Hochzeitsimpressionen

Sarah & Jörn

Vier Meter Liebe

Sie misst 193 Zentimeter, er 201 – ohne Schuhe. Zusammen kommen Sarah und Jörn also auf fast vier Meter Körpergröße. Klar, dass auch ihre Hochzeit ein gigantischer Tag sein sollte. Und so war es auch - wenngleich so viel »Größe« schon bei der Vorbereitung vor »große« Herausforderungen stellte. Davon - und natürlich von der Trauung selbst - erzählt die Braut in diesem Beitrag.

 

Kleidergröße XL. Schuhgröße 44. Dass meine Shoppinglaune mit diesen Eckdaten schnell verpufft, kenne ich bereits. Das Hochzeitsoutfit zusammenzustellen, sollte aber doch kein frustrierendes Erlebnis sein, oder? Rein ins Kleid, Prinzessinnen-Feeling an. So war der Plan, in der Theorie. Dass es auch in der Praxis so einfach klappen würde, hätte ich nicht vermutet. Gemeinsam mit meiner Trauzeugin Mandy und weiteren Freundinnen fuhr ich in ein großes Brautmodenzentrum. Bereits bei der Vereinbarung des Termins kündigte ich an, dass das mit dem »von der Stange Probieren« schwierig werden könnte. Kein Problem, versicherte man mir. Jede Braut müsse ihr Kleid kürzen lassen – bei mir wäre das dann eben nicht nötig, umso besser. Schon als ich mich ins erste Kleid zwängen ließ, erlebte ich die etwa zehn Zentimeter zu kurze Ernüchterung. Die Hüfte saß bei mir auf der Brust, das Kleid fiel bis zum Schienbein. Ich fühlte mich wie ein ins Seidenkleid gezwungenes Kommunionmädchen, das eigentlich viel lieber Latzhose tragen würde. Ein langes Spitzenkleid, das eine 1,70 Meter große Braut sicherlich wie Grace Kelly hätte strahlen lassen, erinnerte in meiner Länge mehr an Gardinen einer Seniorenwohnung. Uff. Und jetzt? Bevor ich mich in mein Gespenst-im-weißen-Nachthemd-Trauma hineinsteigern konnte, zauberte die Verkäuferin ein Ass aus ihrem XS-Ärmel: Es könne auch ein Kleid extra für mich bestellt werden! Schon begannen meine Augen zu leuchten. Ich entschied mich im ersten Griff für ein A-Linien-Modell im Prinzessinnenstil, unten breit ausgestellt, mit Schleppe und fünf Lagen Tüll, Seide und Stoff. Ohne Glitzer. Ohne Verzierungen. Ohne XL-Gardinen-Spitze. Mein Kleid und gar nicht mehr gespenstisch.

Mit den Schuhen war es noch einfacher. Viel zu oft hatte ich gehört, dass Bräute und auch ihre Männer ihre edlen Schuhe nie wieder anziehen. Dass schicke Pumps, wie die Erinnerung an eine bessere Zeit, im Schuh-Archiv verschwinden. Unsere sollten uns hingegen durch unser neues Leben tragen und uns weiter begleiten. Nach einiger Überlegung entschieden wir uns (gegen so manchen Ratschlag) für bordeauxrote Chucks. Höher geschnittene für Jörn, flache für mich. Als verspieltes Accessoire kombinierte ich dazu Rüschensöckchen. Unser Augenzwinkern zum Fest-Outfit.

Mein Outfit »stand« also. Und auch die Location: Wir entschieden uns für ein wunderschönes, bezauberndes Barock-Schloss. Wir hatten uns eine Ambiente-Trauung gewünscht und am Schloss Nordkirchen, das als das »westfälische Versailles« bekannt ist, befindet sich das Standesamt im sogenannten »Hochzeitstürmchen«, dessen Vorplatz mit Wiese ganz alleine der Traugesellschaft vorbehalten ist. So hatten wir unseren eigenen, kleinen Bereich und trotzdem die gigantische Schlosskulisse für ein intimes, festliches Ambiente.

