Beautytipps für die Braut

Beauty

Schöner Heiraten

Kathi Zillmann ist diplomierte Visagistin mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen Werbeproduktionen, Beauty- und Editorialshoots, TV, Film, Theater, Fashion­shows und Events. Privatkunden bietet sie Make-ups für Hochzeiten und Galas sowie Schminkkurse und Ausbildungen zur Visagistin an.
www.kathizillmann.com


HOCHZEIT: Frau Zillmann, was unterscheidet ein Braut- von einem normalen Make-up?
Kathi Zillmann: Ein Braut-Make-up muss länger halten als ein normales Make-up. Es muss wisch- und wasserfest sein und darüber hinaus Freudentränen, Schwitzen und eine lange Feier überstehen. Ausserdem muss es fototauglich sein für all die vielen schönen Erinnerungsbilder vom Fest. Daher ist das Make-up für eine Braut aufwendiger als ein normales Tages-Make-up, es kommen andere Produkte zum Einsatz und es darf, passend zum Brautkleid und den Accessoires, auch gern etwas festlicher sein.

HOCHZEIT: Welche grundsätzlichen Tipps geben Sie Bräuten?
Kathi Zillmann:
Zuallererst und am wichtigsten: Bleiben Sie sich selbst treu! Am Tag der Hochzeit eine komplette Typänderung vorzunehmen oder ein Make-up auszuwählen, das man sonst niemals tragen würde, funktioniert nicht und bringt am Ende nur Frust. Darüber hinaus rate ich Bräuten:

>    Investieren Sie in einen Profi! Für die Hochzeit sollte man sich das komplette Verwöhnprogramm für Make-up gönnen und auf das Know-how eines Profis vertrauen. Eine gute Visagistin weiss, was zu welchem Typ passt.
>    Planen Sie für den Hochzeitstag genügend Zeit für das Styling ein.
>    Reservieren Sie rechtzeitig einen Termin bei der Visagistin Ihres Vertrauens. Empfehlenswert ist mindestens vier Monate vor der Hochzeit, damit auch genügend Zeit für den Probetermin bleibt.
>    Ein Probetermin für das Make-up sollte für beide Seiten obligatorisch sein. So lernt die Braut die Visagistin und ihre Arbeitsweise kennen und es kann keine »bösen Überraschungen« geben.

HOCHZEIT: Macht es Sinn, Bilder von Make-ups von Instagram, Pinterest oder Modezeitschriften als Vorlage zur Visagistin mitzubringen?
Kathi Zillmann: Es macht auf jeden Fall Sinn, gut vorbereitet zur Visagistin zu gehen. Und da können Beispielbilder vom gewünschten Make-up dabei helfen, dass die Visagistin sich ein Bild von den Wünschen und Vorstellungen der Braut machen kann. Ebenso wichtig sind Fotos vom Brautkleid, den Accessoires und von der geplanten Blumendeko der Feier.
Man sollte aber dabei nicht vergessen: Instagram, Pinterest und Werbefotos sind nicht die Realität. Oft kommen Bräute mit solchen Fotos zu mir und möchten eins zu eins denselben Look wie auf dem Bild. Es ist aber leider nicht möglich, einen Look einfach genau zu kopieren. Denn in der Regel sind Alter, Gesichtsform, Hautzustand und andere Faktoren bei der Braut ganz anders als bei den Models auf den Bildern. Deshalb sollte man sich nicht zu sehr auf eine Bildvorlage versteifen.

HOCHZEIT: Was sind die häufigsten Fehler, die beim Make-up gemacht werden?
Kathi Zillmann: Oft wird make-up-unerfahrenen Bräuten etwas »verkauft«, was nicht ihre Persönlichkeiten widerspiegelt und womit sie sich am Ende nicht wohlfühlen. Auch sieht man oft, dass Bräute mit Make-up-Produkten regelrecht »zugekleistert« werden, was im Widerspruch steht zum eigentlichen Ziel einer natürlichen und strahlenden Braut. Hier gilt: Qualität statt Quantiät. Denn mit den richtigen Produkten vom Profi verschmiert und verläuft nichts und das Braut-Make-up wirkt schön natürlich und feminin.

HOCHZEIT: Was empfehlen Sie Bräuten, die im Alltag kein oder kaum Make-up tragen?
Kathi Zillmann: Einer Braut, die sich im Alltag dezent oder gar nicht schminkt, rate ich beim Hochzeitsmake-up immer zu einem natürlichen Look. Denn ein Make-up ist genau dann perfekt, wenn es die Braut zum Strahlen bringt, ohne sie zu verkleiden oder ihren Typ zu verändern. Und es ist ein Irrglaube, dass ein natürliches Make-up weniger fototauglich ist oder nicht lange hält. Es kommt hier ganz allein auf die richtigen Techniken und Produkte an.
HOCHZEIT: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welches Make-up Sie einer Braut empfehlen?
Kathi Zillmann: Hier kommt es auf verschiedene Faktoren an, die jeder für sich zu berücksichtigen sind:

>    Welche Schminkgewohnheiten hat die Braut im Alltag?
>    Welche Art von Make-ups gefallen ihr?
>    Welche Gesichtsform hat sie?
>    Wie sind ihre Augenform und -farbe?
>    Wie alt ist sie?
>    Welchen Hautzustand hat sie?
>    Wie sind ihre Lippen geformt?
>    Welchen Stil haben das Brautkleid, die Frisur und die Accessoires?

