Schmuckwissen

Alles über Diamanten

Woraus sie bestehen

Im Grunde aus nichts weiter als Kohlenstoff, chemisches Zeichen C. Klingt nicht nach etwas Besonderem, aber man sollte dieses Element nicht unterschätzen: Es besitzt die Fähigkeit zur Bildung einzigartig vieler und komplexer Verbindungen und ist für alle Lebewesen auf der Erde der wichtigste Grundstoff. Man könnte es das Element des Lebens nennen. In reiner Form kommt es in unseren Bleistiften als Graphit vor – oder eben als Diamant. Und als solcher ist es der härteste natürliche Stoff, den es gibt, und auch einer der seltensten.


Wie sie entstanden sind

Diamanten entstehen nur unter extrem hohem Druck und bei Temperaturen von 1200 bis 1400 °C. Solche Bedingungen herrschen im oberen Erdmantel. Zur Erinnerung: Das, worauf wir herumlaufen, ist die Erdkruste, die an ihrer dicksten Stelle zirka 40 Kilometer misst. Der Erdmantel reicht bis 2600 Kilometer hinunter und die Diamanten entstehen in seinem oberen Teil bei Tiefen von 150 bis 660 Kilometern – daran, sie direkt dort abzubauen, wo sie entstehen, braucht man also gar nicht erst denken. Das bislang tiefste von Menschen gebohrte Loch reicht gerade mal bis Kilometer 13. Es müssen schon Vulkanausbrüche hinzukommen. Aus zwei Gründen. Erstens ist ein Vulkanschlot ein direkter Weg aus dem Erdmantel an die Oberfläche und zweitens ist es ein schneller Weg: Bei einer solchen Eruption dauert der Transport der Kristalle aus der Tiefe nur wenige Stunden, so schätzt man. Dieser zweite Punkt ist sehr wichtig, denn wenn es viel länger dauerte, würde sich der Diamant auf dem Weg nach oben in Graphit verwandeln und wieder nur zum Bleistift statt zum Edelstein taugen.
Wie alt sind Diamanten?
Beim Bestimmen des Alters der Diamanten hat man festgestellt, dass diese Edelsteine praktisch während aller Erdzeitalter immer wieder entstanden sind. Die jüngsten Steine wurden dabei auf einige hundert Millionen Jahre datiert. Der älteste bekannte Diamant ist vor zirka 4,2 Milliarden Jahren entstanden. Viel älter geht auch nicht, denn die Erde selbst schätzt man auf zirka 4,5 Milliarden Jahre. Was da an Ihrem Trauring funkeln wird, könnte also durchaus ein Gruß aus der Entstehungszeit unseres Planeten sein.


Was ist ein Karat?

Früher hat man das Gewicht mit den Samen des Johannisbrotbaums gemessen, da diese sehr gleichmäßig groß sind. Der lateinische Name dieses Baumes ist Ceratonia siliqua, daher die Bezeichnung Karat, die sich bis heute erhalten hat, obwohl man inzwischen natürlich elektronische Waagen benutzt. Ein Karat entspricht 0,2 Gramm. Das Gewicht kleiner Diamanten wird meist in »Punkt« angegeben, wobei 100 Punkte einem Karat entsprechen.


Wie groß ist ein Karat?

0,2 Gramm, das klingt nicht nach viel. Aber da täuscht man sich vielleicht. Zwar hängt es auch von der Art des Schliffs ab, wie groß ein Diamant von einem Karat wirkt. Wenn man aber das Beispiel eines Brillanten, des verbreitetsten Schliffs bei Diamanten, nimmt, dann hat so ein Einkaräter einen Durchmesser von immerhin 6,5 Millimetern, ein Halbkaräter kommt auf 5,2 und ein Viertelkaräter immer noch auf 4,1 Millimeter. Wenn Sie sich das in einen Ring gefasst an Ihrer Hand vorstellen, werden Sie feststellen, dass das gar nicht so klein ist wie die Gewichtsangabe (also 0,2, 0,1 bzw. 0,05 Gramm) vermuten lassen könnte.