Getting Ready: Der erste Cinderella-Moment


Der Hochzeitstag selbst sollte so entspannt starten wie nur möglich. Die Trauung war für 14 Uhr angesetzt, also kam eine Stylistin, ebenfalls eine Empfehlung von Mandy, bereits um 7:20 Uhr zu uns nach Hause. So saß ich in T-Shirt und kurzer Hose in unserem Wintergarten und trank eine große Tasse meines Lieblingstees, während sich Stylistin Nicole um die besprochene Frisur und das Make-up kümmerte. Als ich mich im Spiegel sah, erlebte ich meinen ersten magischen Moment. War das wirklich ich? Nicole hatte mich von Sarah in Braut verwandelt, während ich Tee getrunken und in die Morgensonne geschaut hatte. Unfassbar. Mandy half mir im Anschluss in mein Kleid (ich hatte mir beim Abstecken genau erklären lassen, wann ich wo welche Hand hindrücke, damit der Reißverschluss in einem Rutsch zugeht) und legte mir die Perlenkette meiner Mutter an. Dann sah ich Jörn das erste Mal – und er mich. Was soll ich sagen? Wir kennen uns nun seit neun Jahren. Und sind nahezu ebenso lang ein Paar. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es täglich vor Verliebtheit knistert. Aber in diesem Moment tat es das. Obwohl wir eigentlich schon im Auto sitzen wollten, weil die Zeit drängte, stand die Zeit für einen kurzen, magischen Moment still. Schmetterlinge. Stolz. Vorfreude. Mein inneres Glück und so viele Gefühle kamen auf einmal hoch und sprudelten über. Und es fühlte sich alles so richtig an.

Vor der Trauung: Fotoshooting und Touristenattraktion


Am Schloss angekommen, lachte uns die Sonne ins Gesicht. Mittagszeit. Unsere Fotografen, Markus und Christian von »Vanlight«, waren zwar nicht begeistert von der Mittagssonne, dafür umso mehr von uns (und unseren Schuhen). Sie waren schon vor uns da, begrüßten uns mit den Worten »einen wunderschönen guten Morgen an einem wunderschönen Tag« und verbreiteten direkt gute Laune. Sie halfen Jörn beim Anstecken der Blume, lobten unsere Outfits und spazierten mit uns eine Stunde lang einmal hinters Schloss. Die beiden waren absolut entspannt, auch wenn sogar der große Markus auf Zehenspitzen verharren musste, um den Reflektor über uns zu positionieren. Immer wieder zupften sie mein Kleid in Pose. Nachdem wir bereits bei einem Engagement-Shooting mit den beiden erlebt hatten, wie unkompliziert und wie begeistert sie bei der Arbeit sind, die sich scheinbar gar nicht wie Arbeit anfühlt, waren auch wir entsprechend locker und konnten die fast intime Atmophäre sehr genießen. Ich hatte ein Gefühl, als gingen wir spazieren. Alles fühlte sich leicht an, natürlich. Die Szenen wirkten nicht wie Posen und viele Motive entstanden aus der Bewegung heraus. Eine japanische Touristengruppe und viele Schlossbesucher waren beeindruckt von uns beiden großen Erscheinungen, machten Fotos und gratulierten begeistert. Bei so viel Glück und Freude war in meinem Bauch gar kein Platz mehr für Nervosität. Und spätestens als wir ein Foto machten, auf dem mein Kleid sich von oben über die Steintreppe des Schlosses legt, wir einander im Arm hielten und uns anstrahlten, als hätte es nie schwere Zeiten gegeben, hatte mein Cinderella-Märchen begonnen.

Natürlich stolperten wir, bevor es losging, ein paar Freunden und Familienmitgliedern in die Arme. Wir sind eben nicht zu übersehen, auch nicht auf einer großen Schlossanlage. Aber das große »Hallo« wollte ich möglichst weit hinauszögern. Und so trommelte unsere Standesbeamtin bereits alle Gäste ins Trautürmchen, bevor wir gemeinsam, ich bei Jörn untergehakt, den Steinweg entlanggingen und die Treppenstufen hinauf in unser neues Leben stiegen.

