Festlich essen

Die Geschichte des Bestecks

Wenn wir uns heute an eine festlich gedeckte Hochzeitstafel setzen und dem Fest-Menü frönen, dann benutzen wir dafür so viele Gabeln und Messer wie es Gänge gibt. Vielleicht benötigt ein Gang auch etwas anderes wie einen Löffel oder aber Gabel und Löffel für das Dessert. Jedenfalls ist es klar festgelegt, was wofür zu verwenden ist. Ein edel eingedeckter Hochzeitstisch braucht also Besteck.

 

So wie wir es heute kennen, war es allerdings nicht zu jeder Zeit. "Die bei Tisch liegenden alten Römer konnten verständlicherweise nicht mit Gabel und Messer arbeiten, da sie sich ja auf einen Arm stützten", sagt Stil- und Knigge-Expertin Yasmin Eren. "Deshalb wurden möglichst alle Speisen - sofern sie nicht vor den Augen der Gäste tranchiert wurden - bereits in der Küche in mundgerechte Stücke geteilt." Den Löffel allerdings kannte man. Für ihn reichte schließlich eine Hand, um mit seiner Hilfe die Speise zum Mund zu führen - zum Beispiel eine Suppe oder Mehlspeise.

 

Einen ersten schriftlichen Beleg für die Benutzung der Speisegabel gibt es im Jahr 1379 in Frankreich, erzählt Yasmin Eren. Tatsächlich gängig sei sie aber erst im 18. Jahrhundert geworden. "Die Gabel kam zeitlich gesehen also erst deutlich nach Löffel und Messer zur Verwendung bei Tisch zum Einsatz", sagt die Knigge-Expertin. Anfangs wurde sie lediglich als Tranchiergabel zu Hilfe genommen und hatte lediglich zwei Zinken. Erst später, im 16. und 17. Jahrhundert, wurde sie bei Hofe eingeführt, wobei die katholische Kirche zunächst keine große Begeisterung zeigte, weil man die Gabel zum einen mit der linken, und damit der "bösen", Hand führte und sie zum anderen wie der Dreizack des Teufels aussah. Und so erklärt es sich auch, weshalb wir die Gabel heute mit vier Zinken kennen.

 

"In der Regel wird die Speisegabel so benutzt wie sie auf dem Tisch liegt", erklärt Yasmin Eren. Sie liegt also links vom Teller und wird in der linken Hand verwendet. "Allerdings war es zum Beispiel in Großbritannien möglich, die Gabel umgedreht auf dem Tisch einzudecken", weiß die Knigge-Expertin. "Es kann auch etwas aufgepickt werden - zum Beispiel ein abgeschnittenes Stück Grillfleisch. Die Speisen auf dem Gabelrücken zu balancieren, ist hingegen unüblich. Wenn die Gabel als Spezialbesteck benutzt wird, zum Beispiel bei Spagetti, können Teigwaren mit ihrer Hilfe eingedreht werden. Dann führt man die Gabel übrigens mit der rechten Hand."

 

Auch an der Hochzeitstafel hat heute jeder Gang sein eigenes Besteck, was in der Fachsprache auch Couvert genannt wird. Das für einen Gang benutzte Besteck behält man laut Tafel-Kunde nicht für den nächsten. Man lässt es vielmehr mit Beenden des Ganges abräumen und verwendet für den neuen Gang auch neues Besteck.