Beim Probetermin werden all diese Punkte besprochen und ein komplettes Make-up ausgearbeitet, so lange, bis die Braut zufrieden ist und ihren perfekten Wunschlook hat. Das nimmt beiden Seiten Stress, ist enorm zeitsparend und die Visagistin weiss am Hochzeitstag genau, was zu tun ist.

HOCHZEIT: Wie erreicht man ein harmonisches Gesamtbild?
Kathi Zillmann: Make-up und Frisur müssen auf Brautkleid, Accessoires, Nagellack, Blumendekoration und Brautstrauss abgestimmt werden. Hier müssen alle Stile zueinander passen und die Farben miteinander harmonieren. Zum Beispiel dürfen die Farben der Blumen dem Make-up nicht die Show stehlen. Ein No-go ist es auch, wenn Lippenstift und Blumen nicht zusammenpassen.

HOCHZEIT: Was gehört für Sie zu jedem Braut-Make-up dazu?
Kathi Zillmann: Das ist natürlich immer auch Geschmackssache. Ich persönlich empfehle beim Braut-Make-up den Klassiker: Entweder werden die Augen oder die Lippen betont. Legt man den Fokus auf die Augen, ist aber dennoch ein dezenter Lippenstift zum Beispiel in einem Rosenholzton unerlässlich für das Gesamtbild. Auch schön definierte Wimpern und Augenbrauen sowie einen kleinen Frischekick in Form von etwas Rouge finde ich wichtig. Eine gute Foundation inklusive Fixierung ist ebenfalls ein Must-have.

HOCHZEIT:Wie erreicht man, etwa bei unreiner Haut, einen schönen Teint, ohne aber »maskiert« zu wirken?
Kathi Zillmann: Während des Probetermins habe ich Zeit, die Braut zu beraten und zu einer guten Kosmetikerin zu schicken. So lässt sich das Hautbild in der Zeit bis zur Hochzeit noch verbessern. Desweiteren arbeite ich hier mit mineralischen Make-up-Produkten. Hautunreinheiten werden mit hochpigmentierten Mineralien abgedeckt, Foundation und Puder verbinden sich optimal mit der Haut, ohne sich abzusetzen oder den Teint zu beschweren. Das Ergebnis wirkt auf diese Weise supernatürlich, obwohl alles gut abgedeckt ist.

HOCHZEIT: Was kann man als Braut im Vorfeld tun?
Kathi Zillmann: Da wären fünf wichtige Punkte zu nennen:

>    Die Haut regelmässig und typgerecht pflegen. eine gut gepflegte Haut ist die wichtigste Grundlage für ein schönes Make-up
>    Sich von einer Kosmetikerin einen individuell abgestimmten Pflegeplan erstellen lassen – und sich daran halten
>    Starke Peelings meiden
>    Starke Sonneneinstrahlung meiden
>    Haarentfernung in sicherem Abstand zum Hochzeitstag durchführen, um unschöne Rötungen zu vermeiden

HOCHZEIT: Am Tag der Hochzeit steht man ja als Braut wortwörtlich im Blitzlichtgewitter. Muss das beim Make-up berücksichtigt werden?
Kathi Zillmann: Ja, unbedingt. Hier sind Profiprodukte unerlässlich, um zum Beispiel weisse Stellen im Gesicht zu vermeiden, die entstehen, wenn günstige Make-up-Produkte angeblitzt werden. Blitzlicht schluckt auch sehr viel Farbe, was ebenfalls beim Make-up berücksichtigt werden muss. Zudem sind Fototermine oft anstrengend und finden meist draussen statt, was das Schwitzen begünstigt. Deshalb ist eine gute Fixierung wichtig, damit der Teint lange strahlend bleibt – auch auf den Fotos.

HOCHZEIT: Wie denken Sie über die Möglichkeit, sich kurz vor der Hochzeit noch auf der Sonnenbank ein bisschen Bräune zu holen?
Kathi Zillmann: Ich persönlich bin kein Fan von Sonnenbänken und stark gebräunter Haut, aber das ist Geschmackssache und soll keine Wertung sein. Ein absolutes Muss ist hier jedoch immer ausreichender Sonnenschutz. Das ist das A und O. Denn durch die Extrabräunung bildet sich Melanin in der Haut und die Farbe des Teints verändert sich. Dann muss der Ton der Foundation wieder neu angepasst werden. Im schlimmsten Fall kommt es zu Rötungen, unregelmässiger Bräune oder Verbrennungen. Das steht einem schönen und regelmässigen Teint beim Make-up dann oft im Wege.

HOCHZEIT: Was kann man tun, wenn man einen sehr blassen Teint hat?
Kathi Zillmann: Hier helfen Bronzer. Auch kann man mit leicht pigmentierten Pudern oder Rouge nachhelfen und so den Teint ein wenig aufzufrischen. Bei blassen Teints muss darauf geachtet werden, den richtigen Foundationton zu treffen, um unschöne und dunklere Make-up-Ränder zu vermeiden.