Die Zeremonie: Singende Gäste und Skypen im Standesamt


Ich glaube, Jörn wurde erst bewusst, dass die Musik live gesungen war und nicht vom Band kam, als wir schon fast auf den Stühlen im Hochzeitstürmchen saßen. Bereits Wochen vorher hatte ich eine Sängerin organisiert, die für uns zwei Lieder, Ed Sheeran mit »Thinking out Loud« zum Einzug und ein Medley aus Ingrid Michaelsons »The Way I am« und »You and I«, singen sollte. Es war gefühlvoll von der ersten Minute an. Jörns Familie aus der Nähe von Frankfurt, die uns eigentlich abgesagt hatte, sahen wir direkt beim Reingehen. Und dazu etwa 70 unserer liebsten Freunde und Familienmitglieder, die uns alle anstrahlten, aus allen nicht vorhandenen Ecken des runden Türmchens. So standen wir einen Moment gemeinsam im Kreis, umringt von unseren Liebsten, bevor wir uns hinsetzten. Und ich wusste: Wenn ich das nächste Mal aufstehe, trage ich einen Ring, einen neuen Namen, bekomme eine neue Identität als Ehefrau. Und wieder war es da, dieses warme Gefühl. Alles ist gut, alles ist richtig – alles ist so voller Freude, dass man gar nicht weiß, wohin damit.

Die Trauung: Nicht ohne Taschentücher


Die Traurede unserer Standesbeamtin war ebenfalls sehr emotional. Sie sprach über unsere gemeinsamen Reisen (14 Länder, vier Kontinente, tausende Erinnerungen) und darüber, wie unsere Reise in Zukunft weitergeht. Wofür wir stehen. Ich für die Lebendigkeit und die kreativen Ideen, Jörn für die Beständigkeit und Zuverlässigkeit. Wir beide für uneingeschränkte Loyalität, bedingungsloses Vertrauen. Passend dazu wählte sie als Symbol einen Leuchtturm aus Neuseeland, ein Ort, der uns beiden viel bedeutet. Den hatte Mandy nachgebaut und auf den Tisch gestellt. Die Standesbeamtin hatte dafür extra mit ihr und auch mit Jörns Trauzeugen telefoniert. Sogar ein Gedicht hatte die Standesbeamtin uns geschrieben, das sie mit etwas zittriger Stimme vortrug. Gott sei Dank schob mir Fotograf Markus immer wieder Taschentücher zu. Jörn, der meine verstaut hatte, war so überwältigt, dass er mein Anstupsen nicht bemerkte. Als er mir als erstes das Ja-Wort gab mit dem Zusatz »Ja – auf jeden Fall«, lachten unsere Gäste. Ich antwortete spontan ebenfalls mit Zusatz »Ja – von ganzem Herzen«, denn auch ich wollte mein Überwältigtsein teilen. Ich dachte, diesen Moment hätte nichts mehr toppen können. Doch dann geschah etwas, das uns beide zum Weinen brachte. Mandy hatte für alle Blumen besorgt (Gerbera, meine Lieblingsblumen, denn sie lachen so freundlich) und mit der Sängerin besprochen, dass alle gemeinsam ein Lied singen. Und so stimmten alle Gäste immer zum Refrain des Lieds »Das Beste« von Silbermond ein. Sie sangen, strahlten, freuten sich, mit uns, für uns, über uns, über alles, für alle, für alles. Und dabei schwenkten sie uns im Takt die Gerbera entgegen. Ein ganzer Schlossturm voll lächelnder Blumen und lächelnder Menschen. Ich hatte Gänsehaut bis zu den Zehenspitzen und war froh, dass wir unsere Hochzeitsfotos vor der Trauung gemacht hatten, denn Nicoles schönes Make-up verteilte ich in diversen Taschentüchern.


