Heiraten für Männer: G wie Gentleman

Heiraten für Männer

G wie Gentleman

Edel sei der Bräutigam, hilfreich und gut! Mit diesem leicht abgewandelten Goethezitat soll hier einmal geklärt werden, was eigentlich ein Gentleman ist.

Der Dichterfürst richtete seine Aufforderung natürlich nicht an den Bräutigam im Speziellen, sondern an den Menschen im Allgemeinen, an Männer wie Frauen gleichermaßen. Aber vielleicht haben Sie es schon bemerkt: Im Zusammenhang mit dem »schöns­ten Tag im Leben einer Frau« hört jede Gleichberechtigung auf. Hochzeiten sind emanzipationsfreie Zonen. Hier wird für einmal im Leben auf alte Rollenbilder zurückgegriffen. Und das heißt: Die Braut ist Prinzessin – und Sie sind der zugehörige Gentleman, dem ihre Wünsche, auch und insbesondere die unausgesprochenen, Befehl sind. Die hierarchischen Verhältnisse am Tag des Jaworts sind also ganz klar geregelt.
Was aber ist ein Gentleman?
Ursprünglich bedeutete das »gentle« in »gentleman«, dass es sich hier um einen Mann von Herkunft, also um einen Adligen oder Edelmann (was dasselbe ist) handelte. Dafür hatten die Engländer aber auch immer schon das Wort »nobleman«, was die Sache genauer traf. Der Begriff Gentleman war also in gewisser Hinsicht noch frei – und entsprechend viele Meinungen gab es durch die Jahrhunderte, was das denn nun sei. Gebildete meinten, man müsse dafür in Cambridge studiert haben. Tiefer gehendes Wissen, sagten darauf die reichen Erben, brauche man lediglich, wenn man damit seinen Lebensunterhalt verdienen wolle – und wer für sein Geld selber arbeiten müsse, könne ja wohl kein Gentleman sein. Nicht die soziale Stellung sondern der Charakter allein mache den Unterschied, hieß es bei den niedrigen Rängen. Demut und Keuschheit tauchten als Kriterien auf, aber auch Freigebigkeit, Ehrlichkeit, Selbstbeherrschung, Hilfsbereitschaft. Kurz: So genau wusste man es nicht, und weiß es auch bis heute nicht. Manche behaupten sogar, von all diesen löblichen Eigenschaften eines Gentleman sei nur noch übrig geblieben, dass einer gute Manieren gegenüber Damen zeige. Auch ein Blick ins Wörterbuch hilft nicht weiter: Unter »gentle« hat sich vom ursprünglichen Sinn zwar noch die Bedeutung »vornehm« gerettet, ansonsten aber steht da: »behutsam, leise, sanft(mütig), zart«, ja sogar »zahm«. Wir wollen hier einmal ausschließen, dass Letzteres gemeint ist, wenn sich unsere Ladys einen »gentle man« an ihrer Seite wünschen. Stattdessen werden wir versuchen, dem Begriff mit Hilfe von Goethes Worten einen Sinn zu geben.
Seien Sie edel! Tragen Sie nicht nur ein edles Outfit, seien Sie auch sonst etwas Besonderes und Kostbares: freundlich und verbindlich zu jedem wie ein echter Mann von Welt. Perfekt in den Umgangsformen. Souverän und trotzdem entspannt. Gut aussehend. Zuvorkommend. Stilvoll. Auf gelassene Art Herr jeder Lage auch bei Pannen. An diesem Tag soll jeder weibliche Gast  bei sich denken: »O Mann, warum hab’ ich mir den nicht geschnappt?«
Seien Sie hilfreich! Man kann es nicht anders sagen: Eine Frau im Brautkleid mit Schleppe, Schleier und vielleicht ungewohnten Stöckelschuhen muss  - bei allem Respekt - eindeutig als behindert angesehen werden. Der Mann an ihrer Seite zu sein ist an diesem Tag deshalb wörtlich zu nehmen – und zwar auf Schritt und Tritt. Reichen Sie ihr eine helfende Hand, beseitigen Sie jeden potentiellen Stolperstein schon im Vorfeld, erfüllen Sie ihr jede Bitte.
Seien Sie gut! Das klingt ein wenig schwammig, was daran liegt, dass es sich hier um eine Art Joker handelt. An dieser Stelle darf nämlich die Braut festlegen, wie sie sich sonst noch ihren ganz persönlichen Gentleman vorstellt. Sie müssen das dann nur noch perfekt umsetzen. Im Grunde also ganz einfach!

Stephan Dohle