Heiraten für Männer

G wie Glücksbringer

Kennen Sie das? Sie sind mit irgendwas in der Küche beschäftigt, da hören Sie, wie die Wohnungstür aufgeht. Und plötzlich haben Sie das Gefühl, als sei es ein bis zwei Grad wärmer geworden, als würde die Neonleuchte überm Herd weniger kalt strahlen, als würden Sie die Zwiebel nicht schneiden, weil sie geschnitten werden muss, sondern weil Sie es gerne tun. Alles ist auf einmal einen Tick schöner und macht mehr Sinn. Kurz: Sie sind spürbar glücklicher.

Was ist passiert? Ganz einfach: Gerade ist Ihr persönlicher Glücksbringer zur Tür hereingekommen, die Frau, die Sie bald heiraten werden und die Sie aus genau diesem Grund heiraten wollen: weil sie das Leben schöner macht und ihm einen Sinn gibt.


Ich will Ihnen Ihre Zukunft aber nicht in allzu rosaroten Farben malen: Es wird sicher auch oft genug geschehen, da kommt Ihre Liebste nach Hause und es wird Winter in der Wohnung – und zwar einer von der harten Sorte.
Bis heute hat man noch nicht hinreichend erklären können, warum Frauen diese Kunst des Wettermachens beherrschen. Aber bevor wir ihnen hier übersinnliche Zauberkräfte zutrauen, kann ich Ihnen folgendes verraten: Ich habe mir nämlich sagen lassen, dass Frauen mit Männern ähnlich Magisches erleben – und es sich auch nicht richtig erklären können. Auch für Frauen kann zu jeder Tageszeit die Sonne aufgehen, wenn wir auftauchen. Auch wir sind Glücksbringer – und manchmal leider Wintermacher. Und für beide, Männer und Frauen, gilt: Das Glück, das der andere bringt, muss man festhalten. Das kann man sogar im wortwörtlichen Sinne tun, indem man den anderen immer wieder mal richtig fest an sich drückt. Die dabei ausgetauschte Glücksmenge reicht oft für Tage. Was nicht heißen soll, dass man so lange bis zum nächsten Knuddeltermin warten sollte.

 

Den Frauen allerdings ist es vorbehalten, zumindest einmal im Leben einen wirklichen Superauftritt als Glücksbringerin zu haben und den auch noch so richtig in Szene setzen zu dürfen. Dann nämlich, wenn wir als Bräutigam vorm Standesamt oder am Altar auf die Braut warten. Denn wer als Mann ein einigermaßen realistisches Bild von sich selbst hat, dem jagen in diesen Minuten tausend nachvollziehbare Gründe durch den Kopf, warum die Braut es sich in letzter Sekunde doch noch anders überlegen könnte. In dieser Zeit steht die Welt für uns auf der Kippe: Wird sie Glückshimmel oder Jammertal?

Man kann Bräute nur immer wieder bitten, diesen Moment nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Denn was für sie zur Dramaturgie ihres Auftritts gehören mag, fühlt sich in uns Männern überhaupt nicht lustig an. Konzentriert euch lieber aufs Glück bringen, liebe Bräute. Tun wir auch.
Stephan Dohle