Zum Abschluss der Trauung kamen dann noch zwei von Jörns Cousinen und seine Patentante nach vorne, die uns auch noch einmal alles Glück der Erde wünschten – und mich herzlich in der Familie willkommen hießen. Als Krönung organisierten sie sogar eine Skype-Konferenz nach China, wo ein weiterer Cousin von Jörn mit seiner Frau lebt, weshalb die beiden nicht zur Hochzeit kommen konnten. So hatten wir tatsächlich all unsere Liebsten um uns.

Der Auszug: Vorsicht, Kopf einziehen!


Noch mehr Überraschungen: Draußen warteten zwei große Hochzeitstorten auf uns, auf einer war sogar ein Foto von uns abgedruckt. Ein Geschenk von Jörns Cousine Amelie, die auch das über Wochen geplant hatte und selbst ganz aufgeregt war, wie wir reagieren würden. Auf dem Weg zum Empfang gingen wir vorbei an Familie und Freunden durch eine Gasse, aus der uns wieder überall neben den schönen Gerbera auch liebe Menschen anstrahlten und uns Seifenblasen entgegenpusteten. Am Ende der Gasse warteten zwei meiner Freundinnen mit einem riesigen, auf Stoff aufgemalten Herzen. »Sarah & Jörn« stand darauf und darunter die GPS-Koordinaten, die wir auch in unsere Ringe haben eingravieren lassen: 48° 51‘ 30“ N, 2° 20‘ 15“ E – der Ort, an dem Jörn mich gefragt hat, ob ich seine Frau werden möchte. So führte unser Weg durch die Gasse vom ersten Gedanken an Hochzeit mitten hinein ins Eheleben, vom Moment des Kennenlernens zum Zusammensein, vom »es war einmal« bis »sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende«. Nach diesem Tag weiß ich sicher, woher die Redensart »Platzen vor Glück« kommt. Wir beide – und da sind wir mit zusammengerechnet fast vier Metern doch schon so groß – hatten nicht genug Platz für unsere Liebe.

Als wir zusammen durch das ausgeschnittene Herz stiegen (zum Tragen waren weder unsere langen Körper noch die Schleppe des Kleides gemacht), mussten wir zum einzigen Mal an diesem Tag doch tatsächlich den Kopf einziehen. Dieser großartige Tag, dieser besondere Moment, war für uns beide gigantisch. Unser Glück strahlte von innen wie ein Glücksbärchi-Strahl im Wolkenland oder eben wie zwei Leuchttürme, die den anderen – und auch einander – den Weg nach Hause weisen.

 

Eindrücke vom Hochzeitstag vermitteln unsere Bilder in der nachfolgenden Bilderbox. Zum Erfolg der Hochzeit trugen bei:

 

Fotos: Vanlight, www.vanlight.de
Styling: Nicole Schneider, www.nicovisityou.de
Brautstrauß: Anemone + Pfingstrose, gesteckt von www.schley.de
Brautkleid: Cecile Brautmoden, www.cecile.de
Ringe: Titan Factory, www.titanfactory.de
Smoking: Xuits, www.xuits.com
Schuhe: Converse, www.converse.de
Gesang: Eventsängerin Katerina, https://www.facebook.com/pages/Eventsängerin-Katerina
Location: Hochzeitstürmchen Schloss Nordkirchen, www.schloss-nordkirchen.de

Hochzeit von Sarah und Jörn

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Braut mit Brautstrauß

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Hochzeitsfoto

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Hochzeitsfoto-Shooting

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Brautpaar mit Chucks

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Brautpaar am Hochzeitstag

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Just Married am Hochzeitsauto

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Die Braut vor der Trauung

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Vor dem Standesamt

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Hochzeitstorte

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Hochzeitstorte Herzform

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Brautpaar im Standesamt

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Brautpaar beim Ringtausch

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Hochzeitskuss

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Braut unterzeichnet Eheurkunde

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Hochzeit im Standesamt

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Brautpaar nach der Trauung

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Brautpaar beim Herzausschneiden

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Hochzeitsbrauch

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Glückliches Brautpaar

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Anschneider der Hochzeitstorte

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Brautpaar beim Hochzeitstorte essen

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Braut inmitten der Hochzeitsgesellschaft

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Brautpaar in Hochzeitslocation

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Hochzeitsfoto

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