Furrer Jacot Goldschmied bei der Arbeit

Unternehmensporträt

Furrer Jacot: Mit Liebe und Leidenschaft

Es ist nicht das erste Mal, dass wir von einem Trauringhersteller eingeladen werden, uns in seiner Manufaktur anzuschauen, wie diese Symbole der Liebe und Treue entstehen. Und immer wieder aufs Neue sind wir fasziniert davon, wie viel Handwerkskunst, wie viel Liebe zum Produkt, wie viel Kreativität in diese kleinen Kunstwerke gesteckt wird. Und auch die Manufaktur Furrer Jacot in Schaffhausen, soviel sei vorab gesagt, werden wir nach unserem Besuch tief beeindruckt verlassen. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als sonst, denn die Schmuckstücke, die hier designt und in Handarbeit produziert werden, sind wirklich etwas Besonderes.

DER STANDORT
Schon der Firmensitz im Mühlental im ehemaligen Stahlwerk von Conrad Fischer ist ein Statement. »Als wir 2017 hierhin umzogen,« so Walter Häusermann, Inhaber und Geschäftsführer von Furrer Jacot, »wollten wir damit auch unsere Verbundenheit mit dem Handwerks- und Industriestandort Schaffhausen zum Ausdruck bringen.« Hohe Handwerkskunst und Innovationsgeist haben im Mühlental schon seit dem Mittelalter Tradition und es sind genau diese beiden Werte, auf die auch Furrer Jacot seit nunmehr 160 Jahren baut. Das lässt sich an einer Timeline im Besucherraum ablesen, die von der Gründung 1858 durch Jean Jacques Arbenz bis heute zeigt, wie Furrer Jacot einerseits über Generationen das Wissen und die Kunst des traditionellen Handwerks bewahrt und andererseits in schöner Regelmässigkeit den Schmuck-, Trau- oder Verlobungsring neu erfunden hat.

Das Gebäude selbst ist übrigens eine echte Perle der Bauhaus-Architektur und wurde anfangs des 20. Jahrhunderts von Karl Moser, dem »Vater der Moderne«, wie Le Corbusier ihn bezeichnete, konzipiert und erst kürzlich nach strengen Denkmalschutzkriterien renoviert.

DIE WERTE
Wofür steht der Name Furrer Jacot? Walter Häusermann nennt uns einige der Werte, denen sich die Schmuckmanufaktur verpflichtet fühlt und die sie auszeichnen und von vielen anderen unterscheiden:

Authentizität
Als fünftälteste Juwelenmanufaktur der Welt steht das Unternehmen für das vererbte Wissen von Generationen – und es steht für 100% Swiss Made.

Excellence
»Wir bieten die höchste Qualität in unserem Segment. Das bestätigen uns zum Beispiel unsere Kunden in Japan, wo Qualität seit jeher einen extrem hohen Stellenwert besitzt. Deshalb können wir auch eine lebenslange Garantie auf unsere Produkte geben. Das macht sonst niemand.«

Individualität
Es gibt bei Furrer Jacot keine maschinelle Produktion, keine Fertigung auf  Vorrat. Jedes Stück wird hier tatsächlich einzeln angefertigt und geht dabei Schritt für Schritt durch die Hände der Fräser, Dreher, Goldschmiede, Edelsteinfasser, Oberflächenveredler und Graveure. Natürlich, so erfahren wir, wäre es ohne Weiteres möglich, zum Beispiel die Oberflächenveredelung wie etwa eine Hämmerung von einer Maschine erledigen zu lassen. »Aber das sieht man dem Ergebnis dann auch an,« so erklärt uns später beim Rundgang durch die Manufaktur der Chef d'Atelier Wilfried Späth. »Der Ring wirkt dann leblos und gleichförmig und alles andere als individuell. Die Handwerker und Handwerkerinnen aber habe jeder eine eigene Handschrift, was allein schon jedes Schmuckstück zum Unikat macht.« Deshalb müssten auch bei Trauringen beide von demselben Oberflächenveredler bearbeitet werden, sie würden sonst nicht zueinander passen.

Ein weiterer Vorteil der Fertigung in Einzelstücken ist Flexibiliät: »Wir können jederzeit, wenn es nötig ist, die Produktion eines Rings dazwischenschieben. Normalerweise veranschlagen wir zwei Wochen von der Bestellung bis zur Lieferung. Aber wir können es, wenn es eilig ist, auch in 24 Stunden schaffen – das einzige Problem dabei ist der Zoll.«
Auf spezielle Kundenwünsche kann man auf diese Weise natürlich auch besser eingehen. Alle Ringe von Furrer Jacot sind adaptierbar und vom ursprünglichen Design abweichende Wünsche können, wenn technisch machbar, problemlos erfüllt werden.



Walter Häusermann, Inhaber und Geschäftsführer; Lucas Ruppli, Designer

Walter Häusermann, Inhaber und Geschäftsführer; Lucas Ruppli, Designer


DAS HANDWERK
Tatsächlich sehen wir beim Gang durch die Produktion keine Maschinenparks und müssen keine langen Hallen durchmessen. Dafür aber sehen wir jede Menge der speziellen Arbeitsplätze für Goldschmiede, Edelsteinfasser oder Polisseure, deren Holztische alle eine halbrunde Aussparung haben dort, wo der Handwerker sitzt, und die vollgestellt sind mit den unterschiedlichsten Werkzeugen.
Es herrscht eine hochkonzentrierte Atmosphäre. Man lässt sich hier auch von neugierigen Redakteuren nicht aus der Ruhe bringen – und darf es wohl auch nicht, denn wenn man mit Diamanten und Gold arbeitet, könnte jeder Flüchtigkeitsfehler teuer werden.