Seine Reinheit


Die Qualität eines Diamanten und damit sein Wert werden nach vier Kriterien beurteilt: Karat, Reinheit, Farbe und Schliff. Im Englischen sind das Carat, Clarity, Cut und Colour, weshalb sie auch als die 4 C bezeichnet werden.
Die meisten Diamanten haben kleinere oder größere Einschlüsse. Je weniger es davon gibt, also je reiner der Diamant ist, um so wertvoller ist er. Nicht unbedingt, weil seine Brillanz durch sie beeinträchtigt würde, sondern vor allen Dingen, weil die Steine umso seltener sind, je reiner sie sind. Zur Definition der Reinheit verwendet man folgende Bezeichnungen, je nachdem, was man mit einer Lupe mit zehnfacher Vergrößerung an Einschlüssen sehen kann:

  • fl (flawless): Es sind keine Einschlüsse erkennbar. Der Stein ist »lupenrein«.
  • if (internal flawless): Das Innere des Steins ist lupenrein, nur auf der Oberfläche sind leichte Spuren der Bearbeitung erkennbar
  • vvsi (very very small inclusions): Nur sehr, sehr schwer erkennbare Einschlüsse
  • vsi (very small inclusions): Einschlüsse sind nur sehr schwer erkennbar
  • si (small inclusions): Leicht erkennbare Einschlüsse
  • pi I - III (Piqué I - III): Es sind mit bloßem Auge Einschlüsse erkennbar, bei Piqué I mindern sie die Brillanz nicht, bei Piqué II leicht, bei Piqué III deutlich

Wem es nur darauf ankommt, dass der Stein schön glänzt und funkelt, könnte sich also theoretisch mit der Kategorie Piqué I begnügen. Aber ein Trauringhersteller, der etwas auf sich hält, wird Steine dieser Kategorie niemals verwenden.


Seine Klarheit

Ein Diamant sollte natürlich nicht weiß, sondern möglichst klar sein. Diese Klarheit wird aber in einer der drei gebräuchlichen Kategorisierungen als Grad der Weißheit bezeichnet. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Graden der Klarheit sind für den Laien kaum wahrnehmbar, sondern müssen vom Fachmann mit seinem geübten Augen eingeordnet werden. Je nachdem, welche Kategorisierung Ihr Juwelier benutzt, werden Sie bei der Beschreibung der Klarheit eines Diamanten folgende Bezeichnungen lesen:

  • »Hochfeines Weiß« bzw. »River« bzw. »D - E«
  • »Feines Weiß« bzw. »Top Wesselton« bzw. »F - G«
  • »Weiß« bzw. »Wesselton« bzw. »H«
  • »Leicht getöntes Weiß« bzw. »Top Crystal« bzw. »I - J«
  • »Getöntes Weiß« bzw. »Crystal« bzw. »K - L«
  • »Getönt 1« bzw. »Top Cape« bzw. »M - N«
  • »Getönt 2« bzw. »Cape« bzw. »O«


Und je klarer, also weniger getönt der Stein ist, umso wertvoller ist er natürlich auch.



Sein Wert

Zur Einschätzung, was man für einen Stein einer bestimmten Größe und Qualität anlegen muss, sollte man wissen, dass der Wert eines Diamanten sich letztendlich nicht hauptsächlich nach Gewicht und Qualität bemisst, sondern nach seiner Seltenheit. Und größere Steine etwa findet man ungleich seltener als kleinere. Das wiederum bedeutet, dass zum Beispiel ein Einkaräter nicht einfach das Doppelte eines Halbkaräters kostet, sondern fast das Fünffache, und ein Zweikaräter nicht das Vier- sondern 17fache. Ähnliches gilt für die Kategorien Reinheit und Klarheit. So macht schon allein der Unterschied im Reinheitsgrad zwischen »if« und »vvsi« einen Unterschied von bis zu 38 Prozent aus.


