Monja Hefti Chez Janine Bubikon

Nachgefragt:

Warum kostet Ändern extra?

HOCHZEIT:  Frau Hefti, wenn ich in ein normales Modegeschäft gehe, suche ich mir ein Kleid aus, das mir gefällt und passt, kaufe es und nehme es mit nach Hause. Bei einem Brautkleid aber fallen fast immer noch Änderungen an. Warum ist das so?
Monja Hefti: Dazu muss man zuerst einmal wissen, dass in der Tagesmode fast alle Kleidungsstücke einen Stretchanteil haben. Das heisst, sie passen sich bis zu einem gewissen Grad der Figur der Frau an. Hinzu kommt, dass es bei den Schnitten in der Tagesmode kaum auffällt, wenn das Kleid an der einen oder anderen Stelle vielleicht nicht tausendprozentig sitzt.
Das ist bei Brautkleidern ganz anders: Sie haben in aller Regel keinen Stretchanteil und sie müssen wirklich ganz exakt an die individuelle Figur der Braut angepasst sein. Zumal zum Beispiel festere Oberteile wie Korsagen zusätzlich die Funktion haben, die Figur zu formen. Da kann man, was den Sitz angeht, keinerlei Kompromisse machen.
Wenn wir das Kleid dann in den Massen der Braut beim Hersteller anfordern, geht der bei der Produktion von seiner Masstabelle aus – die aber auch nur ein Raster ist. Und: Passen wir Frauen in ein Raster? Nein, tun wir nicht! Auch nicht, was unsere Figur betrifft. Und deshalb fallen bei praktisch jedem Brautkleid Änderungen an. Dass eine Frau in einem Hochzeitsmodengeschäft ein Kleid findet, dass perfekt passt, so wie es auf dem Bügel hängt, ist eine seltene Ausnahme.

HOCHZEIT:  Was sind typische Änderungen?
Monja Hefti: Sehr oft ist es die Länge, die sehr genau passen muss, denn der Rock soll zwar meist bis zum Boden gehen, aber nicht über den Boden schleifen. Zudem hängt die richtige Länge noch davon ab, welche Schuhe die Braut zum Kleid tragen will.
Dann muss meist beim Oberteil an der Brust und der Taille etwas eingenommen oder ausgelassen werden, bis es perfekt passt.
Bei trägerlosen Kleidern wünschen sich manche Bräute dennoch Träger. Das machen wir dann auch.

HOCHZEIT:  Was kosten solche Änderungen im Durchschnitt?
Monja Hefti: Wir rufen für Änderungen einen Stundensatz von 66 Franken auf. Das ist der Selbstkostenpreis. Wenn die Braut ihr Kleid ausgewählt hat, kommt die Schneiderin hinzu und schätzt die Zeit ein, die sie für die individuellen Anpassungen brauchen wird. Das sind im Durchschnitt etwa fünf bis sieben Stunden.

HOCHZEIT:  Warum ist das so aufwendig?
Monja Hefti: »Kann doch nicht so schwer sein« mag vielleicht die eine oder andere Braut denken, die in der Schule noch Handarbeitsunterricht gehabt und hier und da mit der Nähmaschine gearbeitet hat. Tatsächlich ist das Ändern eines Brautkleids eine sehr, sehr anspruchsvolle Arbeit. Perlenbesatz, Stickereien, Pailletten, Dessins: Das alles muss auch nach der Änderung noch perfekt und stimmig aussehen. Das ist sehr kompliziert und aufwendig und nicht zu vergleichen mit dem Ändern eines normalen Kleids. Vor allem auch deshalb, weil man bei einem Brautkleid zu Recht ein perfektes Ergebnis erwartet.
Es ist übrigens in der Schweiz nicht einfach, Schneiderinnen zu finden. Und wenn sie zum Beispiel von der Schule in Zürich kommen, haben sie noch keine Praxis und müssen von uns erst noch ausgebildet werden. Das ist auch für uns als Fachgeschäft ein sehr grosser Aufwand, aber wir sehen das als eine Dienstleistung, denn wir finden, dass die Braut unser Geschäft mit einem Traumkleid verlassen soll, das ihr hundertprozentig passt und makellos aussieht.


Monja Hefti leitet zusammen mit ihrer Schwester Janine Schnorf das Hochzeitsmodengeschäft Chez Janine in Bubikon.

www.chezjanine.ch