Heiraten für Männer: F wie Firlefanz

Heiraten für Männer

F wie Firlefanz

Nicht alles, was wir Männer nicht zu brauchen glauben, ist auch wirklich überflüssiger Firlefanz. Ein Aufruf zur Vorsicht.

Es ist ein ganz normaler Tag. Das Hochzeitsdatum liegt, aus Ihrer Sicht, noch in relativ weiter Ferne. Sie lesen Ihr Computermagazin, während der schönste Glücksgriff Ihres Lebens sich für heute Abend eine Komplizin (beste Freundin, große Schwester, Mutter) ins Haus geholt hat, um in der HOCHZEIT nach Inspirationen zu fahnden. Da geht's um Dinge wie: »Was hältst du von einem Diadem? Ach, ich weiß nicht. Lieber Curlies. Oder einen Haarreif. Aber Schleier auf jeden Fall. Meinst du? Klar. Aber nur so hinten rum, nicht übers Gesicht. Doch, doch, auf jeden Fall. Schau mal, diese Handschuhe hier: Toll! Und wie soll er dir da den Ring anstecken? Dann eben welche ohne Finger ...«
Und hin und wieder zwischendurch, meist nach einer kurzen, wortlosen Phase, in der nur das Umblättern von Seiten zu hören ist, ein plötzliches: »Oooh, ist das süüüß!«, in einer Alarm-Stimmlage, bei der Sie jedesmal eine kurze Panikattacke bekommen, weil Sie denken, es sei irgendetwas Schreckliches passiert.
Und es beschleicht Sie das Gefühl, als seien diese Frauen irgendwie in ein Paralleluniversum versetzt worden: Sie sehen sie, Sie hören sie, Sie könnten sie sogar anfassen, aber Sie begreifen überhaupt nicht, was genau dort geschieht. Vermutlich ist Ihnen bei solchen Gelegenheiten in Gedanken auch schon mal ein Seufzer entfahren: »Was für ein Aufwand! Was für ein Chichi! Was für ein Firlefanz!«
Aber Vorsicht: Bei Paralleluniversen weiß man nie, ob wirklich die anderen oder ob man nicht vielmehr selbst drin sitzt, in der irgendwie falschen, in der aus der Normalität gefallenen Welt. Das ist nämlich sehr relativ, wie wir seit Einstein alle wissen sollten. Deshalb wollen wir hier mal zusammen klären, was das eigentlich ist, was Sie so leichtsinnig als Firlefanz bezeichnen.
Es handelt sich nämlich um so genannte Accessoires. Das spricht der frankophile Kenner korrekt »Akssässua« aus, bringt sich damit aber in Gefahr, ein wenig affektiert zu wirken, weil die Allermeisten es halt nicht ganz so richtig »Assässua« aussprechen. Ihre Entscheidung. Bedeuten tut das so viel wie »zusätzlich, nebensächlich, modisches Beiwerk, Zubehör«. »Genau«, werden Sie jetzt vielleicht sagen, »Firlefanz halt«. Doch langsam: Ich bin auch ein Mann und gebe zu, ich habe in diesem Magazin des öfteren Accessoires gesehen, bei denen ich dachte: »Na ja.« Vorsichtig formuliert. Aber immer wieder sehe ich auch welche, deren Funktion ich, würde man sie mir kommentarlos in die Hand drücken, nicht mal ansatzweise erahnen würde. Doch im Einsatz, also an Braut dran: Wahnsinn! Genial! Da kann man nicht mehr weggucken!
Und zweitens: Bloß, weil man das Wort Accessoire selten aus einem Männermund hört, heißt das noch lange nicht, dass es sich bei der Sache um ein reines Frauending handelt. Haben Sie für die Disco auch schon mal so einen Hut aufgesetzt wie Peter Doherty? Binden Sie für Kundentermine eine Krawatte um? Ganz klar Accessoires! Tragen Sie eine Uhr, auf der Sie außer der Zeit auch die Mondphasen, den Luftdruck, die Höhe über Normalnull ablesen und die Zeit von Zuhause bis zur Arbeit exakt stoppen können? Männerspielzeug! Können Sie sich Ihr Auto ohne Zierleisten und Radkappen vorstellen? Und? Wozu dienen die? Genau: Reine Accessoires. Völliger Firlefanz. Haben Sie für den Hochzeitstag vielleicht das schicke Cabrio gemietet, das Sie schon immer mal fahren wollten oder sogar eine Stretchlimousine gebucht? Firlefanz in seiner reinsten Form! Aber wunderschön. Unverzichtbar.
Also: Am besten streichen Sie den Begriff »Firlefanz« einfach aus Ihrem Wortschatz. Er könnte gegen Sie verwendet werden.
Stephan Dohle