahin versuchen, ein bisschen Blumisch zu lernen. Das ist zwar nicht so einfach, aber es lohnt sich auf jeden Fall, denn es ist ein direkter Weg zum Herzen Ihrer Liebsten.

Stephan Dohle