Sein Funkeln

Wenn Sie schon einmal die Gelegenheit hatten, zum Beispiel ein über und über mit kleinen Brillanten besetztes Armband oder einen größeren Einzeldiamanten in der Hand zu halten und im Licht drehen zu können, dann wissen Sie, zu welch einzigartigem Funkeln und Glitzern diese Edelsteine fähig sind und was für ein faszinierendes Feuer in allen Farben des Regenbogens sie entfachen. Das liegt daran, dass ein Diamant das Licht besonders stark streut, das heißt, in seine einzelnen Bestandteile trennt.
Trotzdem wäre dieser Effekt bei Weitem nicht so ausgeprägt, wenn nicht etwas Entscheidendes hinzukäme: der Schliff. Im frühen Mittelalter etwa hatte der Diamant im Vergleich zu anderen Edelsteinen kaum einen besonderen Wert, weil man noch keine Möglichkeit kannte, ihn zu bearbeiten. Die Brillanz eines Diamanten aber beruht auf zahllosen inneren Lichtreflexionen, die erst durch den Schliff in so genannte Facetten entstehen. Ziel der Bearbeitung ist es dabei, dass einfallendes Licht im Stein selbst möglichst vollständig zum Betrachter hin zurückreflektiert wird.
Auf der Suche nach dem perfekten Schliff werden heutzutage Computer eingesetzt, die die Reflexionen im Stein berechnen, und der Schliff selbst wird oft von Automaten übernommen.



Sein Schliff

Beim Schleifen von runden Brillanten kommt es darauf an, ein ideales Verhältnis von Höhe und Breite des Steins zu treffen, um aus jedem Karat ein Höchstmaß an Brillanz herauszuholen. Schlecht proportionierte Brillanten können zu hoch oder zu flach geschliffen sein. Dabei kann zum Beispiel ein zu flacher Brillant von einem Karat beim Betrachten zwar größer wirken als ein ideal proportionierter Stein desselben Gewichts – er täuscht also gewissermaßen ein Karatgewicht vor, das er gar nicht hat. Aber meist wirken diese Brillanten gläsern und leblos. Man bezeichnet sie deshalb auch als »Fischauge«.



Bekomme ich ein Zertifikat?

Als Laie ist man kaum in der Lage, einen Diamanten auf seine Reinheit, Klarheit seinen Schliff und sein Gewicht hin zu prüfen und einzuschätzen. Das können praktisch nur die Fachleute in den Edelsteinlaboren. Zertifikate, in denen die Qualität und damit der Wert eines Diamanten nach den verschiedenen Kriterien beschrieben und bestätigt wird, werden aber erst ab einer Steingröße von einem halben Karat erstellt.



Gibt es auch farbige Diamanten?

Die meisten Diamanten, die gefunden werden, haben eine leichte Tönung, vornehmlich in den Farben Grau, Gelb, Grün oder Braun und Mischungen davon. In den allermeisten Fällen sind diese Steine aber eher unansehnlich, weshalb ein Diamant umso höher bewertet wird, je farbloser er ist. Nur ganz selten findet man farbige Exemplare mit einer intensiven, reinen und schönen Tönung. Diese bezeichnet man als »Fancy Diamonds«. Sie werden aufgrund ihrer extremen Seltenheit sehr viel höher bewertet als farblose Diamanten. Ein pinkfarbener Diamant etwa kostet das 50fache eines entsprechenden »weißen« Steins. Es gibt sogar schwarze Diamanten..
Es ist aber auch möglich, farblosen Diamanten künstlich Farbe zu verleihen, indem man sie radioaktiv bestrahlt.

 

Gibt es Diamanten »aus der Retorte«?


Erstmals 1953 gelang es dem Physiker Erik Lundblad, einen Diamanten künstlich herzustellen. Heute gibt es verschiedene Verfahren, die Edelsteine industriell zu produzieren, etwa indem man den natürlichen Prozess der Diamantentstehung im Erdmantel nachahmt und Graphit in haushohen Pressen extrem hohem Druck und hohen Temperaturen aussetzt, bis er sich in den begehrten Edelstein verwandelt. Die so entstehenden Diamanten werden aber in erster Linie selbst wieder in der Industrie verwendet, insbesondere auch im Bergbau, wo sie sich durch Granit wie durch Butter bohren. Für Schmuckstücke und Trauringe werden sie bislang so gut wie gar nicht verwendet, denn als Symbol der Treue und Liebe wollen die meisten doch lieber etwas, was vor Millionen von Jahren tief in der Erde entstanden und nicht gestern erst aus der Fabrik gekommen ist.
Wenn Sie aber einen Diamanten sehen, der für seine Größe überraschend günstig ist, dann fragen Sie den Juwelier oder Goldschmied nicht, ob er »echt« ist, denn auch industriell hergestellte Diamanten sind echte Diamanten. Fragen Sie, ob es ein natürlicher oder ein synthetischer Stein ist.