Heiraten für Männer

G wie Groomzilla

Von so genannten Bridezillas hat inzwischen sicher jeder schon einmal gehört. Wenn nicht, dann gehen Sie auf unsere Website: Unter »Heiraten für Männer/ I wie Identitätskrise« ist genau erklärt, was man sich darunter vorzustellen hat. Vielleicht sind Sie ja ein betroffener Bräutigam und haben nur noch kein Wort dafür, was Ihnen gerade mit Ihrer nicht wiederzuerkennenden Braut widerfährt.
Ich habe mich natürlich gefragt, ob es so etwas wie eine Bridezilla auch in männlich gibt, einen Groomzilla also; einen Bräutigam, der sich den Public Viewing-Raum im Hotel nicht ausreden lässt, weil am Hochzeitstag ein Champions-League-Spiel läuft; jemand, der alles bis ins kleinste Detail durchplant und hysterische Anfälle bekommt, wenn etwas nicht genau in seinem Sinne läuft; der jede Blumensorte festlegt, über jede Farbnuance in der Deko bestimmen möchte und schwerst beleidigt ist, wenn er beim Brautkleidkauf nicht dabei sein darf. Kurz: jemand, der sich nicht nur in die ureigenste Domäne der Braut einzumischen, sondern sie zu übernehmen versucht.
Dazu muss man zuerst einmal festhalten: Ein Bräutigam ist per definitionem ein Mann mit Zukunftsplänen – selbstmörderische Absichten wird man ihm kaum unterstellen dürfen. Höchstens Unwissenheit darüber, dass ein solches Verhalten selbst in der sanftesten Braut die Bridezilla und ernsthafte Mordgelüste wecken würde. Und wie eine Hochzeitsplanung aussieht, wenn dabei Bride- gegen Groomzilla antritt, möchten wir uns gar nicht erst vorstellen. Zum Glück sind wir Männer nicht so dumm, eine solche Schlacht zu provozieren.
Tatsächlich hört man im wirklichen Leben selten Bräute klagen, der Bräutigam werde in der Hochzeitsplanung übergriffig und mische sich, seine Kompetenzen deutlich überschreitend, ein. Das Gegenteil kommt häufiger vor: Dass wir Männer den Frauen hierbei, ganz Gentlemen, das Feld weitgehend überlassen, wird als Desinteresse gedeutet und beklagt und rückt uns in den schweren Verdacht, die Hochzeit bedeute uns nichts. Was wiederum ganz nahe an »Du liebst mich nicht« kommt.
Also doch einmischen? Ja, aber vorsichtig und ohne übertriebene Erwartungen. Denn wenn die Braut Sie zum Beispiel fragt, welche Blumen Sie für die Tischdeko vorschlagen, dann sieht sie dabei vor ihrem geistigen Auge längst einen in das zarte Leuchten von rosa Pfingstrosen (zum Beispiel) getauchten Festsaal. Bei solchen Themen, so erzählte mir eine Hochzeitsplanerin, geht es der Braut nicht so sehr um die Meinung des Bräutigams, sondern darum, in ihrer längst getroffenen Entscheidung bestätigt zu werden. »Gelbe Gerbera« ist dann schlicht die falsche Antwort, und wenn das tausendmal Ihre Lieblingsblumen sind.
Bestehen Sie in solchen Fällen darauf, Multiple-Choice-Fragen gestellt zu bekommen (»Was steht denn zur Auswahl?«). Das erhöht Ihre Chance, die richtige Antwort zu erraten.
Bei Fragen zum »Stundenplan« des Tages, der Kostenkalkulation, zum Essen und Trinken sind dann allerdings wieder Ihr ernsthaftes Engagement und Ihre ehrliche Meinung gefragt.


Stephan Dohle