Wir dürfen einem Edelsteinfasser dabei über die Schulter schauen, als er einen Ring rundum mit kleinen Diamanten ausfasst, die jeweils von vier winzigen Goldperlen gehalten werden. Und die werden nicht etwa aufgelötet oder ähnliches, sondern jede einzelne davon wird mit unterschiedlichen, scharfen Sticheln aus dem Metall der Ringschiene herausgeschnitten. Das erfordert lupenbewehrte Augen, eine ruhige Hand, recht viel Kraft – und sieht sehr gefährlich aus, denn Finger und Stichel kommen sich doch erschreckend nahe.
Eine andere Mitarbeiterin hat gerade einen Ring glanzpoliert. Jetzt soll ein Drittel der Ringschiene noch mattiert werden, wozu sie den Rest rundum mit Klebeband abdeckt.  »Was für eine Geduldsarbeit!« denken wir noch, als sie diese Aufgabe schon längst mit absoluter Präzision erledigt hat. Uns bleibt nur zu staunen.

»Die Mitarbeiter sind stolz auf Ihr Produkt,« sagt Wilfried Späth. »Das ist entscheidend auch für die Qualität. Denn so kontrolliert jeder seine Arbeit selbst ganz genau, bevor er den Ring an den Nächsten in der Fertigungsabfolge weitergibt.« Er selbst hat übrigens auch eine Goldschmiedlehre bei Furrer Jacot gemacht und ist dem Unternehmen schon seit 37 Jahren treu.

DIE INSPIRATION
Wir hätten den Drehern, Fräsern, Goldschmieden, Edelsteinfassern und Oberflächenveredlern noch lange bei der Arbeit zusehen können, aber unsere nächste Verabredung steht an: Der Designer der Manufaktur hat sich Zeit genommen, uns ein wenig von seiner Arbeit zu erzählen. Lucas Ruppli entwirft seit 30 Jahren die Ringe von Furrer Jacot und hat auch eine Lehre als Goldschmied hier gemacht. Auf unsere klassische Frage, was ihm bei seiner Arbeit als Inspiration diene, bekommen wir ein knappes und entschiedenes »Alles« zur Antwort.
Wer an dieser Stelle schwärmerische Sätze über die Schönheit der Natur als Inspirationsquelle erwartet hatte, ist bei Lucas Ruppli an den Falschen geraten. Was ihn zu seinen schönen Designs inspiriert, muss nicht selbst schon schön sein. Da kann auch schon mal der Lastenkran im alten Stahlwerk nebenan das Vorbild für einen Trauring werden.
Oder das Skelett einer Schlange wird zur Inspiration für einen Ring aus Weissgold, an den innen viele kleine Ringe aus Rotgold angebracht werden – eine phantastische und aussergewöhnliche Kreation mit einem ganz besonderen, angenehmen Tragegefühl, wie wir beim Anprobieren feststellen dürfen. Sie hat dann auch prompt den Award der Couture Show Las Vegas for Men gewonnen.
Auf »Snake Bone« ist man bei Furrer Jacot besonders stolz, weil das Design wieder einmal den Innovationsgeist des Unternehmens bewiesen hat, weil er etwas ist, was niemand anders hat – und weil er nicht so einfach nachgemacht werden kann, denn die Fertigung ist sehr kompliziert.

DAS BESONDERE
Sich von anderen unterscheiden, nicht kopieren sondern das Besondere bieten, das ist Furrer Jacot in die DNA geschrieben. Dafür nennt uns Ruppli ein weiteres Beispiel: »Als wir gefragt wurden, ob wir auch Ringe mit Milgrain (eine meist als Linie am Rand eines Rings angebrachte Verzierung aus hunderten kleiner Körner, Anm. d. Red.) anbieten können, habe ich gesagt, das mache ich nicht, das machen schon die anderen.« Also überlegte der Designer an einer Alternative, nahm sich die markante Form des Matterhorns zum Vorbild und erfand »Swiss Milgrain«, eine Linie kleinster Pyramiden aus poliertem Gold, deren Seiten wunderschöne Lichtspiegelungen hervorbringen. »Cervin« nach dem französischen Namen des Matterhorns heisst das so entstandene Ringmodell.

Zum Schluss durften wir uns noch das allerneueste Highlight anschauen: Furrer Jacot verwendet seit Neuestem das Material HyCeram. Dieser hochwertige Keramikwerkstoff ist hitzebeständig, polier- und bearbeitbar und bleicht an Licht nicht aus. Es wird von Furrer Jacot vorerst in Perlweiss angeboten, als Schmuckring, aber vor allem als Trauring für die Braut in Weiss. Im Idealfall trägt der Bräutigam dazu einen schwarzen Carbonring, sodass sich die Symbolik des Yin und Yang ergibt, der Vereinigung scheinbarer Gegensätze, die sich gegenseitig ergänzen und stärken.

Über zwei Stunden hat unser Besuch gedauert. Uns kam es kurz vor, denn wir konnten viele Eindrücke sammeln, haben viel erfahren. Was aber ist nun das eingangs erwähnte »Besondere«, das Furrer Jacot ausmacht? Da wüssten Walter Häusermann, Wilfried Späth und Lucas Ruppli sicher einiges zu nennen. Was wir selbst gesehen haben ist die Konsequenz, mit der hier jeder Kundenauftrag als einzigartiges, individuelles Unikat gefertigt und behandelt wird; die in allen Bereichen der Manufaktur spürbare Liebe zum und Freude am traditionellen Handwerk und am Produkt und last but not least die Leidenschaft, den Trauring immer wieder neu zu erfinden und sich in seinen Designs vom Mainstream abzusetzen, eben das Besondere zu bieten.


www.furrer-jacot.com